Aus aktuellem Anlaß schreibe ich mal einen Artikel zu Elversberg, auch wenn ich jetzt nicht gerade dorthin gereist bin. Aber jetzt, wo der Ort gerade in aller Munde ist…

Spätestens seit gestern ist die SV Elversberg in meinem Fußballbuch (erhältlich weiterhin bei Amazon oder, besser, in echten Buchhandlungen) erheblich unterrepräsentiert. Als ich 2021 das Buch geschrieben habe, bin ich noch mit zwei Artikeln zu Elversberg ausgekommen, einem zum Stadion und einen zum namensgebenden Baum, und hatte nicht das Gefühl, zu wenig über den Club geschrieben zu haben. Die drei “Großen” im saarländischen Fußball, der 1. FCS, der FC Homburg und Borussia Neunkirchen, sind im Buch deutlich stärker vertreten, weil es aus deren Geschichte einfach mehr zu erzählen gab.

Im Oktober 2011 zum Beispiel sah es an der Kaiserlinde noch so aus. Damals kam Schalke II zu einem Regionalligaspiel nach Elversberg. Es war damals noch möglich, von den Stehplätzen aus per lautem Rufen (“Ey, wink mol!”) einen der Spieler dazu zu bringen, während des Spiels dem Publikum zuzuwinken und sich dafür einen Sonderbeifall abzuholen. Und der damals einzige Parkplatz im Stadionumfeld, so eine Art Wanderparkplatz auf der anderen Straßenseite, reichte irgendwie noch aus.

Vier Jahre später sah das Stadion schon anders aus, hier kurz vor Anpfiff eines Regionalligaspiels gegen die SpVgg Neckarelz.

2013 waren die Elversberger in die Dritte Liga aufgestiegen und mußten daher stadionmäßig aufrüsten. Zum Klassenerhalt hatte es damals nicht gereicht, und im ausgebauten Stadion ging’s anschließend in der Regionalliga Südwest weiter, hier zum Beispiel im April 2015 gegen die SpVgg Neckarelz, die damals stolze 500 Zuschauer an die Kaiserlinde lockte.

Richtig aufwärts ging es erst kurz nachdem mein Buch auf den Markt kam, nach der Regionalliga-Meisterschaft 2022, und jetzt ist die SV Elversberg ein Bundesligist. Höchste Zeit, ein paar Informationen zu liefern und mit ein paar Irrtümern aufzuräumen. Erstmal: Wer “der SV Elversberg” sagt, hat keine Ahnung. SV steht nämlich nicht für Sportverein, sondern für Sportvereinigung. Wer noch ältere Tabellen im Archiv hat, findet die Bezeichnung dort noch, zum Beispiel in der Oberliga Südwest, Saison 81/82.

Ansonsten kann man jetzt häufig lesen, die SVE käme aus einem Dorf mit 13.000 Einwohnern. Stimmt so aber nicht. Klugscheißermodus ein: So viele Einwohner hat die Gemeinde Spiesen-Elversberg, die aus zwei Orten besteht. Spiesen ist etwas kleiner als Elversberg (6.500 zu 7.500), aber deutlich älter (1195 erwähnt). Elversberg hingegen ist kein historisches Dorf, sondern wurde erst 1852 gegründet: Als Arbeiter-Wohnsiedlung für die umliegenden Kohlegruben oder Eisenwerke, insbesondere für die nahe Grube Heinitz, die 1851 den Betrieb aufgenommen hatte. Sie wurde schon 1962 stillgelegt und ist inzwischen größtenteils verschwunden, aber ein Baudenkmal steht noch: Die Maschinenhalle Heinitz, ein bemerkenswerter Jugendstilbau, der dringendst renoviert werden müßte. Aber woher das Geld nehmen?

Die Halle steht im Neunkircher Stadtteil Heinitz. Elversberg liegt nicht weit entfernt, nur einen Bergrücken weiter. Sehr alte Gebäude sucht man im Ort vergeblich. Auch das weithin sichtbare Wahrzeichen des Ortes, der Galgenbergturm, wurde erst 1937-39 gebaut und erhielt einen zeittypischen, ziemlich unerfreulichen Namen, den man natürlich direkt 1945 änderte. Seitdem heißt der Turm Galgenbergturm und dient als Aussichtsturm.

(Das Bild ist schon etwas älter (von 2003, glaube ich); es ist ein Scan von einem Abzug eines Negativs.)
Und dann ist da noch die Kaiserlinde, nach der das Stadion benannt ist. Die wurde ursprünglich 1871 gepflanzt, zu Ehren von Kaiser Wilhelm I. und der Reichsgründung. Solche “Kaiserlinden” waren damals Mode. Auch für Wilhelm II. hat man – zum 25. Thronjubiläum 1913 – im ganzen Reich Bäume gepflanzt, auch in Elversberg, das danach also sogar zwei Kaiserlinden hatte. Die spätere hielt man lange Zeit für die “echte” Kaiserlinde, bis Elversberger Heimatforscher mal genauer nachgeschaut haben. Ergebnis: Die Linde von 1913 stand woanders und mußte sowieso schon in den 30er Jahren ersetzt werden. Die Linde von 1871 hielt hingegen bis März 2015 durch. Dann kam der Orkan “Niklas”, und die Linde lag auf dem Kreisverkehr wie letztens Timmy auf der Sandbank – und sie war genausowenig zu retten wie dieser (aber schneller weggeräumt). Im Januar 2021 hat man am alten Standort eine neue Kaiserlinde gepflanzt.

Und an dieser Kaiserlinde gibt’s dann demnächst das Experiment des Bundesligafußballs in einem Ort ohne Bahnhof und fast ohne Parkplatz am Stadion. Aber die Elversberger haben ja auch die 2. Bundesliga gestemmt bekommen und dort schon gegen Clubs gespielt, die Fans haben (Schalke, Lautern, HSV). Da sollte im Vergleich ein Heimspiel gegen Augsburg, Wolfsburg/Paderborn und Hoffenheim erst recht kein Problem sein, und irgendwie werden sie auch Partien gegen Bayern, Dortmund oder Frankfurt schaffen. Der Stadionausbau hat auch schon begonnen. Jedenfalls: Die Bundesliga ist zurück im Saarland, und das nicht in Saarbrücken, Homburg oder Neunkirchen, sondern in Elversberg. Wird spannend!