Kędzierzyn-Koźle ist eine 1975 gebildete Stadt mit etwa 50.000 Einwohnern, die aus zwei größeren, räumlich getrennten Einheiten besteht. Da ist zum einen das links der Oder gelegene Cosel (Koźle), eine alte Festungsstadt, zum anderen das rechts der Oder gelegene Kandrzin (Kędzierzyn), das industriell geprägt ist und sich erst im 19. Jahrhundert aus verschiedenen kleineren Orten entwickelt hat. Wir schauen uns zunächst mal Cosel an.

Cosel hatte große Bedeutung als Oder-Übergang und Flußhafen, war schon im späten 13. Jahrhundert Sitz eines Herzogtums und wurde von den Preußen im 18. Jahrhundert zu einer Festungsstadt ausgebaut.

An der Oder besteht noch eine Schleuse, die von Hand bedient werden muß.

Die Festung wurde nach der Reichsgründung 1871 aufgegeben und größtenteils geschleift, so daß sich davon nicht mehr viel erhalten hat. Auch die Kasernengebäude sind zum Teil verschwunden, und was noch da ist, harrt der Restaurierung.

Überhaupt ist Cosel nicht ganz so sehenswert wie erwartet. Im Krieg stark zerstört, anschließend eher schlicht wieder aufgebaut, gibt es zwar einige schöne Ecken wie die Oderpromenade und auch sehenswerte Gebäude. Von der Historie als Residenzstadt ist aber nicht viel geblieben. Immerhin steht das Schloß noch.

Auch die Pfarrkirche St. Sigismund ist sehr ansehnlich.

Der rechteckige Ring hingegen ist etwas uneinheitlich bebaut, eine Mischung aus alten Bürgerhäusern und schlichten Nachkriegsbauten.


Auf dem Ring spielen drei kleine Ziegen: Sie stammen aus dem Stadtwappen von Cosel. Koza ist das polnische Wort für Ziege.

Diese gründerzeitliche Häuserzeile an der Piastowska-Straße (früher: Bahnhofstraße) hat die Zeiten überstanden.

Das früher hier ansässige Hotel zum Schwarzen Adler allerdings nicht.

Die Gräfin Cosel übrigens hat mit der Stadt nur insofern zu tun, als sie den Titel einer Gräfin von Cosel verliehen bekam. Über ihr filmreifes (und mehrfach verfilmtes) Schicksal hat der Reisehase schon im Beitrag zu Stolpen erzählt, wo die Gräfin, nachdem sie beim sächsischen Fürsten August dem Starken in Ungnade gefallen war, mehrere Jahrzehnte in Festungshaft verbrachte.
Der Ortskern von Kandrzin, dem anderen Stadtteil, liegt am rechten Oderufer, aber nicht direkt am Fluß, sondern etwa sechs Kilometer östlich. Dennoch bilden diese beiden ungleichen Orte nun eine gemeinsame Stadt. Alte Gebäude fehlen in Kandrzin weitgehend, weil sich der Ort erst im 19. Jahrhundert entwickelt hat. Die Kirchen stammen, wie hier die katholische Nikolaikirche, aus der Zeit des Historismus.

Bei Kandrzin mündete der Klodnitz-Kanal in die Oder und verband den Oderhafen Cosel mit dem Oberschlesischen Revier in Gleiwitz. Er wurde später durch den breiteren Gleiwitzkanal ersetzt. Am Kanal siedelten sich Zinkhütten und Chemiewerke an. Und Kandrzin war auch abseits der Wasserstraßen ein Verkehrsknoten, zum Beispiel an der schon in den 1840er Jahren angelegten Bahnstrecke Liegnitz-Breslau-Oppeln-Kattowitz: Daran erinnert der recht groß geratene Bahnhof…

…und die in der Nähe stehende große Denkmal-Lok mit der Bezeichnung Ty2 2118. Die ist eigentlich eine Lok der Baureihe 52, 1943 bei Henschel in Kassel gebaut.
