Maroilles, Jenlain etc.

Jetzt wird es aber höchste Zeit, die kulinarischen Spezialitäten der Region zu würdigen. Nicht nur, daß ich im Hotel in Le Nouvion-en-Thiérache jeden Abend ein hervorragendes Menü serviert bekam…

…es gibt natürlich auch hier regionale Spezialitäten. Ich habe noch keine französische Region gefunden, die diesbezüglich nichts bietet. Und ich war inzwischen überall. 

Die Trappistenbiere hatte ich ja schon erwähnt. Es gibt aber noch mehr. In Maroilles wird ein bekannter Käse produziert, der zwischenzeitlich auch mal als “Fromage des Ch’tis” beworben wurde. Biloute, hein!?

Die Form des Maroilles ist traditonell ein Viereck, und so ist die Form des Carrée des Sauveurs in Maroilles nur konsequent.

Ein paar Kilometer weiter nördlich produziert die Brasserie Duyck das bekannte und recht verbreitete Bier Jenlain.

Cambrai (das gleich noch einen eigenen Beitrag erhält) ist bekannt für die Bêtises, Karamellbonbons mit Minze, die in dieser Form schon seit etwa 1850 produziert werden.

Ein Abendessen hatte ich eigentlich hier geplant: Im Répos du Lièvre in Maubert-Fontaine. Aber der ruhende Hase macht noch bis nächste Woche Ferien. Schade.

Dafür gibt es noch eine Begegnung mit einem Lapin. In Form einer Terrine aux Noix… Ja, ich schäme mich über alle Maßen. Es ging mir aber wie damals Maria Theresia bei der ersten polnischen Teilung: Ich weinte, aber ich nahm.

Bogny-sur-Meuse

Bogny besteht aus drei ursprünglich selbständigen Gemeinden (Château-Regnault, Levrézy und Braux) und zieht sich daher über fast zehn Kilometer durchs Maastal (mit Schleifen natürlich).

In Château-Regnault steht auf hohem Felsen über dem Maastal das Denkmal für die “4 Fils Aymon”. 

Die Legende der Haimonskinder ist ein uraltes Heldenepos, das im 8. Jahrhundert spielt und sich zu wesentlichen Teilen hier an der Maas verorten läßt. In Grundzügen geht es um vier Brüder, die sich mit Karl dem Großen anlegen und von einem Pferd namens Bayard mit überirdischen Kräften unterstützt werden. Einen der Haimonssöhne, die Hauptfigur Renaud (Reinold) verschlug es später ins Rheinland und weiter nach Dortmund, wo er bis heute Stadtpatron ist (Dortmunds Hauptkirche ist die Reinoldikirche).

Vom Denkmal blickt man hinunter auf den ebenfalls nach Reinold benannten Ort Château-Regnault. 

Château-Regnault war Standort einer Herrschaft und einer Burg, die Ludwig XIV. zerstören ließ.

In Levrézy steht das Musée de la Métallurgie Ardennaise (MMA), das zeigt, daß auch dieser Teil des Maastals bedeutende Eisenindustrie besaß.

Der Ortsteil Braux wiederum bezeugt  mit der Kollegiatskirche, die in den Fundamenten bis ins 9. Jahrhundert, also fast in die Zeit der Haimonskinder, zurückreicht, daß die Gegend schon im frühen Mittelalter besiedelt war.

An der Maas

Zwischen Charleville-Mézières und der belgischen Grenze hat sich die Maas tief in die Ardennen hineingegraben und verläuft hier in vielen Flußschleifen durch ein weitgehend bewaldetes Gebiet. 

Die wenigen Orte am Fluß sind industriell geprägt; Wald und Wasser waren wichtige Rohstoffe für die Eisenverarbeitung, außerdem wurde und wird Schiefer abgebaut und verarbeitet, zum Beispiel in Fumay. Der Ort liegt in einer Flußschleife der Maas.

Revin liegt gleich in zwei Flußschleifen.

Monthermé liegt zur Abwechslung dann auch in einer Flußschleife. Es gibt da echt einige. 

Die von Monthermé erinnert vom Aussichtspunkt an der Longue Roche aus übrigens sehr an die Saarschleife; allerdings bin ich dieses Mal nicht dort hoch (2006 schon). Aber es wäre eine längere Wanderung, und heute fehlte die Zeit. Also nur ein Blick von unten, weshalb man die Schleife nur erahnen kann.

Mit der Abteikirche von Lavaldieu am Stadtrand von Monthermé zeigen dann übrigens die Prämonstratenser, daß auch andere Orden schöne Klöster haben.

Rocroi

Die vielleicht schönste Festungsstadt des französischen Nordens ist Rocroi. Es ist ursprünglich – ausnahmsweise mal – keine von Vauban geplante Festung, sondern etwa 100 Jahre älter und entstand um 1550 im Auftrag König Henri II. zum Schutz der Grenze gegenüber dem Heiligen Römischen Reich. Vauban hat die Festung später aber noch perfektioniert.

Die sternförmigen Bastionen haben sich vollständig erhalten; auf Luftbildern sieht das phantastisch aus. In der flachen Landschaft, in die Rocroi eingebettet ist, gibt es aber keinen ausreichend hohen Aussichtspunkt. Was bei der Anlage der Festung übrigens durchaus zur Strategie gehörte.

Einen Eindruck erhält man aber zumindest von der etwas erhöhten Bastion de Montmorency.

Das Stadtzentrum bildet die Place d’Armes, von der die neun Hauptstraßen der Festung strahlenförmig ausgehen. Hier am zentralen Platz stehen dann auch Rathaus und Kirche, Brasserien und Restaurants.

Gefällt es hier: Lapin Fortifié.

Chimay

Die Trappisten sind ja ein Reformorden der Zisterzienser), und so sind die Zisterzienser letztlich auch für den Ruf Belgiens als Bierbrauernation verantwortlich. Die sechs Trappistenbrauereien des Landes, darunter Westmalle, Orval und Chimay, sind weltbekannt. Leffe ist zwar auch eine bekannte Marke allerdings kein Trappistenbier (Leffe ist ein Prämonstratenserkloster). Kleiner Blick auf die Beute des Reisehasen:

Chimay ist eine Kleinstadt an der französisch-belgischen Grenze mit Schloß und historischer Altstadt.

Etwa zehn Kilometer entfernt, aber noch zur Gemeinde Chimay gehörend, liegt die Abtei Scourmont, in der das Chimay-Bier gebraut wird. Außerdem stellen die Mönche noch einen ebenfalls bekannten Käse dieses Namens her.

Das aktive Zisterzienserkloster besitzt eine Kirche, die aus dem 19. Jahrhundert stammt, aber die Bauvorschriften des Ordens aus dem 12. Jahrhundert einhält (kein Schmuck, keine Ausmalung usw.).

Macquenoise

Der Grenzort Macquenoise heißt inzwischen auch Courquain Das liegt an dem Film “Rien à declarer” (Nichts zu verzollen), mit Dany Boon als Regisseur und in der Hauptrolle (kennt man in Deutschland hauptsächlich von “Willkommen bei den Sch’tis”). “Rien à declarer” ist auch eine Komödie und behandelt den alltäglichen Kampf zwischen Schmugglern und Zöllnern im kleinen Ort Courquain an der französisch-belgischen Grenze.

Gedreht wurde im echten Grenzort Macquenoise, und an den hauptsächlichen Drehorten sind Infotafeln mit Erläuterungen zum Film aufgestellt.

Warum der Film im Gegensatz zu den Sch’tis in Deutschland fast unbekannt geblieben ist… keine Ahnung.

Riqueval, Le Grand Souterrain

Unter Napoleon wurde er innerhalb weniger Jahre durch den Berg gegraben: Der Kanaltunnel von Riqueval.

Mit dem Canal de Saint-Quentin verband man die Flußsysteme von Seine und Schelde; das Ganze hatte neben der wirtschaftlichen natürlich auch eine militärische Dimension. Wie auch anderswo (Canal de Bourgogne) wird die Scheitelhöhe per Tunnel überbrückt.

Die Besonderheit dieses Tunnels erzählt das Musée du Touage am südlichen Tunnelausgang in Riqueval: Die Schiffe dürfen nämlich nicht selbständig durch den Tunnel fahren; dieser ist mit seinen 5,6 km dafür einfach zu lang. Stattdessen werden sie von Schiffen gezogen, die in einer am Kanalboden liegenden, fast acht Kilometer langen Kette eingehakt sind und durch den Tunnel fahren, indem sie sich an der Kette entlangziehen. Riqueval ist einer der ganz wenigen Orte weltweit, an denen diese Technik der Kettenschiffahrt noch aktiv im Einsatz ist.

Bei einer Geschwindigkeit von laut Infotafel 2,5 km/h, die die Kettenschiffe erreichen, dauert die Tunnel-Durchfahrt also gute zwei Stunden. Eine Mutprobe.

Das nördlichen Tunnelende bei Macquincourt muß man suchen; kein Schild und keine Infotafel weisen darauf hin. Da helfen nur Michelinkarte und ein feines Näschen.

Beides hat der Reisehase natürlich, und er hat Glück (ja, ich könnte es auch als Erfolg minutiöser Reiseplanung verkaufen… war es aber in diesem Fall nicht): Es wird nämlich gerade ein Schiff, die Florence IV, durch den Tunnel gezogen.

Le Cateau-Cambrésis

Die Kleinstadt Le Cateau wäre vermutlich nicht weiter erwähnenswert, wäre nicht hier 1869 Henri Matisse geboren worden.

Das Wohnhaus der Eltern, in dem Henri aufwuchs, steht allerdings etwa 20 Kilometer südlich in Bohain-en-Vermandois.

Hier steht auch ein großes Hôtel de Ville, das schon deutlich an die nordfranzösischen Rathäuser erinnert. Die Malereien im Foyer stammen nicht von Matisse, sind aber dennoch sehenswert.

In Le Cateau seinerseits gibt es das Musée Matisse, das im Palais Fénelon untergebracht ist. 

Im Garten des Museums findet man u.a. dieses Relief, das der Künstler speziell für das Museum in seiner Geburtsstadt angefertigt hat.

Der Rest der Innenstadt ist Baustelle.

Vaucelles

In Vaucelles steht eine ehemalige Zisterzienserabei, und natürlich war ich schon einmal hier. Damals, anno 2006, jedoch aufgrund eines Planungsfehlers (!) an einem Montag. Die Innenaufnahmen standen also bis jetzt noch aus, und das hole ich nun nach.

In der Französischen Revolution wurde das Kloster aufgelöst, und die Gebäude dienten als Steinbruch. So ist zum Beispiel die fast 130 Meter lange Klosterkirche (sie war größer als Notre-Dame-de-Paris) vollständig verschwunden. Säulenreihen im Garten deuten den Standort an.

Erhalten haben sich ein Flügel der Klostergebäude und das aus dem 18. Jh. stammende Logis Abbatial.

Im Kloster kann man den Saal der Mönche und den Kapitelsaal besichtigen; beide sind so großartig, wie ich es von allen großen Abteien des Ordens gewohnt bin.

Der einzige Störfaktor ist ein olfaktorischer: In der Nähe unterhält der Konzern Mars eine Fabrik für Tierfutter, und so hängt leider stets ein unpassender Geruch von Frolic in der Luft… 

Comme souvent, un Lapin Cistercien.

Vermandois

Das Vermandois gehört zur Picardie und war im Mittelalter eine Grafschaft mit dem Hauptort Saint-Quentin, dem römischen Augusta Viromanduorum. Der Name kam von dem in dieser Gegend lebenden Keltenstamm der Viromanduer, dessen Name somit in der Grafschaft weiterlebte, sowie in Vermand, einem eher verschafenen Nest, dessen Kirche einen außergewöhnlichen Turm mit offener Spitze besitzt.

In Péronne ist in der Burg das Mémorial de la Grande Guerre, ein Museum über den Ersten Weltkrieg, eingerichtet, und das nicht ohne Grund: Péronne lag im Zentrum der Schlachten an der Somme, dem neben Verdun und dem Chemin des Dames wohl schlimmsten Gemetzel des Krieges, mit über einer Million Toten in vier Jahren Stellungskrieg.

Auch in der Umgebung stößt man überall auf Reminiszenzen: So gut wie jedes Dorf besitzt einen Friedhof mit Kriegsgräbern; dieser hier liegt bei Gouy am sogenannten Prospect Hill.

Und dann gibt es noch die Erinnerungsstätten wie dieses amerikanische Mémorial bei Bellicourt:

Von hier blickt man direkt auf die Schlachtfelder; irgendwo hier verlief die sinnlose Front in einem sinnlosen Krieg.

Daß Péronne nach vier Jahren Krieg, Belagerung und Beschuß keine historische Altstadt mehr aufweist, kann man der Stadt wirklich nur schwer vorwerfen.

Und wie man an den angebotenen Culinaria erkennen kann, befindet man sich hier in Frankreichs Norden.

Auf der Tour durch das Vermandois kommt man auch in rekordverdächtige Orte. Jedenfalls, was den Ortsnamen angeht.

Y. Viel kürzer geht’s nun wirklich nicht.

Wie feuern die ihr Fußball-Team an? Allez Y? ?

Zwei große Flüsse entspringen in dieser Gegend: Die Escaut / Schelde fließt nach Norden und mündet bei Antwerpen nach 360km in die Nordsee. Die Quelle befindet sich bei Gouy.

Die Somme entspringt nur wenige Kilometer davon entfernt bei Fonsommes. Sie fließt nach Westen, durch Amiens und Abbeville bis zum Ärmelkanal. Auch ihr hat man ein Quellbecken gebaut, das momentan allerdings trockenliegt. Das Wasser kommt erst ein paar Meter dahinter zum Vorschein.

Auf ihren ersten Metern nach dem Quellbassin tarnt sich die Somme dann zunächst einmal ganz hervorragend.

Direkt an der Somme-Quelle stand übrigens mit Fervaques ein… na?… was wohl?… genau: …Zisterzienserkloster! Es sind aber nur noch Reste erhalten, die heute Teil eines Bauernhofes sind.