Passe aux Bœufs

Ça s’appelle passe aux bœufs, mais c’est aussi accessible au lapin qui devient alors maintenant le lapin sous-marin (ben, c’est marée basse, alors c’est plutôt le lapin submersible).

Mais on decide de rester au dessus de l’eau quand même et on préfère seulement la route étant submersible finalement.

Von Port-des-Barques führt zu der kleinen vorgelagerten Insel Île Madame eine Fahrstraße, die nur bei Niedrigwasser befahren werden kann. Bei Flut liegt die Fahrbahn, eigentlich nur ein Schotterdamm, unter Wasser.

Das Navi sieht dann nur noch blau:

Und in echt sieht das so aus:

Das ist schon sehr spannend; auch wenn ich die Passage du Gois auf die Halbinsel Noirmoutier noch etwas beeindruckender fand, weil der Fahrdamm dort viel schmaler ist.

Die Gezeitenzeiten (wie sagt man dazu?), also Hoch- und Tiefststände des Wassers, sind an der Einfahrt zur Passage übrigens ausgehängt; man fährt also nicht blindlings in den wörtlichen Untergang. Allerdings sollte man bei einsetzender Flut möglichst wieder am Festland sein, sonst droht bestenfalls eine Nacht auf der weitgehend unbewohnten kleinen Insel, die zu Fuß in gut 15 Minuten durchquert ist.

An der Gois waren zur Abschreckung Bilder von schwimmenden Autos ausgehängt („Ça? Non!“)…

Tonnay-Charente

Die Brücke in Tonnay-Charente hatte mich schon 2004 fasziniert. Die ursprünglich 1842 errichtete Hängebrücke war bereits seit 1964 nur noch für den nichtmotorisierten Verkehr freigegeben. Anschließend wurde sie etwas vernachlässigt, so daß sie 2004 in keinem guten Zustand mehr war: Die ohnehin eher filigranen Geländer waren verrostet, die Holzbohlen der Fahrbahn waren teilweise morsch oder fehlten gleich ganz, und durch die Lücken und Löcher im Boden konnte man die Charente sehen – 30 Meter tiefer (bei Ebbe etwas mehr). Das brachte eine gewisse Spannung in die Besichtigung und hinterließ bleibenden Eindruck. Am Rand sieht man den alten Zustand noch.

In der Zwischenzeit ist zumindest die Fahrbahn erneuert worden, und ein zweites, stabileres Geländer gibt es auch. 

Die Brücke, ein Werk des Ingenieurs und Architekten Louis Dor und eine der ältesten Hängebrücken Europas, ist also nicht mehr ganz so spannend, aber dennoch ein Hingucker. Und sie bietet aus großer Höhe eine tolle Aussicht.

Die Rampe auf der Südseite ist auf einer langen Reihe von Arkadenbögen errichtet. Dieser monumentale Unterbau vermittelt den Eindruck, sich im Seitenschiff einer großen Kathedrale zu befinden.

Eine Funktion hat die Brüce schon lange nicht mehr: Die Charente überquert man inzwischen auf moderneren (aber schlichteren) Bauwerken flußauf- und -abwärts, und die Zahl der Fußgänger und Radfahrer, die von Tonnay-Charente ins gegenüberliegende Saint-Hippolyte wollen oder umgekehrt, hält sich in sehr engen Grenzen. 

Es bleibt also einfach nur ein sehr schöner Brückenbau – und offenbar ein Ort, um seine (bzw. wohl eher ihre) Meinung kundzutun. Fast hätte es ohne Rechtschreibfehler geklappt – und dann am letzten Hindernis doch noch ein Abwurf… oooh…:

Et oui, le lapin voyageur est un peu offusqué… ?

Nach einigem Suchen findet auch der Reisehase einen sicheren Platz.

PS: Gesamtansicht der Brücke folgt.

Brouage

In den Sümpfen und Salzwiesen zwischen Rochefort und Marennes entstand im 16. Jh. die Hafenstadt Brouage, die im 17. Jh. unter Richelieu zur Festung ausgebaut wurde (gegen das hugenottisch geprägte La Rochelle).

Als der Hafen später verlandete, verlor Brouage seine Bedeutung. Heute ist es ein kleiner Ort, der mit seinen im Schachbrettraster angelegten Straßen und den niedrigen Häusern zwischen den Festungswällen wie in die Sümpfe versenkt wirkt. Das war zu Richelieus Zeiten natürlich auch die gewünschte Tarnung: Man sieht die Stadt erst, wenn man schon kurz davorsteht.

Die Festungsstadt ist vollständig erhalten; die Bastionen und Wälle können begangen werden. 

Ebenfalls erhalten: Kasernen, Arsenale und Pulvermagazine.

Es täte dem Flair des Ortes allerdings gut, würde man den Autoverkehr aus dem inneren Teil der Festung aussperren.

In Brouage wurde um 1570 Samuel de Champlain geboren, der Forschungsreisende und Gründer von Québec (1604).

PS: Ja, am Nachmittag des neunten Reisetages ist der Himmel erstmals nicht strahlend blau. Ich will mich trotzdem mal nicht übers Wetter beschweren.  ?

Charente

Heute (Samstag): Entlang der Charente.

Sie ist ein knapp 400 Kilometer langer, im Unterlauf sehr breiter und wasserreicher Fluß, der bei Rochefort in den Atlantik mündet.

Bis weit ins Landesinnere hinein machen sich die Gezeiten bemerkbar, so z.B. auch in Saint-Savinien, das etwa 30 Kilometer vom Meer entfernt liegt.

Die Schwemmlandebene der Küse geht hier in eine felsigere Landschaft über; in der Umgebung befinden sich viele Steinbrüche.

Beurlay zeigt Genialität bei der Auswahl seines Partnerortes.

Von der Abtei Trizay haben sich nur Ruinen erhalten. 

Daher sind die Gebäude auch nicht so gut drauf.

Chamois Niort

Und gestern Abends gab es noch einen kleinen Abstecher nach Niort (das eigentlich erst für Mitte nächster Woche auf dem Programm steht).

Niort liegt am Rand einer riesigen Sumpflandschaft; die ganze Umgebung ist flach, flach, flach. Und was für ein Wappentier nimmt man sich dann, wenn man einen Fußballverein gründet?

Joah, ne Gemse halt. Und wenn, dann richtig: Der Verein heißt auch nach dem Wappentier (Chamois). Als Fan eines Vereins, der im Westfälischen beheimatet ist, sein Stadion aber  „Alm“ nennt, fühle ich mich da doch gleich gut aufgehoben.

Nettes Stadion. Die Rahmendaten in Kürze (wir sind hier ja schließlich nicht in meinem Stadionphoto-Blog):

Stade René Gaillard, 11.000 Plätze. Chamois Niortais FC – US Quévilly-Rouen 2:1.

PS: Der Grund für die Gemse: Niort war ein Zentrum der Lederherstellung, speziell aus Gamsleder. Daher.

Saintes

Die Hauptstadt der Saintonge war zur Römerzeit eine der bedeutendsren Städte der römischen Provinz Gallien, die ja bekanntlich omnis divisa est in partes tres, quarum unum… und so weiter.

Romanes eunt domus. Sed non: Lepus Peregrinus.

Das antike Mediolanum Santonum, benannt nach dem hier ansässigen keltischen Volksstamm der Santonen, hat bis heute sichtbare Spuren hinterlassen, vor allem den Triumphbogen, der Germanicus, dem Sohn des Kaisers Tiberius, gewidmet ist und 19 n.Chr. von einem reichen Bürger gestiftet wurde…

…und das Amphitheater für einst 20.000 Zuschauer.

Ansonsten besitzt die hübsche, heute nicht mehr allzu große Stadt (25.000 Einwohner – so viele waren es auch fast schon in der Römerzeit) noch bedeutende mittelalterliche Bauten: Zum Beispiel die Kirche Saint-Eutrope, die dem Stadtheiligen geweiht ist, der hier im 2. Jh. Bischof war.

Das Grab des Heiligen, ein Sarkophag aus dem 4. Jh., befindet sich in der Krypta unter der Kirche.

Es gibt noch zwei weitere bedeutende Kirchenbauten in Saintes: Die Kathedrale St-Pierre mit einem Turm, dem man sehr deutlich ansieht, daß auf halbem Wege das Geld ausging:

Und die Abbaye aux Dames, deren Kirche zu den bedeuendsten romanischen Baudenkmälern zählt.

Und wieder Kirchenphotos untergejubelt… hihi. Zum Abschluß (des Postings – was die Reise angeht, bin ich noch in der ersten Hälfte…) aber noch einen Blick auf die Charente.

Saintonge

Dann aber heißt es Abschied nehmen von Royan. Ich sage (bewußt!) „au revoir“.

Die Tour geht weiter in Richtung Norden und führt durch die Saintonge. Die nach der größten und wichtigsten Stadt der Gegend (Saintes) benannte alte Kulturlandschaft ist leicht hügelig und vor allem landwirtschaftlich geprägt, wobei der Weinbau eine große Rolle spielt (Cognac liegt nicht allzu weit von Saintes entfernt).

Zwischendrin stehen alte Klosteranlagen, die die Geschichte der Region wesentlich mitbestimmt haben, wie die Augustiner-Abtei Sablonceaux:

La Chapelle-des-Pots war, wie der Name schon andeutet, ein Zentrum für Tonwaren (poterie = Töpferei).

Und in Saujon wird’s bunt. Bzw. rosa.

Größter Fluß der Gegend ist die Charente; hier bei Taillebourg:

Und es gibt viele romanische Dorflkirchen, aber damit habe ich Euch ja schon eingedeckt… Na ok, wenn Ihr unbedingt wollt: Hier ist noch eine im sehr typischen Baustil (Nieul-lès-Saintes):

Royan: Notre-Dame

Nach der vollständigen Zerstörung im Krieg war auch ein neuer Kichenbau notwendig. Verwirklicht wurde 1955-58 der (schließlich leicht verkleinerte) Entwurf des Architekten Guillaume Gillet, dessen Grab sich auch in der Kirche befindet.

Notre-Dame hebt sich bewußt vom Rest der neuen Stadt ab: Ein schroffer, hoch und spitz aufragender, unverputzter Sichtbetonbau auf elliptischem Grundriß.

Das wird nicht jedem gefallen (damals wie heute nicht), aber ich finde diesen Bau großartig. In Frankreich gibt es nur wenig Vergleichbares; die Kathedrale von Le Havre mit ihrer einzigartigen Akustik fällt mir da nur ein).

Besonders der Innenraum, in dem etwa 2.000 Personen Platz finden, ist sehr beeindruckend. Beachtenswert sind auch die Glasfenster und der Orgelprospekt.

Royan

Und dann ist da ja noch Royan, die Stadt, in der ich seit drei Tagen bin und die schon seit 2004 auf meiner persönlichen Liste der schönsten Orte Frankrechs auftaucht.

Royan ist eine Küstenstadt mit nur 17.000 Einwohnern, die aber deutlich größer wirkt (zum Stadtgebiet zählen noch mehrere eigenständige Gemeinden, mit denen Royan zusammengewachsen ist).

Von September 1944 bis April 1945  versank die Stadt unter britischen Luftangriffen im Zuge der Befreiung Frankreichs fast vollständig in Schutt und Asche: Kaum ein Gebäude in der Innenstadt überstand die Bombardements. Die Hafenstadt war von den Deutschen besetzt und aufgrund ihrer Lage an der Gironde strategsch nicht ganz unwichtig, aber ob diese vollständige Zerstörung sinnvoll war? Aber naja, was war schon sinnvoll in diesen Jahren… Nach dem Krieg wurde die Stadt dann in den zeittypischen Formen der 50er Jahre wiederaufgebaut.

Oh je, denkt man jetzt, wenn man Pforzheim, Köln oder Hannover vor Augen hat. Aber von wegen: Royan ist ein großartiges Beispiel für modernen Städtebau und Nachkriegsarchitektur.

Die großzügige und weitläufige Neuanlage brachte breite Straßen (die moderne Stadt mußte damals ja autogerecht sein), aber auch viel Grün und autofreie Bereiche für Fußgänger, insbesondere große Plätze mit Läden und Cafés. Die meisten Gebäude sind zwei- bis vierstöckig, selten höher, sie besitzen viele Balkone und Loggien; die Bürgersteige verlaufen vielfach unter langen Arkadengängen. Dadurch und weil fast ausnahmslos alle Gebäude weiß gestrichen sind, wirkt die Stadt hell und freundlich. Eine Wohlfühlstadt.

Ich glaube, ich bleibe einfach hier. 

Architektonisch herausragend sind vor allem der Häuserblock am Front de Mer, der mit seiner geschwungenen Form dem Verlauf der Bucht folgt:

…und die inzwischen schon denkmalgeschützte Markthalle.

Etwas erhöht steht die Kirche Notre-Dame. Sie bildet den Kontrast zur weißen Stadt. Ihr widme ich aber einen eigenen Beitrag.