Alpine Donawitz

…spielte noch in den späten 80er Jahren in der ersten österreichischen Liga, brach dann aber irgendwann ein, als die Unterstützng des lokalen Stahlwerks der Vöest nachließ. Als dann im Zuge der Finanzkrise 2008 der neue Sponsor ins Schlingern kam, folgte die Insolvenz des Vereins. Heute spielen die Grün-Weißen gehobenen Amateurfußball, heißen seit den 90er Jahren schon DSV Leoben und treten noch immer im angestammten Stadion Donawitz an, das noch Erinnerungen an die Glanzzeiten des Vereins hervorrufen kann. Es steht direkt am Werksgelände des Stahlwerks.

Und wer nach der bisherigen Lektüre des Blogs glaubt, daß in der Steiermark immer nur blauer Himmel vorzufinden ist: Heute Abend ist Fritz-Walter-Wetter. Es ist zwar nicht das Wankdorf-Stadion in Bern, aber “der Regen prasselt unaufhörlich hernieder” (H. Zimmermann)

Das Spiel in der Steirer Liga zwischen DSV Leoben und USV Gnas endet 1:1, Für die Spieler kann’s kein großer Spaß gewesen sein, und für die Zuschauer (bzw. auf österr.: Zuseher) ist die überdachte Tribüne ein Glück.

Mürzzuschlag

Die Mürz macht, von Norden kommend, am Semmering eine lange Rechtskurve und fließt ab Mürzzuschlag in südöstlicher Richtung. ​Ob der etwas seltsame Name “Mürzzuschlag” wirklich von der Mündung der Fröschnitz in die Mürz stammt, wie teilweise zu lesen ist, möchte ich bezweifeln (es klingt mir wenig plausibel, denn dafür gibt’s ja schließlich die Endung -münd oder -gmünd, und niemand nutzt das Verb “zuschlagen” für “einmünden”). Egal. 

Der Ort ist eine leidlich hübsche Kleinstadt ohne spektakuläres Stadtbild. Man kann aber das interessante Südbahn-Museum besuchen:

Schon in den 1840er Jahren wurde auf Veranlassung des Erzherzogs Johann nämlich die Bahnstrecke von Mürzzuschlag nach Graz gebaut, die wenige Jahre später durch den Bau der Semmeringbahn Teil der Südbahntrasse Wien->Triest wurde.

Mit dem Kurierzug schaffte man die Strecke schon um 1870 in 13 Stunden. Heute sind es immer noch acht Stunden, also gar nicht so viel weniger (aber da sind jetzt ja auch zwei Landesgrenzen dazwischen, die es 1870 noch nicht gab). 

Das Museum beschäftigt sich mit dem Bau und der Geschichte der Südbahn, was insbesondere am Semmering eine ingenieurstechnische Meisterleistung war. Die Semmeringbahn zählt daher inzwischen zum UNESCO-Weltkulturerbe. In einem Ringlokschuppen des Museums steht auch eine Sammlung alter Schienenfahrzeuge, darunter auch einige recht abstruse Gerätschaften.

Im Mürztal

Das untere Mürztal verläuft zwischen Mürzzuschlag und Bruck an der Mur, wo die Mürz in die Mur mündet. Es ist schon seit langer Zeit eine wichtige Nord-Süd-Verbindung und dementsprechend sowohl recht dicht besiedelt als auch stark befahren. Zwischen Mürzzuschlag und Bruck reiht sich fast ohne Lücke ein Ort an den nächsten.

Kapfenberg ist der erste Ort nach Bruck, die einwohnerstärkste Stadt des Mürztals und Heimat eines aktuellen Zweitligisten, des Kapfenberger SV. Der war auch schon erstklassig und nennt mit dem Franz-Fekete-Stadion eine wirklich hübsche Spielstätte sein Eigen. Im Hintergrund übrigens die Burg Oberkapfenberg.

Zu Kapfenberg möchte ich ansonsten Reinhard Gruber nochmal zu Wort kommen lassen: “so erinnere ich mich noch persönlich an die vielen proteste aus der ganzen landesbevölkerung, als in den 50erjahren in unserem jahrhundert das erste steirische hochhaus in kapfenberg gebaut wurde, zu dessen beschimpfung man scharenweise nach dort pilgerte. aufgrund dieser architektonischen tatsache zählt kapfenberg heute zu den meistbeschimpften städten der steiermark.”

In Krieglach (bzw. auf einem Hof am Alpl in der Nähe) wurde 1843 der Schriftsteller Peter Rosegger geboren. Und so sieht seine “Waldheimat” aus:

Sein Grab, wie von ihm gewünscht mit einem einfachen Holzkreuz, befindet sich auf dem Krieglacher Friedhof.

Eine Begegnung gab’s in Krieglach auch: Das wird wohl mal eine Schlange, wenn’s groß ist. 

Wenn es sich allerdings weiter auf der Straße rumtreibt, wird’s wohl nicht viel größer werden als die momentanen ca. 10cm… ? Ich habe zwar versucht, es in Richtung Grünstreifen abzudrängen, aber wenn Lebewesen partout in die falsche Richtung drängen, kann ich auch nix machen… Alles schon erlebt.

Auf den Hochlantsch

Das Wetter paßt (18 Grad, Sonne): Wandertag!

Vom Teichalmsee auf den Hochlantsch. Zurück über Schüsserlbrunn.

13,13km in 2:44h. Ca. 600hm.

Der Hochlantsch ist der höchste Berg im Grazer Bergland, nördlich der steirischen Landeshauptstadt. Start ist am Teichalmsee auf 1172m Höhe.

Vom See aus geht es direkt in den Anstieg zum Hochlantsch, und der Weg verläuft praktisch geradeaus bis hinauf zum Gipfel (d.h. mit einer der Hangneigung entsprechenden Steigung).

Oben, aus 1720m Höhe, bietet sich ein weiter Rundblick.

Von Südosten her ist der Berg trotz des steilen Anstiegs ohne Klettern zu erwandern. Dagegen fällt er nach Norden hin fast senktecht ab.

Da muß ich aber zum Glück nicht hin. Stattdessen verläuft der Rückweg zunächst nach Westen entlang der Kante in Richtung Schüsserlbrunn. Aber vor dem Abstieg darf sich der Reisehase noch ins Gipfelbuch eintragen. 😉

Der Rückweg bietet neben schönen Ausblicken zudem eine Begegnung mit dem Steirischen Jokl.

Leoben

Glückauf? Ja. Leoben, zweitgrößte Stadt der Steiermark, ist eine alte Bergbaustadt und noch heute ein wichtiges Zentrum der Eisen- und Stahlindustrie (Vöest Alpine im Stadtteil Donawitz).

Wer jetzt aber an die vielbesungenen grauer Städte Mauern denkt, liegt falsch: Leoben hat eine hübsche Altstadt mit zahlreichen barocken Bürgerhäusern. Die in einer Flußschleife der Mur gelegene Stadt war schon im 14. Jh. ein wichtiger Handelsplatz.

Außerdem gibt es viel Grün im Zentrum. Und viel Kunst.

Im Vorort Göss steht das älteste Stift der Steiermark (im frühen 10. Jh. gegründet). Hier produziert heute – Steirische Spezialitäten IV – die Gösser Brauerei eines der verbreitetsten Biere Österreichs. Auch mal witzig: Während der Klosterbesichtigung Biergeruch einatmen.

Im Murtal

Zwischen Bruck an der Mur und dem Grazer Becken verengt sich das Murtal, so daß gerade noch Platz für den Fluß, die Autobahn und ein paar Orte ist.

In Deutschfeistritz hat sich ein Sensenwerk aus dem 19. Jh. erhalten, das mit Wasserkraft betrieben wurde.

Außerordentlich schön, auf einem Berg oberhalb eines alten Mur-Überganges, liegt Frohnleiten:

Hach. Watt schön.

Nicht ganz so schön liegt Bruck/Mur, was auch daran liegt, daß der Ort ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt ist (an der Hauptkreuzung sind mit Wien, Linz, Graz, Salzburg und Klagenfurt gleich fünf der neun Länderhauptstädte ausgeschildert). Einen schönen Blick auf die Stadt hat man von der Burgruine Landskron:

Und im Zentrum präsentiert sich Bruck durchaus farbenfroh:

Die Weltmaschine

Sie steht in einem Bauernhof in Edelsbach bei Feldbach: Die Weltmaschine des Franz Gsellmann. Der 1910 geborene Landwirt arbeitete daran von 1958 bis zu seinem Tod im Jahr 1981.

Fast alle Teile der etwa 4x2x4 Meter großen Maschine stammen vom Flohmarkt: Motoren, Spielzeug, Fahrzeugteile, Dekoartikel, Geschirr, Reisesouvenirs… Und man kann sie einschalten; dann wird es richtig beeindruckend: Überall dreht es sich, es pfeift und zischt und bimmelt und leuchtet und blinkt.

Inspiriert wurde Gsellmann von der Weltausstellung 1958 und dem Atomium in Brüssel (das ihn wohl fasziniert hatte und das sich in der Maschine mehrfach wiederfindet). Er fuhr mit dem Zug nach Brüssel, um sich das Atomium anzuschauen – und am selben Tag wieder zurück. Für eine Übernachtung war kein Geld da.

Im selben Jahr wurde der Hof erst ans Stromnetz angeschlossen.

Nun konnte es losgehen mit dem Bau der Weltmaschine (zu der keine Pläne existieren). Zunächst heimlich in einem kleinen Raum, später in einem etwas größeren Anbau des Hofes.

Was Familie und Nachbarn in dieser ländlichen Gegend davon hielten und was sie über Gsellmann dachten, kann man sich ungefähr vorstellen. Umso schöner, daß die Maschine nach Gsellmanns Tod erhalten blieb.

So sieht die Rückseite aus (eigentlich ist es die Vorderseite, denn hier befand sich früher der Zugang zum Raum):

Hinfahren! Anschauen!

Und wer nun fragt, wozu die Weltmaschine denn dient, der hat Gsellmann nicht verstanden. Ich finde, viel schöner kann man die Philosophie Sartres, daß die Existenz der Essenz vorausgeht, nicht veranschaulichen.

Der Reisehase jedenfalls ist höchst fasziniert. 🙂

Im Apfelland

Das Apfelland hat aber nicht nur Apfelbäume zu bieten, sondern auch einige Kunstdenkmäler. Bei Stubenberg steht z.B. das alte Kloster Sankt Johann:

Oder Schloß Schielleiten, ein in den 1720er Jahren erbautes Barockschloß. Den Traktor hat der Typ übrigens genau 2,8 Sekunden, bevor ich das Photo machen wollte, dort abgestellt. Geht das eigentlich nur mir ständig so?

Aber der kluge Reisehase findet dennoch eine traktorfreie Perspektive.

Die Kreisstadt der Region heißt Weiz, hat etwa 11.000 Einwohner und einen schön angelegten Hauptplatz.

Und ein modernes Kunsthaus (2005):

Steirische Spezialitäten III

Aller guten Dinge sind drei. Bzw. dreimal drei. Oder so. Mindestens.

In Auersbach produziert Volcano feinste Schinken und andere Wurstwaren.

Nur einen Steinwurf entfernt findet man in einer unscheinbaren Halle Lavabräu. Wie der Name schon andeutet, ursprünglich ein Bierbrauer. Seit einigen Jahren produziert Lava aber auch Whisky. Daß die Österreicher das können, hat ja schon JH in Roggenreith in Niederösterreich bewiesen, wo ich letztes Jahr war. Auch der “Brisky” genannte prämierte 2011er Single Malt von Lava ist so gut, daß ich (gerne) eine nicht gerade geringe Summe auf dem Tisch lege.

Danach ist erstmal ein Abstecher zur Bank nötig. ?

Und etwas weiter nördlich liegt, zwischen Weiz und Stubenberg, das Apfelland. Auf einem der zahllosen Höfe mache ich bei einer sehr spendablen älteren Dame (die Proben sind jeweils gut gefüllte 0,3er Gläser) eine Degustation sortenreiner Apfelsäfte. 

Und was kommt raus? Unter anderem das:

Zu Wein, Honig, Klosteroblaten undundund hab ich jetzt noch nicht mal was geschrieben.

Das Label “Genußregion” ist also auf keinen Fall übertrieben. Man findet hier sehr viele sehr hochwertige Spezialitäten, bei zwar durchaus gehobenem, aber eben auch angemessenem Preisniveau, direkt vom Erzeuger und in herausragender Qualität. Der Reisehase ist begeistert und wird in nächster Zeit wohl nicht Hunger leiden müssen.

Hartberg

Hartberg, eine Kleinstadt in hügeliger Landschaft, am Fuß des Ringkogels gelegen, hat ein hübsches Zentrum und ist seit einigen Jahren Mitglied der Cittàslow-Bewegung, als zweite Stadt Österreichs nach Enns. ?

Auf dem Ringkogel steht ein 1906 errichteter Aussichtsturm, von dem man bestimmt eine prima Aussicht hat, wenn man zu einer Zeit dort ist, zu der das Ding auch geöffnet ist.