An der Maas

Zwischen Charleville-Mézières und der belgischen Grenze hat sich die Maas tief in die Ardennen hineingegraben und verläuft hier in vielen Flußschleifen durch ein weitgehend bewaldetes Gebiet. 

Die wenigen Orte am Fluß sind industriell geprägt; Wald und Wasser waren wichtige Rohstoffe für die Eisenverarbeitung, außerdem wurde und wird Schiefer abgebaut und verarbeitet, zum Beispiel in Fumay. Der Ort liegt in einer Flußschleife der Maas.

Revin liegt gleich in zwei Flußschleifen.

Monthermé liegt zur Abwechslung dann auch in einer Flußschleife. Es gibt da echt einige. 

Die von Monthermé erinnert vom Aussichtspunkt an der Longue Roche aus übrigens sehr an die Saarschleife; allerdings bin ich dieses Mal nicht dort hoch (2006 schon). Aber es wäre eine längere Wanderung, und heute fehlte die Zeit. Also nur ein Blick von unten, weshalb man die Schleife nur erahnen kann.

Mit der Abteikirche von Lavaldieu am Stadtrand von Monthermé zeigen dann übrigens die Prämonstratenser, daß auch andere Orden schöne Klöster haben.

Rocroi

Die vielleicht schönste Festungsstadt des französischen Nordens ist Rocroi. Es ist ursprünglich – ausnahmsweise mal – keine von Vauban geplante Festung, sondern etwa 100 Jahre älter und entstand um 1550 im Auftrag König Henri II. zum Schutz der Grenze gegenüber dem Heiligen Römischen Reich. Vauban hat die Festung später aber noch perfektioniert.

Die sternförmigen Bastionen haben sich vollständig erhalten; auf Luftbildern sieht das phantastisch aus. In der flachen Landschaft, in die Rocroi eingebettet ist, gibt es aber keinen ausreichend hohen Aussichtspunkt. Was bei der Anlage der Festung übrigens durchaus zur Strategie gehörte.

Einen Eindruck erhält man aber zumindest von der etwas erhöhten Bastion de Montmorency.

Das Stadtzentrum bildet die Place d’Armes, von der die neun Hauptstraßen der Festung strahlenförmig ausgehen. Hier am zentralen Platz stehen dann auch Rathaus und Kirche, Brasserien und Restaurants.

Gefällt es hier: Lapin Fortifié.

Chimay

Die Trappisten sind ja ein Reformorden der Zisterzienser), und so sind die Zisterzienser letztlich auch für den Ruf Belgiens als Bierbrauernation verantwortlich. Die sechs Trappistenbrauereien des Landes, darunter Westmalle, Orval und Chimay, sind weltbekannt. Leffe ist zwar auch eine bekannte Marke allerdings kein Trappistenbier (Leffe ist ein Prämonstratenserkloster). Kleiner Blick auf die Beute des Reisehasen:

Chimay ist eine Kleinstadt an der französisch-belgischen Grenze mit Schloß und historischer Altstadt.

Etwa zehn Kilometer entfernt, aber noch zur Gemeinde Chimay gehörend, liegt die Abtei Scourmont, in der das Chimay-Bier gebraut wird. Außerdem stellen die Mönche noch einen ebenfalls bekannten Käse dieses Namens her.

Das aktive Zisterzienserkloster besitzt eine Kirche, die aus dem 19. Jahrhundert stammt, aber die Bauvorschriften des Ordens aus dem 12. Jahrhundert einhält (kein Schmuck, keine Ausmalung usw.).

Macquenoise

Der Grenzort Macquenoise heißt inzwischen auch Courquain Das liegt an dem Film “Rien à declarer” (Nichts zu verzollen), mit Dany Boon als Regisseur und in der Hauptrolle (kennt man in Deutschland hauptsächlich von “Willkommen bei den Sch’tis”). “Rien à declarer” ist auch eine Komödie und behandelt den alltäglichen Kampf zwischen Schmugglern und Zöllnern im kleinen Ort Courquain an der französisch-belgischen Grenze.

Gedreht wurde im echten Grenzort Macquenoise, und an den hauptsächlichen Drehorten sind Infotafeln mit Erläuterungen zum Film aufgestellt.

Warum der Film im Gegensatz zu den Sch’tis in Deutschland fast unbekannt geblieben ist… keine Ahnung.

Riqueval, Le Grand Souterrain

Unter Napoleon wurde er innerhalb weniger Jahre durch den Berg gegraben: Der Kanaltunnel von Riqueval.

Mit dem Canal de Saint-Quentin verband man die Flußsysteme von Seine und Schelde; das Ganze hatte neben der wirtschaftlichen natürlich auch eine militärische Dimension. Wie auch anderswo (Canal de Bourgogne) wird die Scheitelhöhe per Tunnel überbrückt.

Die Besonderheit dieses Tunnels erzählt das Musée du Touage am südlichen Tunnelausgang in Riqueval: Die Schiffe dürfen nämlich nicht selbständig durch den Tunnel fahren; dieser ist mit seinen 5,6 km dafür einfach zu lang. Stattdessen werden sie von Schiffen gezogen, die in einer am Kanalboden liegenden, fast acht Kilometer langen Kette eingehakt sind und durch den Tunnel fahren, indem sie sich an der Kette entlangziehen. Riqueval ist einer der ganz wenigen Orte weltweit, an denen diese Technik der Kettenschiffahrt noch aktiv im Einsatz ist.

Bei einer Geschwindigkeit von laut Infotafel 2,5 km/h, die die Kettenschiffe erreichen, dauert die Tunnel-Durchfahrt also gute zwei Stunden. Eine Mutprobe.

Das nördlichen Tunnelende bei Macquincourt muß man suchen; kein Schild und keine Infotafel weisen darauf hin. Da helfen nur Michelinkarte und ein feines Näschen.

Beides hat der Reisehase natürlich, und er hat Glück (ja, ich könnte es auch als Erfolg minutiöser Reiseplanung verkaufen… war es aber in diesem Fall nicht): Es wird nämlich gerade ein Schiff, die Florence IV, durch den Tunnel gezogen.

Le Cateau-Cambrésis

Die Kleinstadt Le Cateau wäre vermutlich nicht weiter erwähnenswert, wäre nicht hier 1869 Henri Matisse geboren worden.

Das Wohnhaus der Eltern, in dem Henri aufwuchs, steht allerdings etwa 20 Kilometer südlich in Bohain-en-Vermandois.

Hier steht auch ein großes Hôtel de Ville, das schon deutlich an die nordfranzösischen Rathäuser erinnert. Die Malereien im Foyer stammen nicht von Matisse, sind aber dennoch sehenswert.

In Le Cateau seinerseits gibt es das Musée Matisse, das im Palais Fénelon untergebracht ist. 

Im Garten des Museums findet man u.a. dieses Relief, das der Künstler speziell für das Museum in seiner Geburtsstadt angefertigt hat.

Der Rest der Innenstadt ist Baustelle.

Vaucelles

In Vaucelles steht eine ehemalige Zisterzienserabei, und natürlich war ich schon einmal hier. Damals, anno 2006, jedoch aufgrund eines Planungsfehlers (!) an einem Montag. Die Innenaufnahmen standen also bis jetzt noch aus, und das hole ich nun nach.

In der Französischen Revolution wurde das Kloster aufgelöst, und die Gebäude dienten als Steinbruch. So ist zum Beispiel die fast 130 Meter lange Klosterkirche (sie war größer als Notre-Dame-de-Paris) vollständig verschwunden. Säulenreihen im Garten deuten den Standort an.

Erhalten haben sich ein Flügel der Klostergebäude und das aus dem 18. Jh. stammende Logis Abbatial.

Im Kloster kann man den Saal der Mönche und den Kapitelsaal besichtigen; beide sind so großartig, wie ich es von allen großen Abteien des Ordens gewohnt bin.

Der einzige Störfaktor ist ein olfaktorischer: In der Nähe unterhält der Konzern Mars eine Fabrik für Tierfutter, und so hängt leider stets ein unpassender Geruch von Frolic in der Luft… 

Comme souvent, un Lapin Cistercien.

Vermandois

Das Vermandois gehört zur Picardie und war im Mittelalter eine Grafschaft mit dem Hauptort Saint-Quentin, dem römischen Augusta Viromanduorum. Der Name kam von dem in dieser Gegend lebenden Keltenstamm der Viromanduer, dessen Name somit in der Grafschaft weiterlebte, sowie in Vermand, einem eher verschafenen Nest, dessen Kirche einen außergewöhnlichen Turm mit offener Spitze besitzt.

In Péronne ist in der Burg das Mémorial de la Grande Guerre, ein Museum über den Ersten Weltkrieg, eingerichtet, und das nicht ohne Grund: Péronne lag im Zentrum der Schlachten an der Somme, dem neben Verdun und dem Chemin des Dames wohl schlimmsten Gemetzel des Krieges, mit über einer Million Toten in vier Jahren Stellungskrieg.

Auch in der Umgebung stößt man überall auf Reminiszenzen: So gut wie jedes Dorf besitzt einen Friedhof mit Kriegsgräbern; dieser hier liegt bei Gouy am sogenannten Prospect Hill.

Und dann gibt es noch die Erinnerungsstätten wie dieses amerikanische Mémorial bei Bellicourt:

Von hier blickt man direkt auf die Schlachtfelder; irgendwo hier verlief die sinnlose Front in einem sinnlosen Krieg.

Daß Péronne nach vier Jahren Krieg, Belagerung und Beschuß keine historische Altstadt mehr aufweist, kann man der Stadt wirklich nur schwer vorwerfen.

Und wie man an den angebotenen Culinaria erkennen kann, befindet man sich hier in Frankreichs Norden.

Auf der Tour durch das Vermandois kommt man auch in rekordverdächtige Orte. Jedenfalls, was den Ortsnamen angeht.

Y. Viel kürzer geht’s nun wirklich nicht.

Wie feuern die ihr Fußball-Team an? Allez Y? ?

Zwei große Flüsse entspringen in dieser Gegend: Die Escaut / Schelde fließt nach Norden und mündet bei Antwerpen nach 360km in die Nordsee. Die Quelle befindet sich bei Gouy.

Die Somme entspringt nur wenige Kilometer davon entfernt bei Fonsommes. Sie fließt nach Westen, durch Amiens und Abbeville bis zum Ärmelkanal. Auch ihr hat man ein Quellbecken gebaut, das momentan allerdings trockenliegt. Das Wasser kommt erst ein paar Meter dahinter zum Vorschein.

Auf ihren ersten Metern nach dem Quellbassin tarnt sich die Somme dann zunächst einmal ganz hervorragend.

Direkt an der Somme-Quelle stand übrigens mit Fervaques ein… na?… was wohl?… genau: …Zisterzienserkloster! Es sind aber nur noch Reste erhalten, die heute Teil eines Bauernhofes sind. 

Avesnois

Das Avesnois schließt sich nördlich an die Thiérache an und ist eine Grenzregion zu Belgien. Es gehört administrativ größtenteils schon zur Region Nord, was man den Orten auch ansieht; das Stadtbild ähnelt den nordfranzösischen Städten wie Douai, Cambrai oder Béthune. Die größeren Orte wie Hirson oder Fourmies sind nicht wirklich schön, sondern versprühen einen eher spröden Charme.

Fourmies besitzt aber immerhin ein Theater von beachtlicher Größe, für ein Städtchen von 12.000 Einwohnern.

Den Namen hat die Gegend von Avesnes-sur-Helpe. Das Stadtzentrum besteht hier aus viel Backstein; die Häuser gruppieren sich um die große Collégiale.

Die ist im Innenraum noch viel dunkler als es das Bild hergibt; das Smartphone verstärkt das Restlicht. Man sieht in Wirklichkeit das Mittelschiffgewölbe gar nicht.

Die Geschichte der Region erzählt das am Rand der Innenstadt von Fourmies gelegene Écomusée de l’Avesnois, untergebracht in einer alten Textilfabrik.

Und noch ein Freilichtmuseum: Das Musée du Bocage in Sains-du-Nord zeigt ländliche Alltagskultur aus der Bocage, einer typisch nordfranzösischen Landschaft.

Ich bin immer versucht, den Ortsnamen als Seins-du-Nord (statt Sains) zu schreiben… Muß irgendwie mit Sigmund Freud zusammenhängen. ?

Étrœungt ist nicht unbedingt sehenswert, gehört aber zu den Orten, von denen ich mich frage, wie man die korrekt ausspricht und wo solch ein Name herkommt (wie z.B. auch Quaëdypre oder Chaouilley).

Das Avesnois ist im Ganzen also nicht sehr spektakulär, aber dennoch lassen sich hübsche Ecken oder wenigstens ein prächtiger Himmel finden, so wie hier bei Montreuil-les-Dames, wo sich im Mittelalter ein Kloster… naja, usw., das kennt Ihr ja inzwischen. ?

Guise

Die Stadt bietet gleich drei gute Gründe für einen Besuch.

Grund 1: Les Ducs de Guise

Hier waren die Herzöge von Guise ansässig, eine der wichtigsten und einflußreichsten Adelsgeschlechter Frankreichs. Der Herzog Henri I. von Guise führte zum Beispiel im 16. Jahrhundert die katholische Liga an und war einer der Anführer des Mordes am protestantischen Admiral Coligny und in der darauffolgenden berüchtigten Bartholomäusnacht. 1588 wurde er selbst ermordet, auf Geheiß des französischen Königs Henri III. (aus dem Haus Valois). Der war zwar ebenfalls katholisch, aber er hatte seine Gründe. Politik funktionierte im 16. Jahrhundert eben so.

Die herzogliche Burg ist ein wehrhaftes, etwas düster ummauertes Gebäude auf einem Felsen über der Stadt.

Grund 2: Le familistère Godin

Jean-Baptiste Godin, erfolgreicher Industrieller und Inhaber einer Ofenfabrik, gründete 1858 eine genossenschaftliche Wohnanlage für die Arbeiter seiner Fabriken. Das Familistère Godin war somit der erste soziale Wohnungsbau der Moderne und beeinflußte später auch Architekten wie Le Corbusier.

Godin, der selbst ebenfalls eine Wohnung im Familistère besaß, hat man auf dem zentralen Platz vor der schloßartigen Wohnanlage ein Denkmal errichtet. 

Zum Ensemble gehört sogar ein Theater:

Grund 3: Camille Desmoulins

Für mich der Hauptgrund eines Besuches in Guise. Ein glühender Anhänger der Französischen Revolution bin ich ohnehin; ich hatte auch in Varennes-en-Argonne meinen Spaß. Aber so sehr ich Robespierre und Saint-Just auch schätze: Camille Desmoulins verkörpert die Ideale und Ideen der Revolution für mich am besten. Mit berühmt gewordenen Reden im Juli 1789 (“Aux armes!”) trug er zudem wesentlich zum Sturm auf die Bastille bei. Zusammen mit Danton wurde er am 16. Germinal II (5. April 1794) hingerichtet, weil er mit Robespierre, der sein Jugendfreund und Pate seines Kindes war, keine Einigung über den weiteren Weg der Revolution finden konnte und die Schreckensherrschaft ablehnte. Seine Frau Lucile Duplessis wurde acht Tage später ebenfalls guillotiniert.

Am besten schaut man sich einfach Andrzej Wajdas Meisterwerk “Danton” an, mit Gérard Dépardieu in der Titelrolle; da ist auch Desmoulins (gespielt von Patrice Chéreau) ausreichend gewürdigt.

In seiner Geburtsstadt Guise hat man ihm ein Denkmal gesetzt. Lui fait l’honneur aussi: Lapin Républicain.