Fehmarnsund

Hinter Heiligenhafen läuft die Halbinsel Wagrien spitz zu. Auf der anderen Seite des Fehmarnsundes liegt die Insel Fehmarn, mit 185 qkm die drittgrößte deutsche Insel (Umrechnungsfaktor im etwa: 1 Saarland = 13 Fehmarns).

Die Insel war lange Zeit dänisch, wurde erst 1864 von preußischen Truppen erobert und kam dann 1871 zum Deutschen Reich. Heute stellt die Insel – dank des Fährhafens Puttgarden – eine Verbindung nach Dänemark dar. Über den 18km breiten Fehmarnbelt erreicht man dann per Fähre das dänische Rødbyhavn auf Lolland. Ab 2020 soll hier ein Tunnel gebaut werden.

An der Küste Fehmarns:

Die deutlich schmalere Meerenge zwischen der holsteinischen Küste und Fehmarn überspannt die äußerst elegante Fehmarnsundbrücke. Sie wurde 1960-63 errichtet und dient neben dem Autoverkehr auch der Eisenbahnverbindung nach Puttgarden, der sogenannten Vogelfluglinie.

Bei Großenbrode verkehrte bis zum Bau der Brücke eine Fähre. Die Hafenanlage besteht noch und dient heute als Freizeithafen.

Auch hier kommt man unbehelligt an den Ostseestrand. Der Hase genießt das und hat auch noch den ganzen Strand weitgehend für sich (was aber auch dem wechselhaften Wetter und vor allem dem starken Wind zuzuschreiben ist). 

Heiligenhafen

Heiligenhafen liegt an der Nordküste Wagriens und ist noch heute ein lebhafter Fischereihafen.

Ein Teil des Hafengeländes ist als Museumshafen eingerichtet.

Auch einen großen Freizeit- und Yachthafen bietet die Stadt.

Außerdem kommt man hier unbehelligt ans Meer. Es geht also doch! Hier darf er also ein Ostseehase sein:

Der Blick in den Himmel deutet allerdings an, daß das Wetter heute nicht so richtig stabil ist. Und prompt kommt auch ein richtiger Regenschauer. Den überbrücke ich mit einem leckeren Fischbrötchen (Matjes, Zwiebel).

Ganz ohne Backsteingotik geht es auch hier nicht: Auch Heiligenhafen besitzt eine fast 800 Jahre alte Kirche.

Oldenburg in Holstein

Im 7. Jahrhundert errichteten slawische Stämme (genauer: die Obodriten. Jahaa, ich kenne Wörter…) auf der Halbinsel Wagrien eine Burganlage, die sie Starigrad nannten: Alte Burg. Aus dieser Bezeichnung ist der heutige Name Oldenburg entstanden.

Die slawische Burg wurde später zerstört; noch heute ist aber der beachtlich große und hohe Burgwall zu sehen, der eine ebene Fläche umschließt.

Zur Bekehrung der Slawen zum Christentum ließ Kaiser Otto I. im 10. Jahrhundert hier ein Bistum errichten; der bereits erwähnte Missionar Vicelin war hier – einige Slawenaufstände später – für fünf Jahre Bischof. Die heute evangelische Johanneskirche steht direkt an der slawischen Wallanlage und ist baulich dem Braunschweiger Dom nachempfunden; Heinrich der Löwe hatte hier in der Gegend auch seine Finger (bzw. Pranken) im Spiel.

Der sehr hübsche Innenraum hat eine schöne barocke Kanzel, einen Taufengel, der allerdings mangels Taufbecken etwas im Leeren herumschwebt…

…und eine Fürstenloge der hier in der Gegend beheimateten Familie von Reventlow.

Das kleine Städtchen hat außerdem ein nettes Zentrum mit viel Backstein; das ist mit Blick auf die Beiträge der letzten Tage nicht mehr die große Neuigkeit, aber ich kann mich daran nicht sattsehen. 

Und wenn am Haus gegenüber eine HSV-Fahne weht, muß man dem als aufrechter Schalker natürlich etwas entgegensetzen und stellt einen Hausaltar ins Fenster.

Plön

Plön hat eine ähnliche Insellage inmitten einer Seenplatte wie Ratzeburg oder Eutin. 

Das Zentrum der Holsteinischen Schweiz gruppiert sich um das große Schloß, das auf einem Bergrücken (genauer: auf einem Endmoränenwall. Ich mußte lange warten, bis ich dieses Wort endlich mal verwenden konnte) oberhalb der Stadt thront. 

Zum Gebäude-Ensemble auf dem Schloßberg zählt auch das Prinzenpalais…

Vom Schloß sind es nur wenige Schritte, aber doch überraschend viele Höhenmeter hinab in die Plöner Altstadt.

An der evangelischen Johanniskirche sieht man noch den Grabstein von Christian Gottlieb. Man nannte ihn den “Schwarzen Trommler”, weil er als Trommler im Regiment diente und außerdem tatsächlich aus Afrika stammte; als Sklave hatte es ihn hierher verschlagen. 

Nicht allzu weit liegt Malente mit der berühmten Fußballschule, in der die deutsche Mannschaft sich 1974 auf die WM vorbereitete. Den 2018er Gurken hätte aber auch der vielbeschworene Geist von Malente nicht geholfen. Nicht daß ich mir das wünschen würde… War schon alles gut so. Allez les Bleus! 

Eutin

Die Kreisstadt des Landkreises Ostholstein liegt wie so viele Städte dieser Region an Ufer eines Sees; in Eutin gibt’s sogar gleich mehrere, nämlich vor allem den Großen und den Kleinen Eutiner See. Um einen Überblick zu haben, kann man für 2 Euro auf den Wasserturm hinaufsteigen (156 Stufen). 

Schöne Aussichten.

Sehenswert ist das große Residenzschloß der Großherzöge von Oldenburg und der Gottorfer (evangelischen) Fürstbischöfe.

Die Innenstadt bietet Backsteingebäude in Hülle und Fülle, darunter auch die streng wirkende Michaeliskirche mit ihrem charakteristischen frühgotischen Turm.

Und dazu gehört auch das Geburtshaus des Komponisten Carl Maria von Weber. Freischütz und so. Setze ich mal als bekannt voraus.

In Eutin lebte außerdem Johann Heinrich Voß, bekannt für seine Homer-Übersetzungen, an deren Qualität ich auch im Griechisch-Abi trotz meiner 15 Punkte wohl nicht herangekommen bin (wenn ich mich richtig erinnere, hatte ich aber ohnehin Herodot als Abi-Text).

Und noch eine kulturelle Referenz: Eutin und Umgebung waren 1977 Drehort für den berühmten Tatort “Reifezeugnis”.

Am Seeufer sitzt auf einem Stein eine junge Dame; auch wenn es keine Meerjungfrau ist, hat sie hier in Eutin ein deutlich ruhigeres Plätzchen gefunden als die arme Meerjungfrau in Kopenhagen.

Scharbeutz

Ich komme jetzt zu einer norddeutschen Unsitte.

Das Seebad Scharbeutz an der Lübecker Bucht hat einen endlos langen Strand, der aber nur gegen Eintritt betreten werden darf. Ich dachte eigentlich, ein Gerichtsurteil im vergangenen Jahr hätte mit diesem Unwesen Schluß gemacht, denn darin war eigentlich klar gesagt, daß ein freier Zugang zum Meer möglich sein muß und daß es nicht ausreicht, ein paar Strandkörbe aufzustellen, um das Erheben von Eintrittsgeld zu rechtfertigen. In Scharbeutz gibt es auf mindestens 3,6km Länge keinen kostenlosen Zugang zum Strand, und in Ostholstein sind satte 60% der Strände kostenpflichtig. Ich finde das unmöglich und zahle natürlich nichts; ich will ja gar keine Strandkorb oder was auch immer, sondern einfach nur ans Meer. Aber solange sie die Ostsee nicht noch hinter Blickschutzwänden verbergen…

Ein paar Motive habe ich also immerhin nun im Kasten. Und jetzt schnell wieder zurück ins Hinterland. 

Auf dem Gemeindegebiet von Scharbeutz steht auch etwas, was man hier nicht unbedingt erwartet: Die Gebäude von Gut Garkau bei Kronsberg am Ufer des Großen Pönitzer Sees wurden 1924-26 vom Bauhaus-Architekten Hugo Häring entworfen.

Scharbeutz jedenfalls sieht mich erst wieder, wenn ich dort frei ans Meer darf. (Und ja, mir ist klar, daß das in anderen Seebädern hier in der Ecke ähnlich ist. Das macht’s aber nicht besser).

Wagrien

Die leich hügelige Halbinsel zwischen Kieler Förde und Lübecker Bucht war noch im 12. Jahrhundert von slawischen Stämmen bewohnt, die (damals noch gravierender) heidnischen Glaubens waren. Um das zu ändern, wurden Klöster gegründet und Missionare wie der Heilige Vicelin geschickt.

Daß dieser Prozeß nicht so ganz reibungslos verlief, dokumentieren uralte Wehrkirchen wie diese hier in Pronstorf.

Ein besonders schönes Exemplar ist die im 12. Jahrhundert aus Feldsteinen errichtete Kirche von Ratekau.

Hier gibt’s dann eine Begegnung.

Wenn ich nicht unwillkürlich “Oooh! Hasiiii!” rufen würde, käme ich wohl noch näher ran an den Kollegen. Aber es geht auch so. (Bild oben: Vom Display der Spiefelreflex abphotographiert. Nicht gerade technisch brillant, aber zweckmäßig).

Wagrien ist ein Hügelland (es geht bis in eine Höhe von 168 Metern), das von zahlreichen Seen durchzogen ist; die Landschaft ist in der Eiszeit entstanden. 

Nicht weit von Ratekau liegt Bad Schwartau, was nicht unbedingt für seine Altstadt bekannt sein dürfte, denn das Zentrum ist eher modern. Und bunt.

Den Namen wird aber wohl jeder mit Marmelade in Verbindung bringen. Schwartau unterhält hier ein Werk und einen Werksverkauf. Und so kriegt das Lübecker Marzipan gleich schon etwas Gesellschaft. Der Kofferraum füllt sich… 😉

In den Dörfern Wagriens stehen zahlreiche Gutshöfe, die bisweilen sehr stattliche Ausmaße annehmen, wie hier in (ebenfalls) Pronstorf.

Siebenbäumen ist vermutlich gar nicht mehr in Wagrien (bin zu faul, das jetzt noch nachzuschauen. Das W-Lan ist hier eh ziemlich instabil), hat aber auch eine hübsche Dorfkirche. 

Viel größer, als es der Name vermuten läßt, ist das Dorf aber tatsächlich nicht. Man leistet sich mit dem SV Grün-Weiß dennoch einen Verein in der Verbandsliga. Wem also der SV Todesfelde zu großstädtisch ist, der wird vielleicht in Siebenbäumen glücklich. Die sehr spezielle Hintertortribüne jedenfalls ist einen Besuch wert.

Phönix Lübeck

Mit spezieller Widmung an die Leserin mit dem Phönix-Opa. Ich wollte ja nachfragen, ob er vielleicht im Vereinsheim auf Urkunden oder Bildern zu finden ist, aber ich weiß den Namen nicht. 

Jedenfalls: Wenn an der Travemünder Allee der Doppeladler aufgehängt wird, bedeutet das: Der Phönix spielt.

Phönix Lübeck, in den 50er Jahren noch Oberligist und in einer Liga mit dem HSV,  Werder und Braunschweig, spielt jetzt in der Landesliga Holstein. Lange Zeit rang der großbürgerliche, auch aus dem Turnerlager stammende Verein mit dem Arbeiterverein VfB um die Vorrangstellung in der Hansestadt. In den 70er Jahren konnte der VfB von der Lohmühle, auch ein altes Stadion mit schöner Holztribüne, dann davonziehen. Hier spielt man inzwischen Regionalliga. 

Für den Phönix gibt’s heute ein Lokalderby gegen den TSV Travemünde. Ok, so richtig was Besonderes ist das nicht: Am letzten Wochenende gab’s ein Derby gegen Dornbreite, und das nächste Spiel ist gegen den Lübecker SC, was irgendwie auch nach Derby klingt…

Als persönliche Saisoneröffnung (mein erstes Spiel der Saison 2018/19) ist der Phönix jedenfalls super: Nette Atmosphäre, gute Stimmung, lecker Essen und ein uralter Platz (Phönix spielt hier seit 1920): So muß Fußball sein.

Und GENAU SO muß eine Tribüne aussehen. So und nicht anders.

Begeistert: Phönixhase.

Lübeck (2)

Weiter geht’s, mit dem Rathaus und den Kirchen der Stadt. Selbstverständlich ist die Altstadt auch UNESCO-Kulturerbe.

Das gotische Rathaus ist das Symbol der Bürgerschaft der freien Hansestadt. Das einzigartige Baudenkmal dokumentiert den Stolz einer bedeutenden und reichen Handelsstadt.

Zu den bedeutendsten Baudenkmälern Norddeutschlands zählt natürlich der Dom.

Im Inneren gibt es eine schöne Chorschranke…

…sowie ein Altarbild mit eher seltenem Motiv: Maria mit Einhorn. Hm.

Sankt Marien gilt als erster großer Bau der Backsteingotik und wurde zum vorbild für zahlreiche Kirchen im gesamten Ostseeraum.

Als die Marienkirche im Bau war, soll angeblich der Teufel einen Anschlag verübt (oder zumindest den Versuch unternommen) haben. Aber mal ehrlich: Ist das glaubwürdig, bei DEM Teufel?

In der Jakobikirche steht in einer Seitenkapelle ein Rettungsboot der Pamir: Das ist alles, was sich von dem 1957 in einem Sturm gesunkenen Segelschiff, einem Schwesterschiff der Passat, erhalten hat. Von den 86 Menschen an Bord überlebten nur sechs.

Interessant ist auch der Innenraum von St. Jacobi.

Auch die Zisterzienser waren in Lübeck vertreten: Vom Johanniskloster im Osten der Innenstadt steht aber nichts mehr. An der Stelle befindet sich heute das Gymnasium Johanneum, das einige hervorragende Abiturient(inn)en hervorgebracht hat.  😉

Gleich zwei Literatur-Nobelpreisträger hat die Stadt ohnehin zu bieten: Thomas Mann stammte aus Lübeck und beschrieb die Stadt und ihre Kaufleute in den “Buddenbrooks”, und der in Danzig geborene Günter Grass lebte hier. Mit beiden kann ich persönlich nur wenig anfangen; wenn schon deutschsprachige Literatur mit Nobelpreis, dann eher Hesse oder Böll. Naja, Geschmackssache. Direkt neben St. Marien jedenfalls steht das Buddenbrook-Haus, Literaturmuseum und eine der wesentlichen Anlaufstellen für Stadtbesucher.

Und dann ist Lübeck ja auch bekannt für das Marzipan. Niederegger unterhält einen Fabrikverkauf am Stadtrand, aus dem ich natürlich nicht mit leeren Händen herauskomme.

Bewerbungen als Mitesser bzw. Mitgenießer werden gerne entgegengenommen.

Und weil das Posting ohnehin schon unverschämt lange ist, hier noch ein paar Impressionen.

Langer Text, kurzes Fazit: Lübeck gehört zu den schönsten Städten Deutschlands. Fühlt sich hier sehr wohl: Hansehase.

Lübeck

Ich war vor ein paar Jahren schon mal kurz hier, bei Nieselregen im November, und fand die Stadt selbst da schon sehr schön. Aber bei Sonne ist das natürlich nochmal ganz was anderes. Und obwohl ich mich angesichts der hier mitlesenden Lübeckerin dem Verdacht aussetze, ein Gefälligkeitsgutachten zu schreiben: Es ist nun mal so: Die Stadt ist richtig, richtig schön. Und deshalb wird dieser Beitrag auch richtig, richtig lang.

Der Stadtname läßt sich ja schließlich aus dem Slawischen ableiten (“ljubice” = lieblich). Das paßt doch.

In der frühen Neuzeit fungierte Lübeck bekanntermaßen als Zentrum der Hanse; das lübische Stadtrecht war Vorbild für den ganzen Ostseeraum, von Danzig über Visby bis Riga. Und wenn man durch die Innenstadt läuft, fühlt man sich immer wieder an die Zeit der Hanse erinnert. Ich habe dennoch statt “Hansemuseum” zuerst “Hasenmuseum” gelesen und war kurz freudig erregt 😁. 

Dabei wurde das Zentrum im 2. Weltkrieg schwer zerstört, auch die Kirchen; es ist also vieles gar nicht mehr original erhalten. Aber der Wiederaufbau ist gelungen; keine reine Rekonstruktion, sondern teilweise auch Neubauten, aber meistens recht stimmig. Und die Innenstadt wirkt lebendig und ist nicht in ein Freilichtmuseum oder gar in ein Disneyland umgewandelt worden. Viel Backstein gibt’s natürlich auch hier zu sehen.

Zwischendrin stehen immer wieder interessante alte Gebäude wie z.B. das Haus der Schiffer-Gesellschaft:

Man beachte die Inschrift: “Allen zu gefallen, ist unmöglich”. 👍

Einen schönen Überblick hat man vom Turm der Petrikirche (keine Kletterleistung meinerseits; es fährt ein Aufzug…). Hier sieht man auch sechs der “sieben Türme”, die die Lübecker Stadtsilhouette prägen (den siebten sieht man nicht, weil man draufsteht).

Unten in der Petrikirche ist ein kleines Café. Der Besuch sei empfohlen:  Es gibt guter Kaffee sowie Kuchen und Kekse aus eigener Herstellung.

Wahrzeichen der Stadt ist das Holstentor, bekannt vom 50-Mark-Schein.

Auf der Stadtseite zeigt das Holstentor mit der an Rom angelehnten Inschrift S.P.Q.L. auch das Selbstbewußtsein der Bürgerschaft.

Ihm gefällt’s: Holstentorhase.

Und der Rest folgt dann gleich in Teil zwei.