Spremberg / Grodk

Auch in der nahegelegenen Stadt Spremberg, auf Sorbisch Grodk, kann man auf Erwin Strittmatters Spuren wandeln.

Esau Matt, Strittmatters alter ego im Roman “Der Laden”, geht hier aufs Gymnasium, die “Hoche Schule”, wie man im dörflichen Bossdom dazu sagt. Die Hoche Schule steht noch und heißt heute Erwin-Strittmatter-Gymnasium.

Esau/Erwin kam hier beim Hausmeisterpaar des örtlichen Lyzeums unter. Hier lernte er Ilonka Spadi kennen (und lieben, was aber nicht so wirklich auf Gegenseitigkeit beruhte; man würde sie heute zickig nennen). Auch die “Hoche Mädchenschule” steht noch.

Und so kann man auf den Spuren von Esau Matt und Erwin Strittmatter durch Spremberg laufen, das im Roman nur mit seinem sorbischen Namen Grodk auftaucht.

Das Stadtzentrum ist von überschaubarer Größe. Es liegt auf einer Insel in der Spree, die heute, vielleicht nach den Regenschauern von heute Nacht, ziemlich braun daherkommt.

Am Rand der Altstadt steht das Spremberger Schloß, das früher den sächsischen Herzögen gehörte und heute ein Museum beherbergt, unter anderem mit einer Ausstellung zu Leben und Werk von Erwin Strittmatter.

Etwas versteckt steht an der Mittelstraße noch eine weitere Sehenswürdigkeit, oder vielleicht eher eine Kuriosität. Wir sind hier ja knapp 30 Kilometer vor der polnischen Grenze, also gefühlt tief im Osten. Das war aber nicht immer so. Von 1871 bis 1919 nämlich war Spremberg…

Jedenfalls gemäß der Erkenntnis des “berühmten Geographen Matzat”. Der stammte, rein zufällig natürlich, aus Spremberg. Die Eigenschaft, Mittelpunkt des Deutschen Reiches zu sein, wurde aber von der preußischen Kartographiebehörde (wie immer sie offiziell auch hieß; bin zu faul, das zu recherchieren) anerkannt. Daraufhin wurde in Spremberg dieser Stein aufgestellt, der 1947 verschwand, weil Verweise auf das Kaiserreich den neuen Machthabern natürlich ein Dorn im Auge waren. (Die Kulturzertrümmerer von der SED ließen später auch Teile der historischen Altstadt Sprembergs erst verkommen und dann niederreißen). Nach der Wende wurde der Stein als Rekonstruktion wieder aufgestellt.

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