Arlbergpaßstraße

Aus dem Klostertal kommend, beginnt die Paßstraße bei Stuben gleich mit einem starken und kurvigen Anstieg. 
Links sieht man den Flexenpaß, der vom Arlbergpaß abzweigt und durch die Flexen-Galerie nach Zürs und Lech führt. Rechts im Bild die Arlbergstraße, die sich oberhalb des Ortes den steilen Berghang hinaufschraubt.

Nach den Serpentinen geht es an den Albona-Bahnen vorbei zur Paßhöhe, die auch die Grenze zwischen Vorarlberg und Tirol bildet. Der kleine Ort Sankt Christoph, der direkt unterhalb der Paßhöhe liegt, war früher ein Hospiz für diejenigen, die den Arlbergpaß zu Fuß überquerten. Heute steht hier eine Handvoll Hotels und Restaurants. 

Vor ein paar Jahren sind wir von hier aus mal zu den Albona-Seen gewandert. Das war aber im August. Jetzt liegt hier oben noch mächtig viel Schnee, so daß an Wandern nicht zu denken ist. 

Erster Ort an der Ostseite ist Sankt Anton am Arlberg, ein vor allem touristisch geprägter Ort. In der momentanen Atempause zwischen Winter- und Sommersaison ist im Ort ähnlich viel los wie an der Ostsee im November oder in Paderborn ganzjährig. ? 

Talabwärts folgen dann Orte wie Pettneu…

…und Flirsch (mit hübschem Gemeindeamt).

In Flirsch äußert sich übrigens auch erstmals die Tiroler Vorliebe für einsilbige Ortsnamen: Flirsch, Stams, Schwaz, Stanz, Imst, Grins (!), Oetz, Wenns, Zams, Mils, Fiss, Silz, Fließ, Telfs und und und. Die Liste laut und schnell zu lesen ist eine prima Sprechübung.

Kurz vor Landeck zweigt rechts das Paznauntal ab, das mit Galtür und vor allem Ischgl für bestimmte Wintersportarten (=Komasaufen) bekannt ist. Am Talausgang bei Tobadill überquert eine Bahnstrecke die Trisanna in großer Höhe.

Tobadill selbst ist ein kleiner Ort oberhalb des Sanna-Tals und des Paznauntals, mit schöner Pfarrkirche….

…in deren Inneren man  Reliquienschreine vorfindet, die für den heutigen Betrachter doch eine etwas makabre Wirkung entfalten.

Klostertal

Tag 4: Bludenz -> Imst.

Von Bludenz aus geht es heute nach Osten, weg aus Vorarlberg und hinüber nach Tirol. Die Fahrt dorthin führt zunächst durch das Klostertal in Richtung Arlberg.

Abseits der recht stark befahrenen Arlbergstraße und direkt am Ufer des Gebirgsbaches Alfenz liegen kleine Dörfer, wie z.B. Dalaas,…

Klösterle…

…und Langen am Arlberg mit seiner Expositurkirche von 1929.

Das Klostertal endet dann recht abrupt bei Stuben am Arlberg, wo der Arlbergpaß beginnt. Das schauen wir uns aber erstmal von unten an.

Montielmaisäß

Zum Akklimatisieren steht an Reisetag Nr. 3 eine erste Wanderung auf dem Programm: Nicht allzu lang, aber mit einem spürbaren Anstieg und schönen Ausblicken, wie hier auf St. Gallenkirch und die Berge des Rätikon:

Rahmendaten: 7,77km, 540 Höhenmeter, 1:50h.

Vom Start an der Kirche in Sankt Gallenkirch auf etwa 900m…

…geht es gleich steil hinauf, an Höfen vorbei und durch die Wälder am Berghang.

Immer wieder bietet sich eine schöne Aussicht ins Montafon und die Bergmassive.

Zielpunkt ist der Montielmaisäß auf 1395m. 

Ein Maisäß ist eine Art Zwischenstation beim Almauftrieb. Im Mai werden die Kühe zunächst auf etwa 1200-1600m Höhe gebracht, ehe dann im Sommer der eigentliche Aufstieg zur Alm erfolgt. Ein Maisäß ist somit der Mittelteil der u.a. hier im Montafon verbreiteten Dreizonen-Viehwirtschaft (Tal, Maisäß, Alm).

Der Maisäß Montiel ist seit dem 15. Jahrhundert bekannt; die ältesten Hütten, Ställe und Scheunen stammen noch aus dem 17. Jahrhundert. Ständig bewohnt ist Montiel nicht mehr, wohl aber noch bewirtschaftet.

Am steilen Berghang entlang geht’s dann über Außergant und Ziggam zurück nach St. Gallenkirch mit der Pfarrkirche St. Gallus. 

Schöne Tour! Zufrieden: Wanderhase.

Gargellen

In einem Nebental des Montafon liegt auf 1423m Höhe der kleine Ort Gargellen, umgeben von über 2500m hohen Bergen wie der Madrisa und den westlichen Ausläufern der Silvretta.

Das Gargellental ist besonders im unteren Bereich sehr eng und wild, und 2005 war der Ort auch nach einem Felssturz, der die einzige Zufahrtsstraße zerstörte, von der Außenwelt abgeschnitten. Heute, bei schönem Wetter und 16 Grad sogar in dieser Höhe, ist alles ruhig, und das kleine Bergdorf lädt zu einer kurzen Wanderung ein.

Dabei kommt man unter anderem auch an der hübschen Fideliskapelle vorbei.

Bregenz (2)

Der Nachmittag ist zunächst eine ziemlich feuchte Angelegenheit. 

Dann aber hört’s am späten Nachmittag doch noch auf zu regnen, und später kommt sogar noch die Sonne durch. Hier also noch ein paar Impressionen aus dem Bregenzer Hafen. 

Molenfeuer (Leuchtturm) an der Hafeneinfahrt:

Lichttunnel von Gerry Ammann:

Yachthafen:

Bregenz: Die Seebühne

Bregenz ist auch Festspielstadt: Auf der weltweit größten Seebühne finden jedes Jahr in den Sommermonaten die berühmten Festspiele statt. In diesem Jahr (und auch 2018 – die Inszenierungen laufen immer zwei Jahre) steht Georges Bizets “Carmen” auf dem Programm.

Ich merke mir das mal.

Das Bühnenbild steht jedenfalls schon und ist wieder sehr außergewöhnlich:

Direkt nebenan steht das 1980 eröffnete und 2006 erweiterte Festspielhaus, das bei schlechtem Wetter als Ausweichmöglichkeit dient.

Mehrerau

Daß das am Bregenzer Stadtrand gelegene Kloster Mehrerau heute als Territorialabtei und Kopf der Mehrerauer Kongregation zu den wichtigsten Klöstern des Zisterzienserordens zählt, ist an der Architektur zumindest der Klosterkirche nicht ablesbar. Im Gegenteil: Die Kirche ist vor allem von außen, mit Verlaub, ziemlich häßlich.

Andererseits erfüllt der Bau die klassischen Bauvorschriften des Ordens, die Schlichtheit und Schmucklosigkeit verlangten. Aber zisterziensische Romanik ist eben doch etwas anderes als 50er-Jahre-Funktionalismus. Zumindest mit dem Blick von heute betrachtet.

Ebenso schlicht ist auch das Kircheninnere:

Nicht ganz so schmucklos sind aber die Klostergebäude:

Ebenfalls in Mehrerau steht ein vom Kloster betriebenes Sanatorium, dessen Gebäude 1923 von Clemens Holzmeister entworfen wurde. Der Architekt hat 1929 mit St. Agatha im saarländischen Merchingen einen richtungsweisenden modernen Kirchenbau entworfen.

Bregenz

Im Gebiet der heutigen Hauptstadt Vorarlbergs lag in der Antike ein keltisches Oppidum der Brigantiner. Nach diesem Volksstamm erhielt die römische Stadt Brigantinum ihren Namen. Daraus entstand der heutige Name Bregenz.

Die Stadt am Ostende des Bodensees hat etwa 30.000 Einwohner, ist also von durchaus überschaubarer Größe. Etwas erhöht liegt die im 13. Jh. entstandene Oberstadt, die,ebenfalls überschaubar, eigentlich nur aus drei Straßen besteht.

Sehenswert ist die Pfänderbahn, die seit 1927 auf den Bregenzer Hausberg hinauffährt.

Die Talstation stammt ebenfalls noch von 1927.

An der Seepromenade steht noch etwas ganz Besonderes: Ein Milchpilz (Pilzkiosk). ? Die waren in den 50er Jahren weit verbreitet (im Saarland standen auch welche), sind inzwischen aber bis auf wenige Ausnahmen leider verschwunden.

Überhaupt ist die Seepromenade sehr schön angelegt und bei Sonne bestimmt noch toller als unter Nieselregen (der inzwischen echtem Regen Platz gemacht hat).

Und hier sitze ich gerade, unter den Schirmen und mit Blick ins Graue, bei Topfenstrudel und Großem Braunen.

Schruns

…klingt als Ortsname für deutsche Ohren (et probablement aussi pour les gens francophones – n’est-ce pas?) etwas eigenartig. Insbesondere dann, wenn man mit dem Nachbarort den Doppelnamen Schruns-Tschagguns bastelt.  

Ortsnamen wie Tschagguns, Nüziders, Gaschurn, Vandans, Damüls usw. zeugen davon, daß man sich in uraltem rätoromanischen Sprachgebiet befindet, auch wenn man die Sprache hier heute im Gegensatz zu Graubünden nicht mehr aktiv spricht. Aber besiedelt wurde die Gegend ursprünglich von Rätoromanen. 

Manches klingt aber auch weniger exotisch (nun, eventuell…), aber dafür schlicht niedlich:

Schruns ist das westliche Tor zum Montafon; von hier aus führt die Silvretta-Hochalpenstraße über die Bielerhöhe hinüber nach Galtür und ins Paznauntal in Tirol. 

Durch Schruns fließt die 24km lange Litz, die hier in die Ill mündet, und der Reisehase fragt sich, wie das hier wohl aussieht, wenn es mal ein paar Tage am Stück kräftig regnet…

Hotel und Parkplatz sind übrigens direkt am Ufer der Litz. Auf eine akute Klärung dieser Frage bin ich also gar nicht so scharf.

James und Ernest…

…und John. Vorarlberg verbindet man nicht unbedingt mit Klassikern der englischsprachigen Literatur. Aber es gibt diese Verbindungen, sogar mehrere.

In Schruns verbrachten Ernest Hemingway und John Dos Passos* einige Zeit. Hemingway schrieb hier an seinem Roman “Fiesta”, und die in Schruns verbrachten Winter fanden auch ihren Niederschlag in der Kurzgeschichte “Schnee auf dem Kilimandscharo”. Im Zentrum von Schruns steht sein Denkmal.

* “Manhattan Transfer” – das 1925 erschienene amerikanische Pendant zu Döblins Großstadtroman “Berlin Alexanderplatz”. Gelesen? Nein? Nachholen!

In Feldkirch erinnert man sich an James Joyce, der mehrfach hier war und der anläßlich eines Aufenthaltes im Hotel zum Löwen (Bild unten) im Jahr 1932 sagte, am Bahnhof von Feldkirch habe sich 1915 (als er auf der Durchreise von Triest nach Zürich hier war) das Schicksal des “Ulysses” entschieden.