Weißwasser O.L. / Běła Woda

Weißwasser liegt nahe der polnischen Grenze und ist eine alte Glasmacherstadt. Daran erinnert zum Beispiel der Glasmacherbrunnen, der einen Kreisverkehr am Bahnhof der Stadt ziert.

In der Nähe gibt es auch ein Glasmuseum, untergebracht in einer Fabrikantenvilla. Es erzählt von der Glasmacherei, die zwei Jahrhunderte die Stadt prägte und die von den hiesigen Kohlevorkommen profitierte. Zeitweise gab es in der Stadt mehr als zehn Glashütten und zahlreiche Zulieferbetriebe. Wilhelm Wagenfeld, Bauhaus-Schüler und Gestalter der berühmten Wagenfeld-Lampe, leitete in Weißwasser die Vereinigten Lausitzer Glaswerke. Heute gibt es noch zwei Glasfabriken.

Der Familie Gelsdorf, in deren Villa das Museum ist, gehörte die älteste und bedeutendste Glashütte am Ort. Die existiert nicht mehr bzw. nur noch als Ruine.

Weißwasser hatte gegen Ende der 80er Jahre 40.000 Einwohner. Davon sind heute noch 15.000 übriggeblieben, Tendenz fallend. Die Stadt wirkt daher deutlich größer, als sie ist, auch dank der breiten und großzügig angelegten Straßen, die in der Form nicht mehr benötigt werden, weil einige Plattenbau-Quartiere abgerissen wurden. Ein richtiges Zentrum gibt es eigentlich nicht, aber ein paar Gründerzeithäuser an der Hauptstraße, die im Norden Muskauer Straße und im Süden Bautzener Straße heißt.

Weißwasser war und ist auch Sportstadt, vor allem zu DDR-Zeiten: Eissport Weißwasser war 25 mal DDR-Meister im Eishockey; der Club spielt heute in der zweiten Liga (als “Lausitzer Füchse”). Neben dem Eisstadion gibt es auch eine große und architektonisch markante Schwimmhalle.

Fährt man von der Stadt immer geradeaus nach Süden, landet man irgendwann an der Abbruchkante des Tagebaus Nochten. Bzw. kurz davor, weil dort natürlich alles abgesperrt ist, damit niemand ins Tagebauloch reindonnert. Am nördlichen Rand des Tagebaus wurde ein großer Aussichtsturm errichtet, der Turm am Schweren Berg.

Auf dem Turm war ich 2015 schon mal. Damals hatte man noch einen besseren Blick in den Tagebau direkt unterhalb des Turmes. Der Tagebau aber hat sich seitdem weiterbewegt, und wo damals die riesigen Bagger werkelten, ist heute schon die Renaturierung im Gange.

Aber etwas weiter westlich sind die riesigen Braunkohlebagger immer noch am Werk. Hinten rechts sieht man die Türme von Schwarze Pumpe.

Auch das nur zwei Kilometer entfernte Weißwasser sieht man (das Dach der Schwimmhalle kann man vor dem Wasserturm erkennen). Es bleibt die Erkenntnis, daß der Ort vielleicht statt Weißwasser eher Grünwalde heißen sollte.

In Richtung Süden steht das Kraftwerk Boxberg und markiert die Südseite der Tagebaufläche.

Boxberg ist ein kleines Dorf, das direkt neben dem Kraftwerk liegt und dennoch eigentlich mitten im Grünen. Idyllisch wirkt der Ort aber nur, solange man in die richtige Richtung schaut. Denn sonst…

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