Von Gleiwitz zur Oder

Von Gleiwitz geht die Tagesetappe erst in südliche, dann in westliche Richtung. Die Tour verläßt damit das Oberschlesische Industrierevier. Hinter der Stadtgrenze Gleiwitz wird es sehr schnell ländlich, und das flache und teils bewaldete Gebiet ist bis zur Oder nicht sehr dicht besiedelt. Größere Städte gibt es hier nicht, nur viele kleinere Orte, die sich als Straßendörfer stark in die Länge strecken. Und ein Zisterzienserkloster.

Groß Rauden wurde 1258 gegründet, präsentiert sich heute aber im Barockstil aus einer Neubauphase im 18. Jahrhundert. Später dienten die Gebäude als Residenzschloß im Herzogtum Ratibor. Nach dem Zweiten Weltkrieg verfiel die Anlage, wurde aber in den letzten Jahren, wie man sieht, umfangreich restauriert.

Im Ort (Rauden bzw. Rudy) kann man noch eine andre Attraktion erleben: Eine Museumsbahn. Einfach der Beschriftung „Zabytkowa Stacja Kolei Wąskotorowej w Rudach“ folgen.

Rauden lag an einer schmalspurigen Bahnstrecke zwischen Gleiwitz und Ratibor, die heute nur noch hier in Rauden auf einem Teilstück als Museumsbahn betrieben wird. Das Ganze liegt so weit abseits, daß selbst die „Eisenbahn-Romantik“ es nie bis hierher geschafft hat. Aber der Reisehase, der war jetzt da.

Einer der wenigen größeren Orte in dieser Ecke ist Ratiborhammer (Kuźnia Raciborska), das an der Kreuzung mehrerer stark befahrener Straßen liegt. Vielleicht liegt’s ja am vielen Verkehr, vielleicht auch am Regen, jedenfalls ist im Ort nicht viel los (es gibt aber auch nicht viel, ein paar kleinere Supermärkte). Vermutlich ist hier aber auch bei Sonne nicht mehr los. Der Ort ist erst im 17. Jahrhundert entstanden, um einen Eisenhammer, wie der Ortsname ja schon andeutet. Der hieß zunächst Segenberg, später dann schlicht Hammer und im 19. Jahrhundert dann Ratiborhammer, weil der Ort zum Kreis Ratibor gehörte. Von der ursprünglichen Eisenindustrie (Walzwerke, Hammerwerke, Gießereien) ist nicht viel übriggeblieben. Es gibt aber noch ein größeres metallverarbeitendes Werk am Ortsrand. Hier die Kirche von Ratiborhammer:

In der Gegend gibt es übrigens viele Orte, die mittlerweile offiziell zweisprachig sind (polnisch/deutsch), weil es eine signifikante deutschsprachige Minderheit gibt. Das sieht man dann direkt am Ortseingang, wo die Ortsschilder jeweils beide Ortsnamen zeigen, wie hier in Kieferstädtel / Sośnicowice. Auf der Fahrtstrecke liegen unter anderem auch Althammer, Oderwalde und Libischau.

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