Eutin

Die Kreisstadt des Landkreises Ostholstein liegt wie so viele Städte dieser Region an Ufer eines Sees; in Eutin gibt’s sogar gleich mehrere, nämlich vor allem den Großen und den Kleinen Eutiner See. Um einen Überblick zu haben, kann man für 2 Euro auf den Wasserturm hinaufsteigen (156 Stufen). 

Schöne Aussichten.

Sehenswert ist das große Residenzschloß der Großherzöge von Oldenburg und der Gottorfer (evangelischen) Fürstbischöfe.

Die Innenstadt bietet Backsteingebäude in Hülle und Fülle, darunter auch die streng wirkende Michaeliskirche mit ihrem charakteristischen frühgotischen Turm.

Und dazu gehört auch das Geburtshaus des Komponisten Carl Maria von Weber. Freischütz und so. Setze ich mal als bekannt voraus.

In Eutin lebte außerdem Johann Heinrich Voß, bekannt für seine Homer-Übersetzungen, an deren Qualität ich auch im Griechisch-Abi trotz meiner 15 Punkte wohl nicht herangekommen bin (wenn ich mich richtig erinnere, hatte ich aber ohnehin Herodot als Abi-Text).

Und noch eine kulturelle Referenz: Eutin und Umgebung waren 1977 Drehort für den berühmten Tatort “Reifezeugnis”.

Am Seeufer sitzt auf einem Stein eine junge Dame; auch wenn es keine Meerjungfrau ist, hat sie hier in Eutin ein deutlich ruhigeres Plätzchen gefunden als die arme Meerjungfrau in Kopenhagen.

Scharbeutz

Ich komme jetzt zu einer norddeutschen Unsitte.

Das Seebad Scharbeutz an der Lübecker Bucht hat einen endlos langen Strand, der aber nur gegen Eintritt betreten werden darf. Ich dachte eigentlich, ein Gerichtsurteil im vergangenen Jahr hätte mit diesem Unwesen Schluß gemacht, denn darin war eigentlich klar gesagt, daß ein freier Zugang zum Meer möglich sein muß und daß es nicht ausreicht, ein paar Strandkörbe aufzustellen, um das Erheben von Eintrittsgeld zu rechtfertigen. In Scharbeutz gibt es auf mindestens 3,6km Länge keinen kostenlosen Zugang zum Strand, und in Ostholstein sind satte 60% der Strände kostenpflichtig. Ich finde das unmöglich und zahle natürlich nichts; ich will ja gar keine Strandkorb oder was auch immer, sondern einfach nur ans Meer. Aber solange sie die Ostsee nicht noch hinter Blickschutzwänden verbergen…

Ein paar Motive habe ich also immerhin nun im Kasten. Und jetzt schnell wieder zurück ins Hinterland. 

Auf dem Gemeindegebiet von Scharbeutz steht auch etwas, was man hier nicht unbedingt erwartet: Die Gebäude von Gut Garkau bei Kronsberg am Ufer des Großen Pönitzer Sees wurden 1924-26 vom Bauhaus-Architekten Hugo Häring entworfen.

Scharbeutz jedenfalls sieht mich erst wieder, wenn ich dort frei ans Meer darf. (Und ja, mir ist klar, daß das in anderen Seebädern hier in der Ecke ähnlich ist. Das macht’s aber nicht besser).

Wagrien

Die leich hügelige Halbinsel zwischen Kieler Förde und Lübecker Bucht war noch im 12. Jahrhundert von slawischen Stämmen bewohnt, die (damals noch gravierender) heidnischen Glaubens waren. Um das zu ändern, wurden Klöster gegründet und Missionare wie der Heilige Vicelin geschickt.

Daß dieser Prozeß nicht so ganz reibungslos verlief, dokumentieren uralte Wehrkirchen wie diese hier in Pronstorf.

Ein besonders schönes Exemplar ist die im 12. Jahrhundert aus Feldsteinen errichtete Kirche von Ratekau.

Hier gibt’s dann eine Begegnung.

Wenn ich nicht unwillkürlich “Oooh! Hasiiii!” rufen würde, käme ich wohl noch näher ran an den Kollegen. Aber es geht auch so. (Bild oben: Vom Display der Spiefelreflex abphotographiert. Nicht gerade technisch brillant, aber zweckmäßig).

Wagrien ist ein Hügelland (es geht bis in eine Höhe von 168 Metern), das von zahlreichen Seen durchzogen ist; die Landschaft ist in der Eiszeit entstanden. 

Nicht weit von Ratekau liegt Bad Schwartau, was nicht unbedingt für seine Altstadt bekannt sein dürfte, denn das Zentrum ist eher modern. Und bunt.

Den Namen wird aber wohl jeder mit Marmelade in Verbindung bringen. Schwartau unterhält hier ein Werk und einen Werksverkauf. Und so kriegt das Lübecker Marzipan gleich schon etwas Gesellschaft. Der Kofferraum füllt sich… ?

In den Dörfern Wagriens stehen zahlreiche Gutshöfe, die bisweilen sehr stattliche Ausmaße annehmen, wie hier in (ebenfalls) Pronstorf.

Siebenbäumen ist vermutlich gar nicht mehr in Wagrien (bin zu faul, das jetzt noch nachzuschauen. Das W-Lan ist hier eh ziemlich instabil), hat aber auch eine hübsche Dorfkirche. 

Viel größer, als es der Name vermuten läßt, ist das Dorf aber tatsächlich nicht. Man leistet sich mit dem SV Grün-Weiß dennoch einen Verein in der Verbandsliga. Wem also der SV Todesfelde zu großstädtisch ist, der wird vielleicht in Siebenbäumen glücklich. Die sehr spezielle Hintertortribüne jedenfalls ist einen Besuch wert.

Phönix Lübeck

Mit spezieller Widmung an die Leserin mit dem Phönix-Opa. Ich wollte ja nachfragen, ob er vielleicht im Vereinsheim auf Urkunden oder Bildern zu finden ist, aber ich weiß den Namen nicht. 

Jedenfalls: Wenn an der Travemünder Allee der Doppeladler aufgehängt wird, bedeutet das: Der Phönix spielt.

Phönix Lübeck, in den 50er Jahren noch Oberligist und in einer Liga mit dem HSV,  Werder und Braunschweig, spielt jetzt in der Landesliga Holstein. Lange Zeit rang der großbürgerliche, auch aus dem Turnerlager stammende Verein mit dem Arbeiterverein VfB um die Vorrangstellung in der Hansestadt. In den 70er Jahren konnte der VfB von der Lohmühle, auch ein altes Stadion mit schöner Holztribüne, dann davonziehen. Hier spielt man inzwischen Regionalliga. 

Für den Phönix gibt’s heute ein Lokalderby gegen den TSV Travemünde. Ok, so richtig was Besonderes ist das nicht: Am letzten Wochenende gab’s ein Derby gegen Dornbreite, und das nächste Spiel ist gegen den Lübecker SC, was irgendwie auch nach Derby klingt…

Als persönliche Saisoneröffnung (mein erstes Spiel der Saison 2018/19) ist der Phönix jedenfalls super: Nette Atmosphäre, gute Stimmung, lecker Essen und ein uralter Platz (Phönix spielt hier seit 1920): So muß Fußball sein.

Und GENAU SO muß eine Tribüne aussehen. So und nicht anders.

Begeistert: Phönixhase.

Lübeck (2)

Weiter geht’s, mit dem Rathaus und den Kirchen der Stadt. Selbstverständlich ist die Altstadt auch UNESCO-Kulturerbe.

Das gotische Rathaus ist das Symbol der Bürgerschaft der freien Hansestadt. Das einzigartige Baudenkmal dokumentiert den Stolz einer bedeutenden und reichen Handelsstadt.

Zu den bedeutendsten Baudenkmälern Norddeutschlands zählt natürlich der Dom.

Im Inneren gibt es eine schöne Chorschranke…

…sowie ein Altarbild mit eher seltenem Motiv: Maria mit Einhorn. Hm.

Sankt Marien gilt als erster großer Bau der Backsteingotik und wurde zum vorbild für zahlreiche Kirchen im gesamten Ostseeraum.

Als die Marienkirche im Bau war, soll angeblich der Teufel einen Anschlag verübt (oder zumindest den Versuch unternommen) haben. Aber mal ehrlich: Ist das glaubwürdig, bei DEM Teufel?

In der Jakobikirche steht in einer Seitenkapelle ein Rettungsboot der Pamir: Das ist alles, was sich von dem 1957 in einem Sturm gesunkenen Segelschiff, einem Schwesterschiff der Passat, erhalten hat. Von den 86 Menschen an Bord überlebten nur sechs.

Interessant ist auch der Innenraum von St. Jacobi.

Auch die Zisterzienser waren in Lübeck vertreten: Vom Johanniskloster im Osten der Innenstadt steht aber nichts mehr. An der Stelle befindet sich heute das Gymnasium Johanneum, das einige hervorragende Abiturient(inn)en hervorgebracht hat.  ?

Gleich zwei Literatur-Nobelpreisträger hat die Stadt ohnehin zu bieten: Thomas Mann stammte aus Lübeck und beschrieb die Stadt und ihre Kaufleute in den “Buddenbrooks”, und der in Danzig geborene Günter Grass lebte hier. Mit beiden kann ich persönlich nur wenig anfangen; wenn schon deutschsprachige Literatur mit Nobelpreis, dann eher Hesse oder Böll. Naja, Geschmackssache. Direkt neben St. Marien jedenfalls steht das Buddenbrook-Haus, Literaturmuseum und eine der wesentlichen Anlaufstellen für Stadtbesucher.

Und dann ist Lübeck ja auch bekannt für das Marzipan. Niederegger unterhält einen Fabrikverkauf am Stadtrand, aus dem ich natürlich nicht mit leeren Händen herauskomme.

Bewerbungen als Mitesser bzw. Mitgenießer werden gerne entgegengenommen.

Und weil das Posting ohnehin schon unverschämt lange ist, hier noch ein paar Impressionen.

Langer Text, kurzes Fazit: Lübeck gehört zu den schönsten Städten Deutschlands. Fühlt sich hier sehr wohl: Hansehase.

Lübeck

Ich war vor ein paar Jahren schon mal kurz hier, bei Nieselregen im November, und fand die Stadt selbst da schon sehr schön. Aber bei Sonne ist das natürlich nochmal ganz was anderes. Und obwohl ich mich angesichts der hier mitlesenden Lübeckerin dem Verdacht aussetze, ein Gefälligkeitsgutachten zu schreiben: Es ist nun mal so: Die Stadt ist richtig, richtig schön. Und deshalb wird dieser Beitrag auch richtig, richtig lang.

Der Stadtname läßt sich ja schließlich aus dem Slawischen ableiten (“ljubice” = lieblich). Das paßt doch.

In der frühen Neuzeit fungierte Lübeck bekanntermaßen als Zentrum der Hanse; das lübische Stadtrecht war Vorbild für den ganzen Ostseeraum, von Danzig über Visby bis Riga. Und wenn man durch die Innenstadt läuft, fühlt man sich immer wieder an die Zeit der Hanse erinnert. Ich habe dennoch statt “Hansemuseum” zuerst “Hasenmuseum” gelesen und war kurz freudig erregt ?. 

Dabei wurde das Zentrum im 2. Weltkrieg schwer zerstört, auch die Kirchen; es ist also vieles gar nicht mehr original erhalten. Aber der Wiederaufbau ist gelungen; keine reine Rekonstruktion, sondern teilweise auch Neubauten, aber meistens recht stimmig. Und die Innenstadt wirkt lebendig und ist nicht in ein Freilichtmuseum oder gar in ein Disneyland umgewandelt worden. Viel Backstein gibt’s natürlich auch hier zu sehen.

Zwischendrin stehen immer wieder interessante alte Gebäude wie z.B. das Haus der Schiffer-Gesellschaft:

Man beachte die Inschrift: “Allen zu gefallen, ist unmöglich”. ?

Einen schönen Überblick hat man vom Turm der Petrikirche (keine Kletterleistung meinerseits; es fährt ein Aufzug…). Hier sieht man auch sechs der “sieben Türme”, die die Lübecker Stadtsilhouette prägen (den siebten sieht man nicht, weil man draufsteht).

Unten in der Petrikirche ist ein kleines Café. Der Besuch sei empfohlen:  Es gibt guter Kaffee sowie Kuchen und Kekse aus eigener Herstellung.

Wahrzeichen der Stadt ist das Holstentor, bekannt vom 50-Mark-Schein.

Auf der Stadtseite zeigt das Holstentor mit der an Rom angelehnten Inschrift S.P.Q.L. auch das Selbstbewußtsein der Bürgerschaft.

Ihm gefällt’s: Holstentorhase.

Und der Rest folgt dann gleich in Teil zwei. 

Reinfeld

Um das sumpfige Gebiet um Reinfeld urbar zu machen, holte sich der Grundherr, Graf Adolf von Schauenburg, die besten Profis, die es zur damaligen Zeit gab, um Sümpfe trockenzulegen: Zisterziensermönche. 

Teile ihrer Maßnahmen sind noch heute zu sehen: Die Herrenteiche.

Vom Kloster selbst, in der Reformation aufgelöst, ist hingegen nichts mehr zu sehen (außer einem 90m langen Stück der Klostermauer). Die Kirche diente nach der Aufhebung des Klosters als Pfarrkirche des Ortes, bis sie durch eine Flutwelle bei einem Dammbruch der Herrenteiche zerstört wurde. Die neue Kirche erbaute man dann sicherheitshalber auf einer Anhöhe.

Im Innenraum: Ein schöner Taufengel, der über dem Taufbecken schwebt.

In Reinfeld wurde Matthias Claudius geboren. Selbst wem nun der Name nichts sagt (der- bzw. diejenige möge sich schämen!), der kennt mit Sicherheit sein “Abendlied”. Es findet sich auch in voller Länge auf dem Matthias-Claudius-Denkmal am Ufer des Herrenteiches, ist hier aber zu einem Sehtest höchster Schwierigkeit verwittert.

In der Vertonung von Johann Abraham Peter Schulz zählt es zweifellos zu den schönsten Liedern deutscher Sprache: Der Mond ist aufgegangen…

Ratzeburg

Ratzeburg liegt quasi auf einer Insel inmitten einer Seenplatte und ist durch drei Dämme mit dem “Festland” verbunden.

Wie in Mölln steht auch hier die Kirche auf einem (flachen, aber doch ausreichend hohen und somit flutsicheren) Bergrücken oberhalb der Seen: Der Ratzeburger Dom bildet ein echtes Kontrastprogramm zu den barocken Kirchen, die ich im Mai in Tirol besichtigt habe: Norddeutsche Backsteinarchitektur, auch innen eher schlicht und fast streng wirkend, was natürlich auch daran liegt, daß der Dom nach der Auflösung des Bistums im 16. Jahrhundert eine protestantische Kirche ist.

Im Innenhof des Kreuzgangs steht der “Bettler” von Ernst Barlach, der hier in Ratzeburg im Grab der Familie Barlach beigesetzt wurde.

Backsteinarchitektur ist auch im Rest der Ratzeburger Altstadt vorherrschend.

Zarrentin

In Zarrentin betrete ich erstmals überhaupt mecklenburgisch-vorpommerschen Boden (falls das irgendjemanden interessieren sollte). 

Hier steht nämlich Zisterzienserkloster Nummer zwei für heute. Und im Gegensatz zu Reinbek haben sich hier noch die Klosterkirche und ein Teil der Klosteranlage erhalten.

Ort und Kloster Zarrentin liegen hübsch direkt am Ufer des Schaalsees.