Mullerthal

Zum Abschluß führt die Reiseroute nochmal zurück nach Luxemburg.

Im Mullerthal, nordöstlich der Hauptstadt, findet man tief im Wald eine beeindruckende Felslandschaft mit teils bizarren Felsformationen, Grotten, Höhlen und Felsspalten. Das Gebiet ist auch als Kleine Luxemburger Schweiz bekannt und ein großartiges Wanderziel.

Bizarr sind aber nicht nur die Felsen, sondern irgendwie auch deren Bezeichnungen wie Binzeltschlëff.

Das Mullerthal ist durch zahlreiche markierte Wanderwege gut erschlossen. Hauptweg ist der 110 Kilometer lange Mullerthal Trail. Wir belassen es aber dann doch bei einem Teilstück: 16,97km, 3:33h.

Beeindruckt: Lapin Mullerthal

Schengen

Nach einem mit sechs Tagen überaus langen Prolog geht es heute nun endlich nach Frankreich, ins Land des amtierenden Fußball-Weltmeisters, wie ich an dieser Stelle gerne noch einmal betonen möchte. On a gagné!! ?

Der erste Halt des Tages ist aber noch ein letzter Halt auf dieser Tour in Luxemburg: Wo das Großherzogtum an Frankreich und das Saarland grenzt, liegt an der Mosel der kleine Ort Schengen. Mit dem 1985 hier abgeschlossenen Abkommen über offene Grenzen innerhalb der Europäischen Gemeinschaft wurde damals Geschichte geschrieben. Und auch wenn die offenen Grenzen heute leider oft mißbraucht werden: Der Reisehase ist ein überzeugter Europäer.

In Schengen erinnert das Musée Européen an das Abkommen, ebenso verschiedene Denkmäler entlang der Moselpromenade.

Ob dieser Buchstabensalat allerdings auch Europa symbolisieren soll… Hm. Manchmal macht es ja leider genau diesen Eindruck.

Im Ort selbst steht noch ein kleines Schlößchen; es gibt davon auch eine Zeichnung von Victor Hugo, der 1871 hier weilte.

Echternach

Im Jahr 698 kam der aus England stammende Missionar Willibrord in diese Gegend und gründete ein Kloster, aus dem sich im Mittelalter die bedeutende Reichsabtei Echternach entwickelte, berühmt für die hier entstandenen Buchmalereien und Codizes. Echternach ist damit die älteste Stadt Luxemburgs. 

Willibrord missionierte zunächst bei den Friesen, die aber renitent blieben und um 750 Willibrords Nachfolger Bonifatius erschlugen… Das Grab des Heiligen Willibrord, der die Friesenmission unbeschadet überstand, befindet sich in einer Krypta unter der Klosterkirche.

Das Grab des Heiligen war schon im frühen Mittelalter Ziel einer bedeutenden Wallfahrt, aus der die berühmte Echternacher Springprozession entstand, die jedes Jahr an Pfingsten stattfindet.

“Drei Schritte vor und zwei zurück”… So, lernt man, funktioniert die Sache bei der Echternacher Springprozession. Das stimmt aber gar nicht; der korrekte Gang ist eher eine Art federndes Hüpfen im Dreieck (rechts vor, links vor, rechts, zurück).

Vermutlich entstand diese einmalige Prozession, die eher heiter bis lustig wirkt als ernst, im Mittelalter aus den gar nicht so heiteren Veitstänzen der Büßer, die damit Epidemien wie die Pest abwehren wollten.

Ziel der Wallfahrt war und ist die große Klosterkirche St. Willibrord.

Hübsch ist auch das kleine Zentrum der Stadt mit dem Marktplatz, an dem der gotische Dingstuhl steht, ein Gerichtsgebäude. Heute ist einiges los auf dem Platz, denn hier ist der Zielbereich des Muellerthal Ultratrail, ein Lauf-Event mit vier Strecken zwischen 15 und 112 Kilometern, letztere mit einem Höhenunterschied von 2800 Metern. Hui. Respekt.

Der Reisehase flaniert aber lieber entspannt durch Echternachs Straßen oder konzentriert sich an Tagen, an denen die Reiseroute durch Weinregionen führt, auf das Wesentliche:

Tchin. ?

Luxemburgs Osten: An der Sauer

Von Wallendorf, wo die Our in die Sauer mündet, ist die Sauer bis zu ihrer Mündung in die Mosel der Grenzfluß zwischen Luxemburg und Deutschland.

Der Fluß ist ein recht beliebtes touristisches Ziel; die Landschaft ist sehr schön, geeignet zum Wandern, Rad- und Bootfahren, und am Ufer gibt es viele Campingplätze (ich war vor Jahren auch mal dort zelten, weiß aber nicht mehr, wo genau. Ist lange her…).

Hier bei Rosport ist die Sauer allerdings gestaut; ganz so breit ist der Fluß ansonsten dann doch nicht.

In Rosport steht die Villa Tudor eines hier ansässigen Industriellen.

Hauptsehenswürdigkeit des Sauertals ist aber zweifellos Echternach mit seinem Benediktinerkloster. Dazu gleich mehr in einem eigenen Beitrag.

Ebenfalls in Echternach: Das ist schon ein Scheiß, wenn der Parkplatz voll belegt ist. 

Luxemburgs Osten: An der Mosel

Zwischen Schengen bzw. Perl und Wasserbillig bildet die Mosel die Grenze zwischen Luxemburg und Deutschland. 

Hier werden die Ufer vielfach zum Weinanbau genutzt; sowohl auf deutscher wie auch auf luxemburgischer Seite gibt es bekannte Weinlagen wie das Wormeldinger Koeppchen. Angebaut wird – moseltypisch – vor allem Weißwein: Riesling und Elbling dominieren. Was ja nix Schlechtes ist. Im Gegenteil. ?

Blick von Wincheringen hinüber nach Wormeldange:

Schön ist auch der Blick auf Wormeldange von der Moselbrücke:

Grevenmacher liegt nicht ganz so idyllisch, weil hier ein vielbefahrener Grenzübergang ist und sich an der Staustufe der Mosel auch Industrie angesiedelt hat. 

Im kleinen, aber recht hübschen Ortskern mit seinen teils engen Gassen gibt es aber natürlich auch einige Weingüter.

Außerdem hat der Ort am Moselufer fast so etwas wie eine Skyline.

Am Stadion “Op Flohr” üben Musik- und Tanzgruppen gerade für ihre Auftritte: Es ist Weinfest in Grevenmacher an diesem Wochenende. 

Etwas weiter moselabwärts ist Wasserbillig dann der erste Ort auf luxemburgischen Boden, wenn man von Trier kommt. Hier mündet die Sauer in die Mosel, die nun nach Osten in Richtung Trier abbiegt und Luxemburg verläßt.

Der erste Ort hinter der Grenze: Das ist in Luxemburg gleichbedeutend mit einer Ansammlung von Tankstellen. In Schengen oder Remich sieht das nicht anders aus.

Den Preisunterschied von etwa 20 Cent pro Liter nutzen hier in Wasserbillig vor allem die Trierer. Das gesparte Geld investieren eine Menge Fahrer mit TR-Kennzeichen dann aber offensichtlich in eine offensive, rasante und latent aggressive Fahrweise. Und das einzige Wort, bei dem ich mir im vorangegangenen Satz nicht sicher bin, ob es stimmt, ist “latent”…

Schueberfouer

So heißt Luxemburgs größtes Volksfest, das alljährlich im August/September für drei Wochen abgehalten wird. Man kann es mit dem Hamburger Dom vergleichen.

Die Schueberfouer ist schon seit dem 14. Jahrhundert nachgewiesen und gehört somit zu den ältesten Jahrmärkten überhaupt. Veranstaltet wurde sie anfangs auf einem mit Heuschobern bestandenen Gelände, daher der Name, der übersetzt Schober-Messe bedeutet. Heuschober heißt auf Französisch übrigens meule de foin. Bitte merken; man braucht das ständig.

Die Schueberfouer ist heute vor allem eine riesige Kirmes.

Man hat die Auswahl unter zahlreichen Fahrgeschäften, darunter einige Rüttelwürger, nach deren Benutzung man vermutlich zwei Stunden lang nicht mehr weiß, wo oben und unten ist. 

Nix für den Reisehasen, der lieber ganz gemütlich mit dem Riesenrad ein paar Runden dreht, …

… und die Aussicht genießt. Außerdem bleibt da auch noch genug Zeit für ein paar Bilder.

Lapin Schueberfouer.

Unn was gebbt dòò gess? Ei, Grumberkiechelcher.

?

Dudelange / Diddeleng

Seit der Fußballverein F91 Düdelingen über Luxemburgs Grenzen hinaus bekannt wurde, ist auch der Name der Stadt vielen ein Begriff. Es werden aber die wenigsten schon mal dort gewesen sein, denn Düdelingen liegt nicht gerade in einer touristischen Gegend.

Die Stadt, die auch auf die Namen Dudelange und Diddeleng hört, ist eines der Zentren des luxemburgischen Industriereviers.
In der Stadtmitte steht die mächtige Martinskirche, deren Innenraum ein hervorragendes Beispiel dafür ist, wie Kirchen gemäß der ästhetischen Vorstellungen in der Epoche des (späten) Historismus möglichst auszusehen hatten: Bunt bemalt, vor allem mit viel Blau und Gold, was die Räume allerdings auch immer in ein gewisses Dämmerlicht taucht.

Insbesondere die Figurenfriese zeigen hier in Dudelange aber auch schon Jugendstil-Anleihen.

Ebenso wie die große Pfarrkirche zeigt auch das mächtige Rathaus von der Bedeutung der Stadt im Industrierevier; für eine Stadt von 20.000 Einwohnern ist das schon überraschend monumental. Die ARBED, der luxemburgische Stahlkonzern, der in den 70er Jahren auch die saarländischen Hütten in Völklingen, Neunkirchen und Burbach übernahm, hatte hier einen ihrer Hauptstandorte: Das D in ARBED steht für Dudelange.

Und F91? Die haben sich vor ein paar Jahren schon in mein Herz gespielt, als sie RB Salzburg aus der Champions-League-Qualifikation warfen. Dieses Jahr haben sie dann sogar die Gruppenphase der Europa-League erreicht. Das Dosenwerfen hat parallel dann Roter Stern Belgrad übernommen. Danke nach Serbien!

F91 unterhält im Zentrum einen Fanshop, der aber leider geschlossen ist.

Das Stadion des Vereins ist das Stade Jos Nusbaum, am Berghang am Rand der Innenstadt gelegen.

Europapokalspiele werden hier aber nicht stattfinden; dazu wird man ins Stade Josy Barthel nach Luxemburg umziehen müssen; die Auflagen der UEFA erfordern das.

Luxemburgs Süden

Der Süden Luxemburgs ist ein Industrierevier: Genau wie in den angrenzenden Regionen Lothringen und Saarland bestimmte hier lange Zeit die Schwerindustrie das Geschehen: Kohle, Eisen und Stahl. Eine Tourismusregion ist das nun wahrlich nicht; die Chance, in z.B. Bettembourg, Schifflange oder Rumelange anderen Reisehasen zu begegnen, ist eher gering.

Inzwischen sind die Kohle- und Eisenerzgruben alle geschlossen und auch nur noch wenige Stahlwerke aktiv; Luxemburg hat früh auf den Strukturwandel reagiert. Relikte der alten Zeit finden sich aber noch überall, so wie hier in Esch-sur-Alzette.

Da Luxemburg und das Saarland, was die wirtschaftliche Situation angeht, in den 50er Jahren fast identisch waren, bin ich auch davon überzeugt, daß es dem Saarland heute besser ginge, hätte man 1955 für das Autonomiestatut gestimmt. Aber das ist natürlich Spekulation. 

Ein typisches Ortsbild für das Bassin Minier Luxemburgs zeigt Rumelange, das ganz im Süden direkt an der französischen Grenze liegt.

Hier ist auch das Nationale Bergbaumuseum Luxemburgs.

Auch in Kayl steht ein Bergarbeiterdenkmal:

In Tétange ist die ehemalige Schoufabrik heute Museum: Hier wurden, der Name sagt es, Schuhe hergestellt; es gab also auch neben Kohle und Eisen noch andere industrielle Standbeine.

Dudelange kriegt gleich seinen eigenen Artikel; geplant war außerdem ein Beitrag über Esch-sur-Alzette, aber dort zeigte man sich mal wieder unverschämt, was das Parken angeht (wieso koppelt man einen akzeptablen Tarif von 0,50€/h mit einem Mindestbetrag von 3€ ?? ? ). Da muß ich wohl mal sonntags wiederkommen oder mindestens sechs Stunden bleiben wollen (was angesichts der Größe Eschs – 35.000 Einwohner – dann doch hoch gegriffen scheint).

Bous

Daß es auch in Luxemburg einen Ort namens Bous gibt, verschaffte mir stets die Gelegenheit, meine Heimatadresse mit “Bous/Saar” anzugeben, auch wenn das rein posttechnisch gar nicht nötig gewesen wäre.

Das luxemburgische Bous ist recht klein (1.500 Einwohner), und mit der Erwähnung der Pfarrkirche sowie des Sport- a Kulturzenter vun de Gemeng sind dann alle Sehenswürdigkeiten restlos abgehakt.

Rund um Luxemburg

Da ich zum Mittagessen in Luxemburg-Stadt sein möchte, lege ich die heutige Tour um die Hauptstadt herum.

Mersch, nördlich der Hauptstadt gelegen, ist eine Kleinstadt, die noch Reste eines Schlosses besitzt und ansonsten im Ortsbild schon deutlich an Lothringen erinnert.

Der Reisehase kann hier auf dem Drachen reiten wie einst Bastian Bux auf Fuchur.

Im Hintergrund der Ale Tuerm, der Alte Turm, der zu dem gehört, was auf Luxemburgisch Kuckeswäertes heißt. Ich liebe diese Sprache, die so wunderbar nah am moselfränkischen Saarländisch ist. 

Ein Stadtteil der Hauptstadt heißt Bonnevoie bzw. Bonneweg; der Name ist fast das Einzige, was übriggeblieben ist vom hiesigen Kloster “Bona Via” der Zisterzienserinnen, das um 1200 gegründet wurde.

Im Klosterhof (Cour du Couvent) steht noch dieser Torbogen, der allerdings aus jüngerer Zeit stammt.

Bonneweg ist ansonsten eine typische Vorstadt und gehört wohl eher nicht zu den ganz teuren Vierteln. Direkt daneben liegt das Bahnhofsgebiet mit zwei Rotunden.

Am Bahnhof wird gerade gebaut, und das Ausmaß der Baustelle läßt vermuten, daß das Bauprojekt Luxemburg 21 heißen könnte. Dann aber ohne Wutbürger und Baumschützer.

Nach Süden folgt mit Hesperange eine Gemeinde aus dem Umland, die inzwischen mit Luxemburg zusammengewachsen ist. Der Ort entstand um eine Burg auf einem Felsen über dem Tal der Alzette. Ein Rest der Burg steht noch.

Von oben blickt man auf das kleine Zentrum des Ortes mit der Pfarrkirche, die an einer Kreuzung zweier stark befahrener Straßen steht.