Nach Alkmaar

Von Kerkrade aus geht es heute morgen einmal quer durchs Land bis nach Alkmaar. Das Erstaunliche: Auf den kompletten 260 Autobahn-Kilometern gibt es nicht eine einzige Baustelle. Als ich gestern über die A61 angereist bin (zur Eingewöhnung, da die Strecke ja ohnehin ab Speyer weitgehend in niederländischer Hand ist), spuckte das Navi hingegen eine drei Bildschirmseiten lange Liste aus. Irgendwas läuft da falsch in Germanistan.

Nun ja, egal, jetzt aber Alkmaar. Die Kaffeepause verbringe ich an außergewöhnlicher Stelle, nämlich in der Grote Sint-Laurenskerk, der gotischen Stadtkirche.

Neutral-Moresnet 

Résumé (service spécial ;-)): L’histoire intéressante (ben… a mon avis…) d’un miniscule pays quasi indépendant de 1816 à 1919 à l’Est de la Belgique: Moresnet-Neutre. 🙂

In Kelmis im deutsch-belgisch-niederländischen Grenzgebiet bestand über 100 Jahre ein quasi eigenständiges Territorium: Neutral-Moresnet war genau 3,4 Quadratkilometer groß, hatte anfangs knapp 300 Einwohner und eine eigene Flagge (schwarz-weiß-blau quergestreift). Nur eine eigene Fußball-Nationalmannschaft, die gab’s nicht.

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Drielandenpunt

Kijk eens! De haas gaat naar Nederland.

Südwestlich von Aachen treffen auf dem Vaalserberg Belgien, die Niederlande und Deutschland zusammen. Am Dreiländereck steht eine kleine Stele, um die herum der Grenzverlauf auf dem Boden markiert ist.

Der niederländische Teil ist gleichzeitig auch der höchstgelegene Punkt des Landes: Genau 322,5m über dem Meer ist man hier.

Neben diesen Landmarken bietet der Ort noch weitere Attraktionen: Zahlreiche Wanderwege, Biergärten, ein Labyrinth und einen Aussichtsturm, den auf belgischer Seite stehenden König-Balduin-Turm:

Aus etwa 50m Höhe ist die Sicht in alle Richtungen natürlich enorm, trotz des heute eher grauen Himmels.

Richtung Belgien (Ardennen):

Richtund Deutschland (Aachen):

Und Richtung NL (das Bergbaurevier um Kerkrade/Heerlen):

Alle Richtungen bedeutet bei diesem Turm übrigens auch: nach unten.

Ein Hase, drei Länder:

Und von 1816 bis 1919 war dieser Dreiländerpunkt sogar ein Vierländerpunkt. Aber das erzähle ich später.

Neuchâtel

Eben noch im Saarland, und schon am nächsten Tag geht es in die Schweiz, zum ersten Mal seit erstaunlich vielen Jahren. Und weil ich diesen Post erst am Folgetag und am Computer schreibe, kann ich hemmungslos labern. Es wird also etwas länger.

Ich habe schlimme Dinge über das Schweizer Preisniveau erzählt bekommen, nehme 80 Schweizer Franken mit und hoffe, dafür wenigstens ein Glas Wasser zu bekommen. 😉 Vor Ort in Neuchâtel, dem Ziel der heutigen Tagestour, entpuppen sich die Preise dann allerdings doch als einigermaßen zivil (Referenzwährung Stadionbier: 0,3ltr. für 3,50€). In Zürich oder Basel dürfte es allerdings tatsächlich anders aussehen.

Mit dem Zug erreicht man ab Karlsruhe innerhalb von gut drei Stunden und mit zweimaligem Umsteigen Neuchâtel (Neuenburg). Und allen Unkenrufen insbesondere über die DB zum Trotz: Alle Züge waren pünktlich, die Fahrt in ICE und IC äußerst angenehm und die junge Dame, die Musik hört und laut mitsingt, trifft zwar nicht alle Töne, ist aber ausreichend unterhaltsam, hört immerhin Mylène Farmer und nicht Mark Forster oder ähnlichen Schmonzes und fährt auch nur von Moutier nach Délémont (also dreieinhalb Lieder lang). In der Schweiz sorgen zudem die Durchsagen während der Fahrt für Wohlfühlklima, allein schon weil sie mit der Anrede “Geschätzte Fahrgäste” beginnen.

Neuchâtel liegt am Westufer des Lac de Neuchâtel und somit auf der französischen Seite des sogenannten Röstigraben, der den deutschsprachigen vom französischsprachigen Landesteil der Schweiz trennt. Bonjour statt Grüezi. Die Lage am Seeufer und auf dem terrassenförmig zu den Kalkbergen des Schweizer Jura ansteigenden Gelände ist das große Plus der Stadt: Die schöne Seepromenade zieht sich weit am Ufer entlang, vorbei auch am Segelboothafen und an hübschen Parkanlagen.

Die Seepromenade ist von La Maladiére im Osten bis zum Strand von L’Evole mehr als zwei Kilometer lang. Genug Platz also auch für nette kleine Details wie die alten, bunt bemalten Hütten am Hafenbecken oder das Belle-Époque-Denkmal am Quai Osterwald.

Berühmtester Sohn der Stadt ist Friedrich Dürrenmatt, der hier auch lebte; zahlreiche seiner Werke spielen in der Umgebung (“Der Richter und sein Henker” beispielsweise etwas nördlich am Bieler See). Sein etwas außerhalb gelegenes und mit bestem Blick über den See ausgestattete Wohnhaus wurde nach seinem Tod von Architekt Mario Botta (der Ruhri kennt vielleicht dessen Landesbibliothek in Dortmund) umgebaut und beherbergt heute das Museum Centre Dürrenmatt. Hauptsehenswürdigkeit der Stadt, von See und Promenade abgesehen, ist das auf einem ersten Felsen oberhalb des Sees gelegene Ensemble aus Schloß (in dem heute die Kantonsverwaltung untergebracht ist) und Kollegiatskirche. Letztere ist in den Schloßhof hineingebaut, war ursprünglich romanisch und präsentiert sich heute im neugotischen Stil der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Stadt und Grafschaft waren ursprünglich burgundisch – das “novum castellum” entstand im 11. Jahrhundert – und gehörten später zum preußischen Königreich: 1814 wurde Neuenburg Schweizer Kanton, blieb aber dennoch bis 1848 preußisches Fürstentum (eine einzigartige Sonderrolle innerhalb der Eidgenossenschaft).

Schön ist auch das Hôtel du Peyrou am Rand der Innenstadt, mit tollem Kräutergarten (da habe ich noch etwas zu tun).

Nordöstlich der Innenstadt von Neuchâtel liegt das Viertel La Maladière mit dem gleichnamigen Stadion. Der Name Maladière erinnert noch an das Kranken- und Lepra-Spital, das im Mittelalter hier angesiedelt war, schön außerhalb der Stadtgrenzen natürlich, um jegliche Ansteckung zu vermeiden. Das Stadion ist ein Neubau, der von außen vor allem deshalb an ein Einkaufszentrum erinnert, weil er eines ist: Das Shopping-Center besteht aus vier Trakten, deren Innenseiten die Tribünenränge bilden, die um den Kunstrasenplatz in der Mitte gruppiert sind. Neben dem Einkaufszentrum beherbergen die Tribünenbauten auch Parkähuser, Sporthallen und ein Feuerwehrhaus.

Von außen deuten ausschließlich die vier erstaunlicherweise traditionellen Flutlichtmasten darauf hin, daß hier auch Fußball gespielt wird, und zwar vom Neuchâtel Xamax, 1916 gegründet und nach dem Mitgründer Max “Xam” Abegglen benannt. 1987 und 1988 wurden die Rot-Schwarzen unter der elsässischen Spieler- und Trainerlegende Gilbert Gress zweimal Schweizer Meister. 2011 wurde der Verein dann vom tschetschenischen Oligarchen Bulat Tschagajew übernommen und binnen kurzer Zeit zugrunde gerichtet und finanziell in die Grütze geritten; 2012 mußte Xamax Konkurs anmelden. Eine der abstrusesten Geschichten im an seltsamen Geschichten ja nicht gerade armen modernen Fußball. Das, was vom Verein noch übrig war, fand sich im Amateurbereich wieder, arbeitete sich durch die Ligen nach oben und spielt inzwischen wieder in der zweiten Liga. Heute geht’s gegen den FC Vaduz (die Liechtensteiner Vereine (es gibt ohnehin nur sechs Stück) spielen in den Schweizer Ligen).

Und nach dem Spiel geht’s dann die etwa hundert Höhenmeter hinauf zum Bahnhof und in vier Stunden wieder zurück. Nicht unbedingt entspannend, aber spannend. D’Reishäsli sagt Merci vielmol.

Niederwürzbach

Als Wanderung war eigentlich der Mariannenweg von Niederwürzbach in Richtung Blieskastel geplant, und normalerweise finde ich mich mit einer Wanderkarte auch in der Gegend zurecht, aber dieses Mal hakte es etwas, so daß die Streckenaufzeichnung in der App manchmal etwas seltsam aussieht. Das sieht nicht nur orientierungslos aus, sondern ist es auch.

Zwar fehlte an der einen oder anderen Kreuzung wirklich die Wegmarkierung, aber es lag wohl eher daran, daß der Reisehase einfach verwirrt ist, wenn Wanderwege mit einem Hasensymbol gekennzeichnet sind. Und so kommt man dann zwangsläufig vom geplanten Weg ab.

Schön war’s trotzdem, hier im landschaftlich sehr reizvollen Biosphärenreservat Bliesgau, bei insgesamt recht gutem Wetter (es gab deutlich mehr Sonne als Nieselregen). Und zumindest einen Cache haben wir auch gefunden; so ganz ohne Orientierung waren wir also doch nicht.

Am Niederwürzbacher Weiher entstand im späten 18. Jahrhundert eine wahre Schlösser-Landschaft: Gleich fünf Barockschlösser ließen die im nahen Blieskastel residierenden Grafen von der Leyen, vor allem Gräfin Marianne, errichten. Hauptresidenz war Schloß Philippsburg, 1788 fertiggestellt und schon vier Jahre später wieder zerstört, als 1792 französische Truppen hier durchzogen. Sechs Jahre Bauzeit für vier Jahre Nutzung: Keine sonderlich gute Quote, wenn auch immer noch besser als die von BER (aktuell elf Jahre Bauzeit vs. null Jahre Nutzung). Auch die beiden gräflichen Landhäuser Bon Voisin und Bagatelle wurden zerstört. Erhalten haben sich aber der Annahof am Nordufer des Weihers (heute Hotel; Bild unten) und der sogenannte “Rote Bau” (Schloß Monplaisir) am Südufer.

Der Weiher selbst wurde übrigens schon im ausgehenden Mittelalter künstlich angelegt, indem der Würzbach aufgestaut wurde. Ab dem 16. Jahrhundert gibt es Aufzeichnungen über einen “new weiher gehn Bliscastell”. Um den See führt ein knapp 2 km langer Wanderweg, den wir ohne uns zu verlaufen (!) (aber mit Abstecher ins Café) absolviert haben.

Und wer sich nun daran erinnert, den Namen Niederwürzbach schon einmal gehört zu haben, obwohl er sich nicht intensiv mit Barockarchitektur beschäftigt: Der TV Niederwürzbach spielte zehn Jahre in der Handball-Bundesliga und war 1995 Europapokalsieger. Sponsor und Manager des Vereins war damals der Unternehmer Rudi Hartz, der Bruder des VW-Personalchefs Peter Hartz (bekannt durch das nach ihm benannte “Hartz IV”). Die Familie Hartz stammt aus Niederwürzbach. Für den 2016 verstorbenen Rudi Hartz wurde am Weiher ein Denkmal aufgestellt.

Gelnhausen

Gelnhausen nennt sich Barbarossastadt und besitzt eine (etwas versteckt liegende und recht zugebaute) Burgruine, die den durch Barbarossa gegründeten Ort im 12. Jahrhundert zu einem wichtigen Zentrum des Reiches machte.

Ansehnlicher ist das Stadtzentrum um Obermarkt und Untermarkt:

Die mächtige, hier zu sehende Marienkirche (die ehemalige Kirche des Prämonstratenser-Klosters) besitzt noch einen Lettner mit einer Darstellung des Jüngsten Gerichts (wie immer ist die Höllenseite spannender):

Gelnhausen ist außerdem Geburtsstadt von Simplicissimus-Autor J.J.C. von Grimmelshausen und des Telephon-Erfinders Philipp Reis:

Wetterau

Keine allzu lange Anfahrt, eine hübsche Landschaft, drei noch unbesuchte Zisterzienserklöster, Fachwerkstädtchen (Büdingen) und ein paar Orte mit Namen aus der Kuriositäten-Bundesliga (Linsengericht, Hüttengesäß, Lieblos): Das klingt doch nach einer guten Idee für eine Tagestour.

Isses aber nich. Zumindest nicht an dem Sonntag, an dem in Frankfurt der Ironman stattfindet. Da führt nämlich die Radstrecke durch die Wetterau. 

In den hessischen Fachwerkstädtchen gibt’s traditionell sowieso mehr Blitzkästen als Fachwerk. Unangenehm, selbst wenn man eigentlich angepaßt fährt. So isses doch eigentlich netter:

In Büdingen findet zudem ein Mittelalterfest statt, aufgrunddessen die gesamte Altstadt gesperrt ist. Da ich weder mein Säckchen Dukaten dabei habe, noch auf Honigwein stehe, noch mit tendenziell übergewichtigen Mitgliedern des Schwertbrüderordens reden möchte, fahre ich gleich weiter. Was anderes bleibt mir auch gar nicht übrig, da ein traditionell mittelalterliches Verkehrs- und Parkplatzchaos Teil des Spectaculums ist, und die wenigsten Gevatter reisen auf Schusters Rappen an. (Es gäbe theoretisch einen Shuttle-Service).

Immerhin: Die Ronneburg ist erreichbar.

Und Bad Vilbel ist nett. Mit einem modernen, über dem Fluß (Nidda) gestellten Bibliotheksneubau…

…und der Ruine einer uralten Wasserburg:

Hier in Bad Vilbel findet der Reisehase auch einen standesgemäßen Rastplatz.

Außerdem gibt’s Begegnungen…,

…Männer, die Straßen überqueren (in Dortelweil – auch so ein Name aus dem Erika-Fuchs-Universum)…

…und nochmal moderne Architektur (von Wolfgang Feierabend entworfenes Kunststoff-Haus “FG 2000” in Altenstadt).

Nördlinger Ries

Wenn ich schreibe, daß es sich bei der kreisrunden Ebene des Nördlinger Rieses um einen Meteoritenkrater handelt, erzähle ich keine sensationelle Neuigkeit.

Sensationell – und einzigartig –  ist aber auf jeden Fall die Landschaft.

Der Impakt war vor etwa 15 Millionen Jahren und muß gigantisch gewesen sein; Gestein flog bis zu 100km weit, und das Ereignis hatte weitreichende Auswirkungen auf die Landschaft. Der Main zum Beispiel war vorher noch ein Nebenfluß der Donau… Der entstandene Kratersee verlandete später, es bildete sich das heutige Ries heraus, das von der Wörnitz durchflossen wird (Kurzfassung).

Aufgrund des Durchmessers von 25 Kilometern ist es schwierig, vom Boden aus den Krater als Ganzes zu überblicken. Aber eine Wanderung am Kraterrand (siehe gestern) bietet auch schöne Eindrücke.

Nördlingen

Nördlingen gehört zu den wenigen Städten, die eine vollständig erhaltene Altstadt innerhalb einer vollständig erhaltenen Stadtmauer besitzen. Also wie Rothenburg ob der Tauber oder Dinkelsbühl.

Über die Wehrgänge der 2,6km langen Stadtmauer kann man die alte Reichsstadt vollständig umrunden. 

Mitten in der Stadt steht das Münster St. Georg. Auf den gut 90m hohen Turm namens Daniel (?) kann man hinaufsteigen. 

Es sind wohl 350 oder 365 Stufen, was ich aber nicht verfizieren kann:  Ich hab beim Zählen den Überblick verloren… Auf den immer enger und steiler werdenden Treppen kommt man auch an einem historischen Radwerk vorbei.

Für den Aufstieg wird man mit einem tollen Ausblick auf die quasi kreisrunde Stadt inmitten des quasi kreisrunden Nördlinger Rieses belohnt. Mangels 360-Grad-Kamera kommt das im Bild natürlich nicht rüber, aber was hoffentlich rüberkommt, ist, daß die Stadt sehr hübsch ist und die Sicht gigantisch.