Bludenz

Bludenz liegt am Zusammentreffen mehrerer Alpentäler (u.a. Brandnertal, Montafon, Großes Walsertal) und war daher schon im frühen Mittelalter ein wichtiger Handelsplatz. Von dieser Bedeutung zeugt die schöne Altstadt mit ihren Arkadengängen.

Schön ist der Blick vom Schloßberg oberhalb der Stadt mit Schloß (jo, klar…) und Laurentiuskirche.

Die Moderne ist aber auch vertreten: Am Rand der Innenstadt steht die Heilig-Kreuz-Kirche (1932-34). Architekt war der Stuttgarter Otto Linder (vielleicht kennt jemand seine Herz-Jesu-Kirche im Zentrum von Pforzheim). Der Innenraum ist dank der Buntglasfenster in eigenartiges orange-gelbes Licht getaucht.

Hohenems

Der Ort ist jedem schon begegnet, der sich im Studium mit Mittelhochdeutsch beschäftigt hat (also wohl keinem außer mir). In der Schloßbibliothek Hohenems sind nämlich zwei sehr wichtige Handschriften des Nibelungenliedes (A und C) gefunden worden (die dritte (ja, genau, Handschrift B) stammt aus St. Gallen). Uns ist in alten mæren wunders vil geseit…

Hohenems liegt schön am Fuß der Berge mit der Ruine Neu-Ems und hat ein sehr hübsches Zentrum mit einigen Museen sowie ein großes jüdisches Viertel.

Im Rheintal

Die Hauptstadt Vorarlbergs ist Bregenz, aber die einwohnerreichste Stadt des Landes ist Dornbirn (49.000).

Der Großteil der knapp 400.000 Vorarlberger lebt im Rheintal, also in der flachen Ebene entlang der Grenze zu Liechtenstein und der Schweiz. Hier bilden die Städte und Gemeinden zwischen Bregenz und Feldkirch einen Ballungsraum, in dem die Orte vielfach ineinandergewachsen sind.

Nicht alle haben nennenswerte Sehenswürdigkeiten; Altach ist bspw. eher modern. Lustenau auch, hat aber immerhin einen blau angemalten Hauptplatz (sieht im Bild aber eher grau aus).. 

Und Lustenau hat das fast 100 Jahre altes Reichshofstadion mit schöner Tribüne:

Größter Vorteil des Stadions: Es steht im Stadtteil … Hasenfeld!

Am Dornbirner Marktplatz steht das Rote Haus von 1639:


In Götzis (eventuell bekannt vom jährlichen internationalen Leichtathletik-Zehnkampf-Meeting) steht die Ulrichskirche aus dem 19. Jh.

Vorarlberg

Vier Tage am Stück frei: Da wird der Reisehase zappelig und will nach draußen. Und weil’s in der Steiermark so herrlich war, erfolgt die Zugabe wieder in Ö: Vorarlberg.

Das westlichste Bundesland Österreichs liegt zwar von Wien aus gesehen nicht vor, sondern hinter dem Arlberg, aber das zählt hier nicht. Entscheidend ist der Stammsitz der Habsburger. Und der liegt im Kanton Aargau, also in der Schweiz. Und von dort aus betrachtet liegt das Gebiet eben *vor* dem Arlberg. Und so sieht’s da aus:

Flächenmäßig ist Vorarlberg ungefähr so groß wie das Saarland; es ist also perfekt dimensioniert. Und es hat die Größe eines durchschnittlichen Eisbergs, der vom antarktischen Eisschelf abbricht – wenn man den (mitunter in ihrer Bildsprache recht einfallslosen) Medien Glauben schenken will.

Man betont das Land übrigens korrekterweise auf der zweiten Silbe: Vorárlberg.

Und wo ich schon bei Sprache bin: Wie fein kann doch der Österreicher formulieren, wo der Deutsche nur ein schnödes “Parken verboten!” zustandebringt.

Oder noch schöner: “Das Abstellen von Fahrzeugen ist zu unterlassen und führt zu Besitzstörungsklage.”

Nachtrag (09.06.2017):

Und wie zur Bestätigung findet sich bei Spiegel Online heute folgender Artikel:

Wie das Saarland

Mir ist ja unklar, warum man allgemein zu glauben scheint, daß der durchschnittliche Leser mit der Angabe “zweimal so groß wie das Saarland” mehr anfangen kann als mit “5.000 Quadratkilometer”, aber nun ja. So taucht die Heimat wenigstens regelmäßig in der überregionalen Presse auf.

Als kleiner Service hier noch der Umrechnungsfaktor: 1 Saarland = 360.000 Fußballfelder.

Steiermark: Résumé

Knapp 4.000 Kilometer an 18 Reisetagen, die ein umfangreiches Programm beinhalteten. Das ist nicht gerade wenig, läßt sich aber recht gut bewältigen, wenn man morgens gleich die richtigen Produkte zum Frühstück bekommt:

Die Steiermark jedenfalls hat mich voll überzeugt, und ich bin von dieser Tour sehr begeistert (ich habe mich sogar schon sagen hören, daß es dort beinahe so schön ist wie in Frankreich). ? Und jetzt überlege ich, ob es eine Verlängerung geben wird, bei der ich die ausgefallenen Wanderungen im Ennstal noch nachhole.

Besonders gefallen hat mir die kulinarische Vielfalt, die die Region bietet und die zu nicht unwesentlichen Teilen von lokalen Erzeugern getragen wird, denen man die Produkte quasi direkt an der Haustür abkaufen kann.

Und landschaftlich gibt es vom Hochgebirge (Dachstein) bis zur Tieflandebene auch einiges an Abwechslung. Vielleicht sind nicht die Top-Ziele für die Besuchermassen dabei, aber vielleicht ist ja genau das auch das Schöne.

“die landschaftsidentifikation ist nur dann günstig, wenn eine günstige landschaft vorhanden ist, z.b. eine herrliche. die steiermark ist eine überaus günstige landschaft” (Gruber: Hödlmoser; excurs über die voraussetzungen der herrlichkeit)

Der Reisehase sagt also Dankeschön, zum einen an die überaus günstige Landschaft, zum anderen an die wenigen, aber dafür überaus günstigen Leser, die die Tour hier im Blog vollständig mitverfolgt (und tapfer die gefühlt 545 Mailbenachrichtigungen ertragen) haben. 😉

Irschenberg

Damit die Rückfahrt nicht so lange wird: Zwischenhalt in Irschenberg in Bayern. 

An Irschenberg rauschen die Allermeisten nur vorbei, denn die A8 München – Salzburg verläuft unmittelbar südlich des Ortes. Wer hier anhält, macht das höchstens an der Raststätte Irschenberg. Dabei ist zum einen das Dorf selbst sehr hübsch, zum anderen gibt’s einen Aussichtspunkt. Von hier aus blickt man auf die Wallfahrtskirche Wilparting und die Alpen mit Benediktenwand, Kampenwand, Wildem Kaiser usw.

Ist das schön! Und das Wetter tut sein übriges dazu, denn die herannahende Gewitterfront erweist sich zwar als ausgesprochen naß, aber auch als sehr photogen.

Und hinterher scheint ja auch gleich wieder die Sonne.

Als Tourabschluß gibt es also nochmal ein richtiges Highlight, vor allem ein landschaftliches. Und auch ein Spaziergang in den Ort lohnt sich.

Hier gibt es einen kleinen Dorfplatz mit Kirche, Rathaus und Bäckerei drumherum. Und vor allem sitzt hier die Dorf-Resi, der der Reisehase (hier: der Resihase) direkt mal sagen kann, wie gut es ihm hier gefällt.

Mais maintenant un dernier regard pour le lapin voyageur avant le retour (et les dernières 400 kms du tour).

Kremsmünster und Schlierbach

Den Abschluß des österreichischen Teils der Tour bilden zwei Klöster:

Kremsmünster ist ein 777 gegründetes Benediktinerstift, das sich bald zu einem kulturellen und religiösen Zentrum entwickelte. 

Der als Sternwarte genutzte, 1749 errichtete sog. “Mathematische Turm” gilt mit seiner Höhe von fast 50 Metern als eines der ersten Hochhäuser Europas. Da er nicht in Kapfenberg bzw. überhaupt in der Steiermark steht, kommen hierher auch keine Leute, um Kremsmünster zu beschimpfen. Die seit 1749 hier vorgenommenen Wettermessungen sind die älteste meteorologische Meßreihe weltweit.

Schlierbach ist eine Zisterzienserabtei, die heute noch besteht (und eine mehrfach preisgekrönte Käseherstellung unterhält). Das 1355 gestiftete Kloster (zunächst ein Nonnenkloster, dann seit 1620 als Mönchskloster) besitzt eine in der Barockzeit neugebaute Klosteranlage, was man vor allem im Inneren der Klosterkirche sieht.

Fun fact: Vor der Stiftung des Klosters stand an der Stelle die Burg von Graf Zwentibold. Falls noch jemand einen Namen für den Nachwuchs sucht…

Steyr. Vorwärts.

Über die Eisenstraße geht’s nun aus der Steiermark hinaus und hinüber nach Oberösterreich.

Der Name der Steiermark leitet sich von der Stadt Steyr ab, obwohl Steyr heute oberösterreichisch und also gar nicht (mehr) steirisch ist.

Der Name Steiermark kam im Mittelalter auf, als die Traungauer Grafen, die ihren Stammsitz in Steyr hatten, die Herrschaft über die damals noch Mark oder Mark Karantanien genannte Region übernahmen.

In Steyr war ich während der letztjährigen Tour schon. Daran, daß es eine ausnehmend schöne Stadt ist, hat sich seitdem nichts geändert.

Heuer lag der Besuchsschwerpunkt daher auch nicht in der Altstadt, sondern an der Volksstraße, wo der 1919 gegründete SK Vorwärts Steyr zuhause ist, ein Verein mit Wurzeln im Arbeitermilieu, treuen und lautstarken Anhängern und einem engen und atmosphärisch schönen Vorwärts-Stadion in Innenstadtnähe.

Statistisches: Vorwärts Steyr – Sturm Graz Amat. 1:1 (0:1). Regionalliga Mitte. 950 Zuschauer.

Leopoldsteiner See

Und wer nun glaubt, die Eisenstraße sei ausschließlich eine langgestreckte Industriebrache resp. ein industriehistorisches Freilichtmuseum, der irrt. Die Straße verläuft landschaftlich wunderschön zwischen den Bergmassiven der Eisenerzer Alpen und dem Hochschwab.

Und nur vier Kilometer vom Eisenerzer Zentrum entfernt liegt der Leopoldsteiner See, ein Bergsee am Fuß der steilen Wände der Seemauer, eines Ausläufers der Hochschwab-Gruppe.

Kein schlechter Abschluß für die Steiermark, denn über Hieflau und Altenmarkt geht es dann hinüber nach Oberösterreich.

Steirische Eisenstraße

Zwischen Leoben im Süden und Altenmarkt an der Grenze zu Oberösterreich verläuft die Steirische Eisenstraße mit zahlreichen hochrangigen Denkmälern der Industriekultur. In den Orten an Vordenberger Bach und Enns ist schon in der Römerzeit und im frühen Mittelalter Erzabbau nachgewiesen, zum Beispiel in Trofaiach, wo im Renaissanceschloß Stibichhofen ein Museum eingerichtet ist.

Etwas weiter liegt Vordernberg mit teilweise erhaltenen Hochöfen des 19. Jh., zum Beispiel der des Radwerks X:

Im Ortszentrum steht noch das 1846 errichtete klassizistische Hauptgebäude des Radwerks IV. Es beherbergt ein Museum und den einzigen erhaltenen Holzkohle-Hochofen Österreichs. Außerdem lief hier ab 1853 die erste Dampfmaschine des Landes.

Höhepunkt der Eisenstraße ist das gegen Beginn der Tour schon ausführlich gewürdigte Eisenerz mit dem beeindruckenden Erzberg.

Größer als ein kleiner Reisehase: Der Erzberg.