Verden (Aller)

Als “Ferdi” taucht Verden im Jahr 782 erstmals auf, in einer Urkunde Karls des Großen, der während seiner Sachsenkriege beim “Verdener Blutgericht” 4.500 Sachsen hinrichten ließ. Diese stattliche Zahl jedenfalls berichten die Reichsannalen, wobei die Zahl der Opfer dieses Massakers vermutlich deutlich übertrieben sein dürfte.

Verden trägt als Zusatz den Flußnamen Aller, obwohl es kein anderes Verden in Deutschland gibt. Aber es gibt Verdun in Frankreich, das in der Kaiserzeit zu Verden eingedeutscht wurde, auch wenn es ja auch nach der Annexion Elsaß-Lothringens 1871 weiter zu Frankreich gehörte. Aber dennoch hat sich als Name Verden (Aller) eingebürgert. Die Aller fließt westlich an Verden vorbei und mündet kurz danach in die Weser Neben dem eigentlichen Fluß gibt es noch einen Altarm.

Es gab aber dennoch lange Zeit zwei Verden: Die Bischofsstadt mit benachbarter Fischersiedlung und eine Bürgerstadt; beide waren selbständige politische Einheiten. Erst im 17. Jahrhundert vereinigten die Schweden, denen Verden damals gehörte, die beiden Städte. Von der anderen Seite der Aller sieht man schön, daß es zwei getrennte Stadtkerne gibt. Die Bischofsstadt mit dem Dom (ehemals die Süderstadt)…

…und die Bürgerstadt mit dem Rathaus und der großen St. Johanniskirche (die ehemalige Norderstadt).

Der Dom war die zentrale Kirche des Fürstbistums (Hochstift und Herzogtum) Verden, das bis kurz vor Havelberg (also an die Elbe und die Havel) reichte und bis 1648 existierte. Der Glockenturm, um die Mitte des 12. Jahrhunderts errichtet, dürfte das erste Backsteinbauwerk Norddeutschlands sein.

Verden ist aber nicht nur reich an Geschichte(n), sondern auch eine Pferdestadt. Das sieht man eigentlich schon, wenn man sich von Westen über die Allerbrücke nähert.

Es gibt Gestüte und zahlreiche Reitsportveranstaltungen. In Verden ist außerdem das Deutsche Pferdemuseum angesiedelt.

Vor dem Museum steht, in Bronze, der Hengst Tempelhüter aus dem Gestüt Trakehnen, das ja in Ostpreußen lag und 1945 unterging. Mit Pferden kenne ich mich nicht so gut aus (sind halt bloß Pferde und keine Hasen 😉), aber daß die Trakehner eine sehr edle Pferderasse sind, weiß ich dann doch. In den 90ern, als es im TV noch echte Reisedokumentationen gab, haben sie mal in einem Reisebericht über Ostpreußen einen furchtlosen Russen gezeigt, der sich in den Kopf gesetzt hatte, das Gestüt im Alleingang wiederzubeleben. Ich frage mich ja seitdem immer mal wieder, was aus ihm wohl geworden ist. Erfolgreicher Züchter jedenfalls nicht… Die Originalskulptur von “Tempelhüter” stand im Gestüt Trakehnen und steht heute in Moskau. Vor dem Museum steht ein Abguß, der 1974 in der Sowjetunion angefertigt und nach Verden gebracht wurde.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*