Bossdom

Im traditionellen Atlas wird man Bossdom vergeblich suchen. Google Maps aber kennt den Ort: Die Suchanfrage nach Bossdom führt einen in die Gemeinde Felixsee, in das kleine Dörfchen Bohsdorf.

Den Namen Bossdom kennt man nur, wenn man Erwin Strittmatters Roman “Der Laden” gelesen hat. Was man sollte. Definitiv. Die Verfilmung geht auch, für Lesefaule, ist aber dann halt doch nicht dasselbe.

Bossdom heißt im Roman der Ort der Handlung. Hier wächst der kleine Esau Matt auf; der Vater ist Bäcker, die Mutter führt einen kleinen Laden. Der Autor Strittmatter wuchs in Bohsdorf auf; der Vater war Bäcker, die Mutter führte einen kleinen Laden. Die Romanfiguren sprechen, wie man hier in der Lausitz gesprochen hat, einen Dialekt mit sorbischen Elementen, was die Lektüre zum Vergnügen macht, wenn man sich eingelesen hat. Das Haus der Matts im Roman wird “Unter Eechen” genannt. Und das Haus steht wirklich noch heute unter einer großen Eiche.

Strittmatter ist ein grandioser Stilist, ein sehr guter Beobachter und ein herausragender Erzähler. Das macht den “Laden”, der ab 1983 in drei Bänden erschienen ist, so lesenswert. Und so steht man in Bohsdorf vor dem echten Laden, zum ersten Mal, und erkennt trotzdem sofort alles wieder.

Und zwar nicht nur von außen, sondern auch von innen, denn den Laden in der Bohsdorfer Dorfstraße kann man besichtigen. Ein Verein kümmert sich.

Das Haus ist tatsächlich das ehemalige Wohnhaus der Familie Strittmatter. Sogar den originalen Ofen zum Brotbacken gibt es noch. Und viele andere Originalstücke, die im Roman auftauchen. Man sieht Photos von Hanka, dem Dienstmädchen, vom Großvater, von Onkel Phile, von der Anderthalb-Meter-Großmutter, und man glaubt, alte Bekannte wieder zu treffen. Das schaffen nur wenige; Edgar Reitz ist das mit seinem Filmepos “Heimat” auch gelungen. Überhaupt gilt der Laden so ein wenig als ostdeutsches Pendant zur im Hunsrück angesiedelten und fast zeitgleich entstandenen “Heimat”. Im Westen ist Strittmatter aber leider nur wenig bekannt. Das sollte sich ändern!

Was einem beim Besuch des “Laden” auffällt: Wie klein das alles ist. In dem Häuschen wohnten sie zu acht: Vater und Mutter Strittmatter, die vier Kinder und die beiden Großeltern. Und es war noch eine Backstube unterzubringen, und eben der Laden. Die meisten Räume sind daher klein bis winzig, auch die Wohn- und Schlafräume und die Küche.

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