Ratibor gehörte zu den größeren und wichtigeren unter den zahlreichen schlesischen Residenzstädten.

Mit etwa 50.000 Einwohnern ist es auch heute noch ein regionales Zentrum im Südosten Schlesiens, nicht allzu weit weg von der tschechischen Grenze. Ich weiß nicht genau, ob es am grauen Himmel liegt, aber die Stadt wirkt irgendwie auch etwas grau und nicht ganz so atmosphärisch wie viele andere schlesische Städte. Vielleicht liegt es daran, daß die Stadt im Krieg nach zwei Monaten an der Frontlinie zu 80% zerstört war. Vielleicht ist es aber auch die große Baustelle auf dem Rynek, die diesen Eindruck noch verstärkt. Den Platz als Ganzes würde man aber ohnehin nicht sinnvoll aufs Photo bringen; dazu ist er zu groß. Die sehenswerte Platzseite ist jedenfalls die Westseite (im Startbild und hier):

Auf der anderen Platzseite stehen schlichte Nachkriegsbauten. Das ist nicht allein den Kriegsschäden geschuldet; von dem, was den Krieg überstanden hatte, wurde einiges erst danach abgerissen und durch Neubauten ersetzt. Vielleicht ist auch das der Grund, warum Ratibor nicht ganz so einnehmend wirkt wie zum Beispiel die nahegelegenen Städte Pleß oder Gleiwitz. Aber würde man die Stadt häßlich nennen, täte man ihr auch unrecht.

Und über manche Wandmalerei kann man lange, lange rätseln (und kommt doch zu keinem Ergebnis). Wer ist das (Waldelben?) und was machen die da? Egal, sehenswert ist es auf jeden Fall.

Das historische Zentrum der Stadt liegt am linken Ufer der Oder, die hier durch den südlichsten Teil der Schlesischen Ebene fließt.

Auf der anderen Flußseite, im Stadtteil Ostrog, steht das Residenzschloß, die Burg Ratibor, die schon im 12. Jahrhundert (als vermutlich eher schlichter Holz-Bau) errichtet wurde. Hier residierten die Herzöge von Ratibor, später diverse Adelsfamilien, die eigentlich ganz woanders ihre Stammregion hatten, zum Beispiel Hessen-Rotenburg oder Hohenlohe-Schillingsfürst. Nach dem Ende der Feudalzeit diente die Burg als Brauerei.

Im Krieg nur leicht beschädigt, wurde die Burg trotzdem dem Verfall preisgegeben und erst ab 2008 aufwendig restauriert. Heute glänzt sie wieder, auch und vor allem die bedeutende hochgotische Burgkapelle.

Noch einen Blick auf den Bahnhof der Stadt: Hier kann man anhand einer Infotafel das aktuelle Empfangsgebäude mit dem Vorgängerbau vergleichen.

Und was da links ins Bild hineinschaut, ist Halinka, offiziell eine Tw53. Sie ist Baujahr 1953 und war auf oberschlesischen Schmalspurstrecken als Güterzuglokomotive unterwegs.
