Luxemburgs Westen

Fährt man aus der Industrieregion um Differdange und Käerjeng (Kerschen) nach Norden, wird es sehr schnell sehr ländlich. Aus dem dicht besiedelten Ballungsraum wird recht abrupt eine dünn besiedelte Gegend mit kleinen Dörfern, die in Flußtälern zwischen bewaldeten Bergen liegen. Zum Beispiel Useldange mit seiner Burg, die der Reisehase hier präsentiert.

Auf luxemburgischer Seite der Grenze zu Belgien liegt zum Beispiel die kleine Gemeinde Habscht, bestehend vor allem aus den Dörfern Hobscheid…

…und Eischen, die beide nur gerade so eben die 1.500-Einwohner-Marke überspringen.

Eischen und Hobscheid liegen im Tal der Eisch, oder Äisch, wie sie auf Luxemburgisch heißt. Der gemeinsame Fußballverein, in dem der ehemalige Erstligist Olympique Eischen aufgegangen ist, heißt daher konsequenterweise auch Alliance Äischdall. Der ist, wie die luxemburgische Wikipedia vermeldet, 2007 “duerch d’Fusioun vum CS Habscht mam FC Olympique Äischen gegrënnt ginn.” So ähnlich würde ich Saarländer das auch ausdrücken. Oh leck.

Einen Hügelrücken weiter nördlich im nächsten Flußtal, ebenfalls an der luxemburgisch-belgischen Grenze, liegt Ell, ein 500-Einwohner-Dorf. Durch ein weites flaches Tal fließt die Attert, wie die Eisch ein Nebenfluß der Alzette.

Viel Spektakuläres gibt es hier nicht zu sehen, aber der Ort ist ein guter Ausgangspunkt für Wanderungen durch die östlichen Ardennen bzw. den Ösling, wie die Landschaft hier heißt. Infotafeln am Weg erzählen vom Leben im “Wilden Westen” Luxemburgs, wobei mir allerdings das idyllische Dörfchen an der ebenso idyllischen Attert nicht sehr wild vorkommt. Aber mit stillen Wassern ist das ja so eine Sache. Wer weiß.

Andererseits: Wie wild kann’s hier werden, wenn die Schule “Um Frëschepillchen” heißt?

Es gibt aber einen Fußballverein, den SC Ell, dessen Platzgelände in den Wiesen am Flußufer liegt. Man hat hier eine hübsche kleine Tribüne an den Spielfeldrand gestellt und sie in den Vereinsfarben bemalt. Vielleicht wird’s hier ja doch mal wild, im Stade um Essig. Man unterschätze das nämlich nicht. Die Herren spielen zwar nur in der vierten Liga (von fünf), aber das Damenteam des SC Ell gehört seit Jahren zur Ligue 1, zur ersten Liga des Landes.

Einige ältere Häuser stehen im Ortszentrum, zum Beispiel der Musikssaul (ein Wort, das ziemlich sicher auf der ersten Silbe betont und mit kurzem u und kurzem i gesprochen wird: Músikssaul).

Ebenfalls im Tal der Attert liegt Useldange. Der Ort entstand um eine Burg, die von den Herren von Useldingen errichtet wurde und später durch seltsame Umstände in den Besitz der Markgrafen von Baden gelangte. Als Ruine bildet die Burg auf einem Felsen über dem Flußtal noch heute das Ortszentrum, das ansonsten einige hübsche Häuser bietet.

Und dann kommen verlockende Geräusche vom Sportplatz des Ortes. So kann ich ungeplant und unerwartet sogar noch die Saisoneröffnung feiern: Bei Jeunesse Useldange gegen US 01 Berdorf-Consdorf, 1. Divisioun 1. Bezierk (das ist eine der Staffeln der dritten Liga in Luxemburg).

Maskenzwang besteht auf dem Sportgelände nicht, dafür gibt’s sechs Tore zu sehen, alle für Useldange. Schön war’s. Es tut so gut!

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