Rund um den Annaberg

Der Annaberg (Góra Świętej Anny) ist eine der wenigen markanteren Erhebungen in diesem Teil der Schlesischen Ebene. Oben steht eine Wallfahrtskirche, daneben ein Kloster, und im Umkreis jede Menge Kapellen, ein Kreuzweg und eine Lourdesgrotte.

Damit ist der Annaberg so etwas wie der “Heilige Berg” zumindest für diesen Teil Schlesiens; für die Region als Ganzes dürfte das eher der markantere und deutlich höhere Zobten sein. Ein guter Aussichtsberg ist der Annaberg nicht; er ist bewaldet, und man hat nur an wenigen Stellen freie Sicht auf die Ebene.

Aber die meisten Besucher kommen auch nicht wegen der Aussicht hierher, sondern als Pilger, denn die Wallfahrt zu einer alten Marienfigur und zu den hier verwahrten Reliquien der Heiligen Anna gibt es schon seit dem 16. Jahrhundert. Die Wallfahrtskirche aus dem 18. Jahrhundert kommt außen sehr schlicht daher, ist im Inneren aber üppiger Barock (kein Bild; es war gerade Messe). Wallfahrten zum Annaberg gibt es bis heute, und jeden Tag um 15:30 Uhr findet auch eine Andacht in deutscher Sprache statt.

Unterhalb liegt das Städtchen Leschnitz das zu den offiziell zweisprachigen Gemeinden gehört und wo mehr als ein Viertel der Einwohner deutschsprachig ist (aus dem Ort wurden nach dem Krieg nicht alle deutschen Bewohner vertrieben). Es gibt einen Ringplatz, der keine sehr alten Häuser besitzt, weil die Stadt 1843 durch einen Brand fast vollständig zerstört wurde. Verschont blieb die Pfarrkirche zur Heiligen Dreifaltigkeit.

Ein paar Kilometer weiter liegt Slawentzitz (Sławięcice), ein Stadtteil von Kandrzin-Cosel, wo wir ja gestern schon waren. Die Stadt ist sehr großflächig; das Zentrum von Cosel zum Beispiel liegt gute 15 Kilometer westlich von Slawentzitz. Dort steht ein hübsches Rathaus.

Der Engel vor dem Gebäude stand ursprünglich im Schloßpark, wurde dann in den Wirren der Nachkriegszeit verschleppt, landete fast auf dem Schrottplatz, wurde wiedergefunden und fand schließlich den Weg zurück nach Slawentzitz.

Das 1829 erbaute Schloß war riesig und diente den Fürsten zu Hohenlohe-Öhringen als Residenz, die sich hier als Industrielle betätigten und Zinkhütten und Galmei-Bergwerke betrieben. Eine Infotafel zeigt ein Photo des Schlosses.

Zu sehen ist davon heute fast nichts mehr. Es wurde gegen Ende des Zweiten Weltkriegs zerstört, die Ruine später abgetragen. Erhalten hat sich nur ein kleiner Portikus, der gerade restauriert wird.

Slawentzitz liegt am Gleiwitzer Kanal, einer Wasserstraße aus den 1930er Jahren, die den gut hundert Jahre älteren, aber schmaleren Klodnitzkanal ersetzte. Mit dem Kanal besteht eine schiffbare Verbindung vom Oberschlesischen Industrierevier zur Oder.

Nur einen Ort weiter trifft man auf die nächste Schloßruine: Schloß Ujest gehörte auch den Grafen von Hohenlohe. Es wurde 1945 von der Roten Armee zerstört.

Genauso wie mehr oder weniger der gesamte Ort, dessen Zentrum mit Ringplatz sich unterhalb des Schlosses befindet. Der Ring besitzt daher ausschließlich Nachkriegsbauten. Mit dem Brunnen und kleinen Details wie den Steinen mit dem großen U für Ujest ist der Platz aber trotzdem sehenswert.

Ein schönes Photo-Motiv ist auch der Fischteich am Ortsrand. Natürliche Seen gibt es in der Region nur wenige, aber dafür viele angelegte Teiche und einige Stauseen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert