Belfast: Titanic Quarter & Museum

Jetzt wollen wir uns aber mal der Hauptattraktion der Stadt widmen.

Östlich des Lagan liegt das Viertel Queens Island, das seit ein paar Jahren Titanic Quarter heißt. Damit ist dann auch schon geklärt, was diese Gegend im Osten Belfasts geprägt hat: Die Hafenanlagen und Schiffswerften. Die Titanic wude hier gebaut, auf den Werftanlagen von Harland & Wolff. 

Um das Jahr 1900 war die Firma der größte Schiffbauer weltweit, und noch heute ist H&W aktiv. Davon zeugen die beiden gelben Kräne, die “Samson und Goliath” genannt werden – nicht von ungefähr übrigens, denn beide sind gut 100 Meter hoch und gehören inzwischen fest zur Silhouette der Stadt.

Um die größten Schiffe zu bauen, brauchte man 1911 die größte Werft. Und so bekam Harland & Wolff von der White Star Line den Auftrag zum Bau der Titanic und ihres Schwesterschiffes Olympic.

Die Geschichte der Titanic sollte grob bekannt sein, auch bei denjenigen, die wie ich den 97er Kitschfilm nicht gesehen haben. ? Neben dem Dock, in dem die Titanic 1911 gefertigt wurde, errichtete man vor ein paar Jahren das moderne Titanic Belfast Museum. 

Der Bau soll natürlich nicht bloß aus Zufall an einen Eisberg erinnern.

Das Dock selbst, in dem die Titanic gebaut wurde, ist durch die Reihe der Masten gekennzeichnet, und auf dem Boden sind die Umrisse der Titanic und ihrer Aufbauten (Schornsteine, Rettungsboote etc.) markiert. 

Man erhält so recht schnell einen guten Eindruck von der Größe des Schiffes, das 270 lang war (bzw. in lokalen Einheiten vermulich sowas wie 437,5 Ellen, 965 4/5 Fuß oder 211,325 Yards – das metrische System wird in Britannien wohl nie mehr ankommen…). Mit den heutigen schwimmenden Plattenbauten ist das zwar nicht vergleichbar, aber für die damalige Zeit war die Titanic ein Rekordschiff. Direkt daneben liegt das ähnlich große Fertigungsdock der Olympic (die noch bis in die 50er Jahre ihren Dienst tat und nie ein Problem mit einem Eisberg bekam).

Das Museum ist nicht wirklich günstig (18,50 £), aber es lohnt sich. Erzählt wird die Geschichte Belfasts, von Harland & Wolff und natürlich von der Titanic, ihrem Bau, ihrer Ausstattung, dem Untergang und den Folgen. Originale Objekte sind eher wenig vertreten, aber das meiste liegt nun mal vor Neufundland in knapp 4.000 Metern Tiefe… Es wird aber sehr viel multimedial präsentiert; so fährt man z.B. in Form einer 3D-Animation durch alle Decks des Schiffes, es gibt Audioaufzeichnungen von Überlebenden etc. Und es gibt viel Bildmaterial.

Eines der (bekanntlich ja zu wenigen) Rettungsboote wird als Nachbau präsentiert. Nicht groß, aber lebensrettend für etwa 700 der über 2.200 Personen an Bord.

Gleich im ersten Saal des Museums, es geht um Belfast zur Zeit des Baus der Titanic, kriege ich auch noch schönes Bildmaterial.

In den Außenbereichen um das Museum gibt es auch viel zu sehen, zum Beispiel die Nomadic in ihrem Dock; sie ist das letzte erhaltene Schiff der White Star Line.

Noch etwas weiter den Lagan abwärts liegt die HMS Caroline und guckt blöd.

Ok, vielleicht ist das auch nur dem Blickwinkel geschuldet. Die Caroline, ein 1914 von der Royal Navy in Dienst gestellter Leichter Kreuzer, war schon im Ersten Weltkrieg aktiv und kann heute besichtigt werden.

Direkt daneben steht das Old Pump House, das dazu diente, die riesigen Docks leerzupumpen.

Belfast: Am Lagan River

Belfasts Zentrum liegt am linken Ufer des Lagan, der hier, obwohl mit 60km nicht allzu lang, sehr breit ist.

Das liegt zum einen daran, daß er hier schon einen Mündungstrichter ausbildet. Zum anderen ist der Fluß hier reguliert, um den Wasserstand möglichst konstant zu halten. Dazu dient unter anderem das Lagan Weir (hier links im Bild).

Am Lagan Weir begegnet man auch den ganz großen Fischen.

Der hier redet sogar, wenn man ihm eine SMS schickt.

Direkt am Lagan steht die moderne Waterfront Hall von 2001, ein großer Konzertsaal.

Wie man unschwer erkennen kann, mische ich wieder Bilder von Donnerstag (grau) und Freitag (blau).

An beiden Flußufern sind in den letzten Jahren zahlreiche neue Gebäude entstanden.

Einige Brücken führen über den Fluß, unter anderem die Queens Bridge…

…und die Lagan Railway Bridge mit eigenem Fußgängerbereich.

An der Queens Bridge steht auch die 19m hohe Skulptur “Beacon of hope”, die vom Volksmund den Namen “The thing with the ring” verpaßt bekam. Der Belfaster ist da also genauso kreativ wie der Berliner.

Da kann man die Sonne mal so richtig genießen.

Belfast (Béal Feirste)

Eigentlich war dieser Beitrag heute morgen schon fertig geschrieben und bebildert, unter anderem mit dem Hinweis darauf, daß ja schließlich Ende Februar ist und daher keine allzu hohen Anforderungen ans Wetter zu stellen sind. Dann kam heute morgen die Sonne durch (während die Wetter-App weiter unverdrossen Dauerregen meldete), und daher kann ich nun ein paar Photos mit strahlend blauem Himmel untermischen. Sowas z.B.

Ok, am Donnerstag war nun wirklich nicht gerade Postkartenwetter, eher so Three Shades of Grey (mittelgrau, steingrau, mausgrau), aber da habe ich mich auch länger im Museum herumgetrieben. 

Belfast also. Oder Béal Feirste, wie die Stadt auf Irisch heißt.

Der irische Name bedeutet übersetzt “Mündung des Farset”, eines Nebenflusses des Lagan River, der seinerseits nördlich der Stadt in die Bucht Belfast Lough mündet. Sichtbar ist der Farset, der bis in die Zeit um 1800 noch von Schiffen befahren wurde, im Belfaster Stadtbild allerdings nicht mehr: Er fließt seit 1804 unterirdisch, in einer Tunnelröhre unter der Bridge Street und der High Street, und mündet am Lagan Weir in den Lagan. Auch der Name Farset kommt aus dem Irischen (an fhearsaid) und bedeutet soviel wie Sandbank.

Die Stadt ist, wie viele Städte vergleichbarer Größe auf den britischen Inseln, etwas uneinheitlich bebaut und erinnert mich an Glasgow oder Liverpool.

Die eigentliche Innenstadt ist das Cathedral Quarter um die St-Anne’s Cathedral. Es wird südlich durch die Donegall Street begrenzt, an der die monumentale City Hall steht. Dort wehte früher dauerhaft der Union Jack, bis die Sinn-Féin-Partei vor ein paar Jahren dafür sorgte, daß er nun nur noch an einzelnen Tagen aufgezogen wird.

Eines der Wahrzeichen der Stadt ist die Albert Clock; der Turm ist wegen des sumpfigen Untergrundes um etwa 4° geneigt.

Über die ganze Innenstadt verteilt gibt es zahllose Pubs; der bekannteste ist wohl The Crown Bar.

Einer der ältesten (nämlich von 1711) ist McHughs,wo man sehr gut essen kann.

The Dirty Onion wirbt damit, in Belfasts ältestem Gebäude (1680) zu residieren.

Und im schmalen Commercial Court reihen sich die Pubs aneinander.

In einer der Einkaufsstraßen hat sogar Celtic Glasgow einen eigenen Shop. 

Der Liverpool FC, traditionell der Lieblings-Club vieler Iren, ist auch mit einem Shop vertreten. Die Belfaster Clubs (Glentoran, Cliftonville, Linfield etc.) finden sich in der Innenstadt hingegen nicht.

Weiter geht’s: St. George’s Market.

Corn Market:

Hypermodern ist das Victoria Square Shopping Centre mit einer Glaskuppel, von der man über die Dächer der Stadt blicken kann.

Nordirland

Es ist ja nicht meine erste Tour auf die britischen Inseln im Spätwinter (Februar/März); daraus hat sich inzwischen eine ganze Serie entwickelt. Nach Nordengland 2016 und Schottland 2017 steht dieses Jahr also Irlands Norden auf dem Programm, genauer gesagt Belfast und Umgebung. Dafür wurde es jetzt wirklich allerhöchste Zeit.

Belfast gehört vielleicht nicht zu den Top-Reisezielen, aber immerhin ist es heute überhaupt wieder ein sinnvolles Reiseziel. Das war während der langen Jahre des Bürgerkrieges nicht so, jedenfalls nicht in der allgemeinen Wahrnehmung. Die Unruhen in Derry markierten 1969 den Beginn fast 30 Jahre andauernder Kämpfe, Anschläge, Attentate und Morde. Spätestens mit dem (von U2, John Lennon und anderen besungenen) Blutsonntag am 30.01.1972 geriet die Situation völlig außer Kontrolle, als die britische Armee 13 unbewaffnete (katholische) Demonstranten erschoß. Die Zeit von 1969 bis 1998 wird als “The Troubles” bezeichnet, was harmloser klingt als es war, angesichts von etwa 3.500 Toten. 

Seit dem Karfreitagsabkommen 1998 herrscht eine gewisse Ruhe, die anfangs sehr fragil war und erst mit der Zeit etwas stabiler wurde. Nun allerdings könnte durch den Brexit-Beschluß der Engländer das alles wieder in Gefahr geraten. Also lieber vorher nochmal hinfahren. Wer weiß, wie sich das entwickelt.

Um den Bürgerkrieg wird es auch hier immer wieder gehen, aber es ist beileibe nicht so als hätte Belfast sonst nichts zu bieten. Auf dem Programm steht einiges, was interessant zu werden verspricht. Und Touren in die Umgebung sind auch geplant. Den detaillierten Ablauf mache ich aber spontan vom Wetter abhängig. Am Flughafen Dublin und dann auch auf dem Weg nach Belfast ist es jedenfalls etwas neblig und ziemlich grau. Das hatte ich so eigentlich nicht bestellt. ?

Nach ziemlich genau zwei Stunden Busfahrt komme ich jedenfalls gegen 8 Uhr Ortszeit in Belfast an. Die ominöse Grenze hat der Bus dabei passiert, ohne daß man etwas davon gemerkt hätte. Wie das nach dem Brexit wohl wird?

Jedenfalls beginne ich die Tour dann zunächst einmal standesgemäß: Im Pub. Sláinte!

Eventuelle Unionisten oder Royalisten seien übrigens vorgewarnt; ich bin nicht sonderlich neutral in der Irlandfrage. Anders ausgedrückt: Der Reisehase ist strikt irisch-republikanisch. ☘?? ❤ Also: “We’ll sing a song…”

Préavis – Vorankündigung

“Land of heart’s desire,
Where beauty has no ebb, decay no flood,
But joy is wisdom, time an endless song.”

(William Butler Yeats)

Das Land ist natürlich Irland, ein Land, das ich schon (etwas) kenne und schon sehr lange sehr mag. Ich war schon Irland-Fan, als Ray Houghton bei der EM 1988 den 1:0-Siegtreffer gegen England erzielte. ???

An giorria taistil: So heißt der Reisehase dort – oder so ähnlich… vielleicht… Das Irische ist die einzige Sprache, die mich zwar interessiert, an die ich mich aber bisher nicht herangetraut habe. Was ich vom Irischen bzgl. Ausspracheregeln (Palatalisierung oder Lenition oder Nasalierung…) oder an grammatikalischen Besonderheiten  erfahren habe (die unterschiedlichen Verbaspekte, die ich im Russischen schon nie richtig kapiert habe, gibt’s hier wohl auch), klingt nicht so, als könne man sich mal eben schnell ein paar Grundlagen aneignen. “Giorria” jedenfalls heißt Hase. Und die bevölkern natürlich auch eines der bedeutendsten Kunstwerke, die die Insel hervorgebracht hat: Das Book of Kells. Wenn auch bisweilen recht rätselhaft.

Details zum Reiseprogramm für die kommenden sechs Tage folgen demnächst. Aber zunächst lasse ich jetzt mal die Lufthansa ihren Job machen.