Heute mal kein blauer Himmel, sondern Regen. Das hält aber einen echten Reisehasen trotzdem nicht davon ab, die Tagesetappe wie geplant durchzuziehen. Es soll ja auch zum Glück nicht so schlimm werden wie vor zwei Jahren, als ich die Tour wegen der Überflutungen abbrechen mußte. Aber mit nassen Füßen werde ich heute rechnen müssen. Egal. Zunächst steht der Sender Gleiwitz auf dem Programm.

An dem markanten Sendeturm ist Weltgeschichte geschrieben worden. Aber keine schöne. Am 31. August 1939 wurde der Sender überfallen, angeblich von polnischen Freiheitskämpfern. In Wirklichkeit waren es SS-Leute, die den Überfall inszenierten und den Nazis damit einen Anlaß boten, in Polen einzumarschieren. Das passierte schon am nächsten Tag. Hier am Sender Gleiwitz hat also sozusagen der Zweite Weltkrieg begonnen.

Dabei ist der so filigrane und elegante Sendeturm auch ohne diese Geschichte etwas besonderes. 1934-35 errichtet, ist er mit 112 Metern Höhe die höchste Holzkonstruktion weltweit. Er besteht aus Lärchenholz und sehr, sehr vielen Dübeln aus Messing, angeblich 16.000, aber wer zählt die alle? Nebenan stehen auch noch die drei Sendegebäude.

Um den Turm ist eine Grünalage mit einer Ausstellung zur Geschichte und mit Objekten zu Sendetechnik.

Die Innenstadt von Gleiwitz stand eigentlich für heute auf dem Programm, aber mit Blick auf die Wettervorhersage habe ich sie noch in die gestrige Etappe gequetscht. Zum Glück. So bleibt heute mehr Zeit bzw. weniger Besuchsprogramm im Regen, und ich konnte das äußerst hübsche Gleiwitz gestern noch bei Sonne genießen.
Der Sender steht im Norden von Gleiwitz am Stadtrand. In der Nähe, neben einem alten Wasserturm…

…steht das Städtische Stadion (Stadion Miejski) von Gleiwitz. Hier spielt Piast Gleiwitz ein Club, der zwar nicht ganz so erfolgreich ist wie die anderen Revier-Clubs aus Zabrze oder Chorzów, aber immerhin auch schon einen Meistertitel feiern konnte: 2019.

Dem Stadion sieht man die Vereinsfarben von Piast an: Rot-Blau. Was man dem Stadion nicht mehr ansieht: Es existierte schon vor dem Krieg, sah da aber natürlich noch ganz anders aus. Das damalige Jahnstadion war Heimat des erfolgreichsten schlesischen Vereins: Vorwärts-Rasensport Gleiwitz war sechsmal schlesischer Meister, spielte sieben Mal in der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft und kam 1936 bis ins Halbfinale (1:3 gegen Fortuna Düsseldorf).