Chimay

Die Trappisten sind ja ein Reformorden der Zisterzienser), und so sind die Zisterzienser letztlich auch für den Ruf Belgiens als Bierbrauernation verantwortlich. Die sechs Trappistenbrauereien des Landes, darunter Westmalle, Orval und Chimay, sind weltbekannt. Leffe ist zwar auch eine bekannte Marke allerdings kein Trappistenbier (Leffe ist ein Prämonstratenserkloster). Kleiner Blick auf die Beute des Reisehasen:

Chimay ist eine Kleinstadt an der französisch-belgischen Grenze mit Schloß und historischer Altstadt.

Etwa zehn Kilometer entfernt, aber noch zur Gemeinde Chimay gehörend, liegt die Abtei Scourmont, in der das Chimay-Bier gebraut wird. Außerdem stellen die Mönche noch einen ebenfalls bekannten Käse dieses Namens her.

Das aktive Zisterzienserkloster besitzt eine Kirche, die aus dem 19. Jahrhundert stammt, aber die Bauvorschriften des Ordens aus dem 12. Jahrhundert einhält (kein Schmuck, keine Ausmalung usw.).

Macquenoise

Der Grenzort Macquenoise heißt inzwischen auch Courquain Das liegt an dem Film “Rien à declarer” (Nichts zu verzollen), mit Dany Boon als Regisseur und in der Hauptrolle (kennt man in Deutschland hauptsächlich von “Willkommen bei den Sch’tis”). “Rien à declarer” ist auch eine Komödie und behandelt den alltäglichen Kampf zwischen Schmugglern und Zöllnern im kleinen Ort Courquain an der französisch-belgischen Grenze.

Gedreht wurde im echten Grenzort Macquenoise, und an den hauptsächlichen Drehorten sind Infotafeln mit Erläuterungen zum Film aufgestellt.

Warum der Film im Gegensatz zu den Sch’tis in Deutschland fast unbekannt geblieben ist… keine Ahnung.

Bastogne

Bastogne, zu deutsch Bastnach, ist eine Kleinstadt in der belgischen Provinz Luxembourg. Bekannt ist sie vor allem für das Radrennen Lüttich-Bastogne-Lüttich, das jährlich im März ausgetragen wird. Darüber informiert dann auch ein Kreisverkehr im Zentrum.

Das Rennen wird seit 1892 ausgetragen und ist somit der älteste der großen Frühjahrsklassiker, der Eintagesrennen in dieser Region. Im April hatte ich ja schon über Paris-Roubaix geschrieben.

Ansonsten gibt die Stadt nicht allzu viel her; diese Installation von Regenschirmen über der Hauptstraße bringt aber wenigstens etwas Farbe in die arg verstopften Straßen Bastognes.

Die Info, daß es hier “très bons biscuits” gibt, erreicht mich leider etwas zu spät. 

Am Stadtrand steht ein Denkmal der Amerikaner, das an die Gefallenen während der Ardennenschlacht 1944/45 und die Befreiung Belgiens erinnert. Das Mémorial ist, wie viele amerikanische Bauten dieser Art, ziemlich monumental.

Daneben steht ein Museum zur Kriegsgeschichte.

In einer kleinen Krypta sind drei Mosaike von Fernand Léger zu sehen.

Mons

Historische Hauptstadt des Hainaut ist Mons (zu deutsch passenderweise “Bergen”), eine für die Region sehr typische Stadt mit ihren Backsteinhäusern, engen Gassen mit Kopfsteinpflaster und einer Grand’Place im Zentrum. 

An diesem Platz mit seinen zahlreichen Cafés und Restaurants steht – neben Rathaus und Grand Théâtre – auch der Beffroi (Belfried) der hier in der Gegend eigentlich in jeder Stadt anzutreffen ist (im Bild unten links hinter der Kirche). Victor Hugo gefiel der Beffroi von Mons nicht (“…wäre häßlich, wenn er nicht so groß wäre”). Die große gotische Stiftskirche Ste-Waudru steht nur ein paar Schritte entfernt.

Mons war 2015 Europäische Kulturhauptstadt; ich nehme an, daß das hier ist noch ein Relikt des Kulturjahres ist:

Im 19. Jh. entwickelte sich die Gegend um Mons zur Industrieregion: Kohle und Stahl prägten lange Zeit das Bild des Hainaut. Mittlerweile ist das alles Vergangenheit, aber einige bedeutende Relikte haben sich erhalten.

Das ist kein Schloß, sondern das Bergwerk Grand Hornu. Um 1820 baute man auch Industrieanlagen im klassizistischen Stil.

Die Fördertürme des Bergwerks existieren nicht mehr; die Standorte der Schächte 2 und 7 sind aber noch markiert.

Und um das Bergwerk herum errichtete man eine Grubensiedlung. Auch diese ist größtenteils erhalten und sehr typisch für das nordfranzösisch-belgische Bergbaugebiet. Ich komme später noch darauf zurück.

Einen Förderturm kann man hier in Mons auch noch bewundern: Das ehemalige Bergwerk Crachet im Vorort Frameries ist heute Teil eines Wissenschafts- und Technologieparks.

Canal du Centre

Der Canal du Centre ist eine Verbindung zwischen zwei anderen Kanälen in Belgien und somit Teil des dichten belgisch-französischen Kanalnetzes. Er sorgte für eine Verbindung der Maas mit der Schelde.

Anstelle von Schleusen entschied man sich beim Bau des Kanals für vier Schiffshebewerke, die den Höhenunterschied von etwa 90 Metern zwischen Maas und Schelde ausgleichen sollten. Die Hebewerke, zwischen 1882 und 1917 errichtet, zählen seit 1998 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Zurecht, denn sie sind alle vier erhalten, in gutem Zustand (besser als die Straßen…) und bilden ein beeindruckendes Ensemble.

Hebewerk 1:

Hebewerk 2:

Hebewerk 3 (mit Maschinenzentrale):

Hebewerk 4:


Vor einigen Jahren hat man parallel zum alten Kanal einen neuen Kanal gebaut, auch weil die alten Hebewerke zu klein waren. Der 2002 eröffnete Kanal verläuft parallel zum alten; letzterer dient seitdem ausschließlich touristischen Zwecken.

Die Funktion der vier Hebewerke übernimmt im neuen Kanal ein einziges: Das riesige Hebewerk von Strépy-Thieu ist von beeindruckender Monumentalität. Mit dem 110m hohen Bauwerk überwinden die Schiffe einen Höhenunterschied von 73 Metern.

Das Schiff im Bild oben fährt gerade in die linke Kammer und wird dann angehoben: 

Très très content: Lapin du canal.

Hainaut

Bevor es (morgen) ins Land der Sch’tis geht, mache ich als Ouvertüre noch eine Tagesetappe durch Belgien.

Hainaut heißt auf Deutsch “Hennegau”. Die Region ist benannt nach dem Fluß Haine (Henne). Im ausgehenden Mittelalter spielte die Grafschaft Hennegau über lange Zeit eine sehr bedeutende Rolle, gehörte im 15. Jh. zu Burgund und später dem Haus Habsburg, war somit also sozusagen österreichisch. Heute ist der Hennegau eine der wallonischen Provinzen Belgiens.

Der Straßenzustand läßt einen hier aber auch häufiger mal an das ausgehende Mittelalter denken. Bei den Radsport-Frühjahrsklassikern, die ja in dieser Gegend stattfinden (Flèche Wallonne, Paris-Roubaix – ich komme später noch auf das Thema zurück) freuen sich die Fahrer bestimmt über die Kopfsteinpflaster-Strecken: Da ist’s dann nicht so holprig. ? Den armen Volvo rüttelt es jedenfalls kräftig durch (und Fahrer und Hase gleich mit).

Ziel der Tagesetappe sind zunächst einige Zisterzienserklöster; meine Belgien-Liste ist ja im Gegensatz zur Frankreich-Liste noch lange nicht vollständig – aber jetzt um ein paar Klöster länger.

Von Le Jardinet in Walcourt steht nur noch das Portal:

Die Abbaye d’Aulne ist zwar auch nicht mehr komplett, aber die Ruinen am Ufer der Sambre sind sehr beeindruckend.

Und auf dem Gelände des Klosters L’Olive bei Morlanwelz ist ein schöner Landschaftsgarten entstanden.

Neutral-Moresnet 

Résumé (service spécial ;-)): L’histoire intéressante (ben… a mon avis…) d’un miniscule pays quasi indépendant de 1816 à 1919 à l’Est de la Belgique: Moresnet-Neutre. 🙂

In Kelmis im deutsch-belgisch-niederländischen Grenzgebiet bestand über 100 Jahre ein quasi eigenständiges Territorium: Neutral-Moresnet war genau 3,4 Quadratkilometer groß, hatte anfangs knapp 300 Einwohner und eine eigene Flagge (schwarz-weiß-blau quergestreift). Nur eine eigene Fußball-Nationalmannschaft, die gab’s nicht.

Entstanden war das Gebilde, das als neutrale Zone keinem anderen Staat unterstand, im Jahr 1816, als sich die Preußen und die Niederländer nicht über den genauen Grenzverlauf einigen konnten. So kam ein Teil der Gemeinde Moresnet zu Preußen, einer zu den Niederlanden, und in der Mitte blieb ein schmales Dreieck übrig. Dessen nördliche Spitze bildete das heutige Dreiländeteck, das somit mit der belgischen Unabhängigkeit 1830 zum Vierländereck wurde. 

Die neutrale Zone entwickelte bald ein reges Eigenleben, und deren Einwoner wußten die Vorteile der Lage für sich zu nutzen: Zollfreiheit, niedrige Steuern, Alkoholschmuggel, kein Militärdienst…

Einen Grund, warum das Gebiet umstritten war und keiner es abgeben wollte, gab es natürlich auch, und natürlich war dieser Grund ein wirtschaftlicher: Die Galmei-Vorkommen: Der Bodenschatz (Zinkspat) wurde zur Metallverarbeitung benötigt. Von seinem Namen leitet sich die heutige Ortsbezeichnung ab: Galmei -> Kelmis.

Nach dem Ersten Weltkrieg endete die Geschichte ganz prosaisch: Da kam Neutral-Moresnet zusammen mit Eupen zu Belgien. Der kleine Hauptort des Gebietes, das heutige Kelmis, besteht aus kaum mehr als einer Handvoll Straßen um den zentralen Kirchplatz. Es gibt ein Heimatmuseum und ein paar Cafés, mehr eigentlich nicht.

An Neutral-Moresnet erinnern lediglich eine Infotafel im Ort und die schwarz-weiß-blaue Fahne der Gemeinde am Kriegerdenkmal.

Drielandenpunt

Kijk eens! De haas gaat naar Nederland.

Südwestlich von Aachen treffen auf dem Vaalserberg Belgien, die Niederlande und Deutschland zusammen. Am Dreiländereck steht eine kleine Stele, um die herum der Grenzverlauf auf dem Boden markiert ist.

Der niederländische Teil ist gleichzeitig auch der höchstgelegene Punkt des Landes: Genau 322,5m über dem Meer ist man hier.

Neben diesen Landmarken bietet der Ort noch weitere Attraktionen: Zahlreiche Wanderwege, Biergärten, ein Labyrinth und einen Aussichtsturm, den auf belgischer Seite stehenden König-Balduin-Turm:

Aus etwa 50m Höhe ist die Sicht in alle Richtungen natürlich enorm, trotz des heute eher grauen Himmels.

Richtung Belgien (Ardennen):

Richtund Deutschland (Aachen):

Und Richtung NL (das Bergbaurevier um Kerkrade/Heerlen):

Alle Richtungen bedeutet bei diesem Turm übrigens auch: nach unten.

Ein Hase, drei Länder:

Und von 1816 bis 1919 war dieser Dreiländerpunkt sogar ein Vierländerpunkt. Aber das erzähle ich später.

Lüttich 

Und zum Abschluß der Tour noch ein Bilderbuch mit ein paar Impressionen aus Lüttich.

Die Art-Déco-Kirche St. Vincent.

Pont de Fragnée.

Tour Paradis.

Musée d’Art Moderne im Château de la Boverie.

In der Altstadt. 

Mémorial Interallié und Église Sacré-Cœur de Cointe.

Und nochmal der Bahnhof Guillemins. Weil’s so schön war.

Lüttich war wirklich einen Besuch wert. Vielleicht keine Schönheit auf den ersten Blick, aber eine sehr interessante Stadt mit vielen Facetten. Beim nächsten Besuch muß dann nur Standard noch ein bißchen besser Fußball spielen.