Maillezais

Hier war ich schon zweimal, aber Maillezais ist einfach viel zu schön, um daran vorbeizufahren.

Das im Jahr 1005 gegründete Kloster Maillezais (nein, kein Zisterzienserkloster – es gehörte zu Cluny, war also Benediktinerabtei) war eines der bedeutendsten Klöster hier im Westen Frankreichs. Im 14. Jh. wurde es zum Bistum erhoben, so daß der Abt von Maillezais gleichzeitig Bischof war. Das Kloster war zudem wesentlich daran beteiligt, die Sumpflandschaft des Marais Poitevin zu kanalisieren und urbar zu machen. 

Später folgte der Niedergang: Die prächtige gotische Anlage wurde 1587 von den Hugenotten zerstört, der Bischofssitz 1627 nach La Rochelle verlegt. Die Klosterruine wurde 1791 auf Abbruch verkauft.

Was sich erhalten hat, ist dennoch beeindruckend genug.

Auf den Westturm (hier oben ganz links im Bild) kann man hinaufsteigen. Von hier oben sieht man schön die ehemaliges Ausmaße der Kirche.

Die Reste des Kirchenschiffs:

Der ehemalige Kreuzgang:

Im Gästerefektorium wird eine Videoinstallation zur Abteigeschichte gezeigt.

Gesamturteil: ?

La Roche-sur-Yon

Es gibt ja wahrlich genug Festungsstädte an der Atlantikküste.  Aber dennoch ließ Napoleon 1804 für das Département Vendée eine neue Hauptstadt bauen, als Garnisonsstadt und mit zentralem riesigem Exerzierplatz. Wenn alle anderen dort eine Stadt gegründet hatten, wollte der Korse wohl auch.

Die Stadt erhielt den Namen Napoléon-sur-Yon. Ja, echt. Heute kennt man sowas höchstens noch von größenwahnsinnigen zentralasiatischen Diktatoren. Aber was Personenkult angeht, kann Napoleon da mithalten. Später hieß die Stadt dann Bourbon-Vendée und erhielt nach 1871 den etwas einfallslosen heutigen Namen.

Entstanden ist hier – wieder mal – eine Stadt im Schachbrettmuster. In der Mitte liegt der große Exerzierplatz für 20.000 Soldaten, heute die Place Napoléon mit einem Reiterstandbild des Stadtgründers. Der erst vor kurzem (und für sehr viel Geld) umgestaltete Platz besitzt nun viele Grünflächen und ist sehr hübsch geworden. In Wasserbassins stehen bewegliche Tierfiguren, deren Mechanik über Schalter und Hebel vom Rand der Bassins gesteuert werden kann, was Kindern und Erwachsenen gleichermaßen Spaß bereitet.

Einen Hasen gibt’s leider nicht, aber immerhin ein paar Frösche, auch wenn die eher nicht so hübsch sind.

Ganz neu ist diese Fassadenmalerei (Sarah Bernhard??) am Gebäude der Ecolde de Musique et de Danse:

Am Stadtrand gibt es dann noch das hier: Der Chocolatier Gelencser hat hier neben der Fabrikation auch ein kleines Museum eingerichtet.

Photos darf man innen nicht machen. Hab ich natürlich doch, will ich aber hier nicht zeigen. Das alles ist wesentlich kleiner als Zotter in der Steiermark, aber dafür weitaus edler (und deutlich teurer).

Luçon

In Luçon war Armand Jean du Plessis, besser bekannt als Kardinal Richelieu, lange Jahre Bischof. Deshalb dreht sich dort recht viel um den Politiker und Kirchenmann (auch wenn er selbst wohl nicht viel von seinem Bistum weitab von Paris hielt). So steht er auf dem Hauptplatz vor der Kathedrale.

Da sieht er so harmlos aus… Als erster Minister Frankreichs unter Ludwig XIII. bestimmte er aber lange Zeit die französische Politik und war dabei ein gnadenloser Machtpolitiker, der Konflikte anzettelte, wenn es opportun erschien, und der falls nötig auch Burgen oder Städte zerstören ließ. Da kannte der Mann Gottes weder Gnade noch Nächstenliebe.

Die Kathedrale in Luçon ist eine ehemalige Abteikirche, die im 17. Jh. eine klassizistische Fasdade erhielt. Im Inneren präsentiert sie sich aber rein gotisch.

Eine weitere Sehenswürdigkeit ist wenig bekannt und aktuell sehr verwahrlost: Der Wasserturm von 1914, der mit seinen schönen Art-Déco-Details etwas mehr Pflege und einen besseren Zustand verdient hätte. Es sieht aber leider eher so aus, als verschwände dieses Denkmal demnächst.

Vendée

Die Route führt weiter nach Norden: Ich bin jetzt in der Vendée angekommen. 

Die Landschaft südlich der Loiremündung war Schauplatz eines Kapitels der Französischen Revolution. Im Vendée-Aufstand erhoben sich 1793 reaktionäre (royaliatische und katholische) Kräfte gegen die Revolution und den regierenden Konvent; der Aufstand wurde nach heftigen Kämpfen blutig niedergeschlagen. An diese Episode erinnern noch heute viele Gedenktafeln und Denkmäler in der Vendée.

Die Landschaft ist weitgehend flach und landwirtschaftlich geprägt: Ackerflächen, Wiesen und Weiden überwiegen; weite Teile sind außerdem sumpfig.

Mareuil-sur-Lay:

In Trizay stehen die Reste einer Zisterzienserabtei, die nach der Revolution zum Bauernhof wurde (die Klosterkirche diente als Scheune).  2004 waren die Gebäude noch bewohnt und gepflegt, heute ist alles verlassen und beginnt sichtlich zu verfallen. Schade.

Und in Mouilleron-en-Pareds wurde in diesem Haus im Jahr 1889 Jean de Lattre de Tassigny geboren. 

Nach dem Marschall und General, der 1945 in Berlin als Vertreter Frankreichs die bedingungslose deutsche Kapitulation unterzeichnete, ist in Frankreich im wesentlichen in jedem Ort eine Straße oder ein Platz benannt. 

Ebenfalls hier geboren (direkt nebenan): Der französische Staatspräsident Georges Clemenceau (1841-1929). Ein Museum für beide Politiker ist eingerichtet.

Im Kirchturm des Ortes ist ein Glockenspiel untergebracht.

Und auf einem Hügel etwas außerhalb stehen die Moulin de Lattre und zwei weitere alte Windmühlentürme.

La Rochelle

Und noch eine Festungsstadt.

La Rochelle ist ein alter Fischerhafen, der schon im 11. Jh. bestand und bereits im ausgehenden Mittelalter große wirtschaftliche und strategische Bedeutung hatte. Im 17. Jh. wurde es dann während der Religionskriege zum Zufluchtsort für die Hugenotten.

Insgesamt ist La Rochelle zwar eine sehr hübsche Stadt, aber sie haut mich nicht so um wie Royan. Keine Ahnung, warum. Der Funke springt auch bei meinem zweiten Besuch irgendwie nicht so über.

Schön ist allerdings der von den beiden Türmen Tour St. Nicolas und Tour de la Chaîne bewachte alte Hafen, in dem heute eher Freizeitboote und Yachten liegen als Fischerboote. Zwischen den Türmen wurde früher eine Kette gespannt, wenn man die Einfahrt sperren wollte.

Im Hafengebiet ist ebenfalls das Musée Maritime angesiedelt. Hier liegt unter anderem die France I, ein 1958 gebautes Wetterschiff.

Den gestrigen Start der internationalen Segelregatta Mini Transat nach Martinique in der Karibik habe ich übrigens knapp verpaßt; mit Absicht allerdings. Der Segelsport interessiert mich nicht so brennend, daß ich mir deswegen den Zuschauerandrang antue.

Fouras

Die Charente-Mündung und damit das Marinearsenal Rochefort liegen zwischen zwei weit ins Meer hinausragenden Landspitzen: Der Insel Oléron im Süden und der Halbinsel Fouras mit der vorgelagerten Insel Aix im Norden. Zur Sicherung von Rochefort entstanden um diese gesamte Bucht herum mehrere große Festungen. Eine davon steht in Fouras direkt an der Küste.

Von der von Vauban zur Festung ausgebauten mittelalterlichen Burg blickt man nach Süden zur Île Madame und zur Passe aux Bœufs (der Straße durchs Meer – wir erinnern uns).

Nach Nordwesten sieht man (rechts im Hintergrund) die Île d’Aix mit dem Fort de la Rade:

Und wer hier genau hinschaut, sieht am Horizont etwa in der Bildmitte einen Punkt im Wasser. Das ist Fort Boyard. Hier wurde ab 1989 eine erfolgreiche Spieleshow des französischen Fernsehens produziert (so eine Art „Spiel ohne Grenzen“). Lief auch mal in Deutschland in der Privatsender-Frühzeit, damals bei RTL plus oder Sat1.

Lustig ist die Geschichte zum Fort: Da die Reichweite der Kanonen auf Oléron und Aix nicht ausreichte, um die gesamte Zufahrt nach Rochefort zu schützen, hatte man den Einfall, auf halbem Weg, auf der Sandbank Boyard, ein weiteres Fort zu errichten. Vauban allerdings, der sonst gnadenlos überall Festungen hinstellte, wo Ludwig XIV. eine haben wollte, hielt das auf der Sandbank für unmöglich. Der Plan ruhte dann für knapp 150 Jahre, bis Napoleon schließlich den Bau beginnen ließ. Als Fort Boyard dann nach 50 Baujahren voller Komplikationen endlich fertig war…. brauchte man es nicht mehr, weil die Reichweite der Geschütze inzwischen die komplette Durchfahrt abdecken konnte. 

Vielleicht sollten sie BER einfach gleich dazu nutzen, eine Spieleshow zu produzieren.

Pont Transbordeur du Martrou

Tja. Das Wiedersehen mit der Schwebefähre Rochefort sowie eine Fahrt damit über die Charente war als einer der Höhepunkte der Reise gedacht. Aber das Bauwerk befindet sich aktuell in einer dreijährigen Renovierung und ist daher nicht nur nicht in Betrieb, sondern sogar teilweise demontiert. Momentan fehlt z.B. der Querträger in 50m Höhe, in den die Fährgondel eingehängt ist). Da bleibt dann nur der Blick von unten und vom Ufer.

Die Schwebefähre (auf französisch weit treffender als Pont Transbordeur bezeichnet) ist ein geniales, aber eigentlich einfaches Konzept, das der Ingenieur Ferdinand Arnodin (1845-1924) erfand. 

Ehe ich jetzt wortreich erkläre, wie das funktioniert, hier eine Zeichnung aus der kleinen Ausstellung vor Ort: So sieht das aus:

Um die Jahrhundertwende 1900 entstanden mehrere dieser Bauwerke, von denen sich aber weltweit nur wenige erhalten haben. In Frankreich ist Rochefort („Le Martrou“ ist die Ortsbezeichnung am Südufer der Charente) die einzige noch existierende von ehemals sechs Schwebefähren. Weltweit gibt es noch acht solcher Anlagen, davon zwei in Norddeutschland (Rendsburg, Osten-Hemmoor).

Bis 1967 war die Schwebefähre in Betrieb, ehe die Kapazität von zwölf Autos pro Überfahrt endgültig nicht mehr ausreichte und die Staus überhand nahmen. Nebenan wurde eine neue Brücke eröffnet; die Schwebefähre entging nur knapp dem Abriß und transportiert seit 1994 und hoffentlich ab demnächst dann wieder Fußgänger und Radfahrer.

Damit hätte ich dann auch endgültig einen Grund für eine Rückkehr an diesen Teil der Atlantikküste gefunden… wenn es dafür nicht ohnehin schon ausreichend Gründe gäbe. Ab 2019, wenn die Restaurierung abgeschlossen ist.

Aber selbst als Torso ist die Schwebefähre noch beeindruckend, mit ihren 66m hohen Pylonen. Blick vom südlichen Charente-Ufer:

Und vom Nordufer, auf der Seite von Rochefort:

An beiden Ufern der Charente sind Info-Pavillons aufgestellt und kleine Parkanlagen mit Skulpturenwegen angelegt. 

Le pont transbordeur: Même dans l’état de chantier un véritable coup de cœur du lapin voyageur.

Hermione

Gregory Peck ist einer der Helden meiner Kindheit, quasi direkt nach dem Hasen Cäsar (natürlich). Peck spielte im Film „Des Königs Admiral“ den Kapitän Horatio Hornblower. Mein Karriereziel war damals Kapitän eines Segelschiffs. Ich war sieben und wußte weder etwas von Höhenangst noch davon, daß eine Marinekarriere nicht mit dem Rang eines Kapitäns beginnt.

Es kam dann ja auch etwas anders. Aber die Faszination für Segelschiffe, die besteht noch immer.

Rochefort ist daher Pflichtprogramm, denn in den 90er Jahren beschloß man, die Schiffbautradition der Stadt wiederaufzugreifen. Man begann 1997 mit der Rekonstruktion der Königlichen Fregatte „Hermione“. An dem großen Segelschiff wurde bis 2014 gebaut.

Ursprünglich war die Hermione 1779 in Dienst gestellt worden. Mit ihr fuhr der Marquis de La Fayette nach Nordamerika, um die dortigen Kolonien beim Unabhängigkeitskampf gegen die Engländer zu unterstützen. Später, 1793 während des Vendée-Aufstandes, lief das Schiff dann ganz prosaisch bei Croisic in der Bretagne auf ein Riff und sank.

Und da steht sie nun im Nieselregen von Rochefort, die neue Hermione. 

Sie kann besichtigt werden; eine kleine Ausstellung informiert über den Neubau. Der ist aber kein reines Museumsschiff, sondern voll funktionsfähig: Die Premierenfahrt führte auf den Spuren La Fayettes über den Atlantik nach Nordamerika (New York, Boston, St-Pierre-Miquelon), und für 2018 ist wieder eine große Tour geplant. Derzeit liegt sie aber glücklicherweise in Rochefort und strahlt hier frisch gestrichen v.a. in Rot und Gelb.

In einem Dock daneben darf man als Teil der Besichtigung in die Bespannung der Masten krabbeln.

Wenn man mag. Der Reisehase (lapin marinier) mag nicht, bleibt lieber an Deck und betätigt das Steuer.

Rochefort: Corderie Royale

Als zweites Standbein neben dem Schiffbau etablierte sich in Rochfort die Seilerei: Die war für die Segelschiffe ja unabdingbar, wie man sieht:

Die längsten von der königlichen Marine benötigten Seile hatten eine normierte Kabellänge von etwa 185 Metern (sog. Encablure), und um diese Länge eines fertigen Seiles zu erreichen, waren Schnüre von 300m Länge als Ausgangsmaterial nötig. Die 1666-69 erbauten Gebäude der Königlichen Seilerei (Corderie Royale) waren daran angepaßt: Sie sind sehr lang, nämlich etwas mehr als genau diese 300 Meter.

Die Corderie produzierte bis 1862, wurde dann anders genutzt und 1944 von der deutschen Luftwaffe zur Ruine gebombt. Der Wiederaufbau fand von 1971-85 statt, nachdem der Abriß des einzigartigen Denkmals zuvor nur knapp verhindert werden konnte. Heute ist die Corderie eines der Wahrzeichen von Rochefort und dient immer wieder als Kulisse, so wie hier und heute für eine Oldtimer-Tour.

Hach. La DS. ?

Innen gibt es eine schön gemachte und informative Ausstellung zum Thema Seilerei, mit Vorführungen zur Seilherstellung und 3D-Animationen.

Rochefort

Nieselregen. Ach, stimmt, das hatte ich nach neun Tagen Sonne ja glatt vergessen, daß es sowas auch noch gibt. Nun denn: Es wird also ein Museumstag.

Rochefort ist ähnlich wie Brouage eine planmäßig gegründete, auf Schachbrettmuster angelegte Festungsstadt. 

Die Kirche ist, wie es sich für eine unter Sonnenkönig Ludwig XIV. gegründeten Stadt gehört, dem Heiligen Ludwig geweiht. In Saarlouis ist das nicht anders. Rochefort liegt in einer Flußschleife der Charente kurz vor deren Mündung in den Atlantik. Die Stadt entstand 1666 auf Veranlassung von Kardinal Richelieu und Marineminister Colbert als Festung und Marinearsenal. Sie erhielt wichtige Aufgaben für die bis dahin rückständige Königliche Marine: Schiffswerften und die Corderie Royale (dazu später mehr). In Rochefort entstanden zahlreiche Kriegsschiffe, später dann auch erste U-Boot-Versuche. Diese wiederum inspirierten Jules Verne zu seiner „Nautilus“.

Die alten Trockendocks (frz.: formes de radoub) sind erhalten.

Weniger schöne Geschichten gab es auch: 1816 startete von Rochefort aus die „Medusa“ in Richtung Senegal; sie erlitt Schiffbruch, und die 15 Seeleute, die das Unglück überlebten, auf einem Floß und bis auf zwei Fässer Wein fast ohne jegliche Nahrung außer… naja… siehe unten…, hatten sehr unschöne Dinge mitgemacht: Gewalt, Mord, und vor allem: Kannibalismus… Bekannt ist diese schauerliche, aber wahre Geschichte heute vor allem durch Théodore Géricaults Gemälde „Das Floß der Medusa“. Eine Nachbildung des Floßes steht im Marinemuseum.

Nahe dem Zentrum ist ein nettes Heckenlabyrinth angelegt. 

Und wie es sich für eine Stadt von Seefahrern gehört, ist das Ziel natürlich die Schatztruhe.

Zur Belohnung gibt’s Crêpe mit Sahne, was sich allerdings eher als Sahnegebirge mit etwas Crêpe-Basis herausstellt.