Bautzen ist die Hauptstadt der Oberlausitz und eines der Zentren des sorbischen Siedlungsgebietes. Daher sind auch alle Straßennamen und viele andere Beschriftungen zweisprachig.

Auch der große Drache, der hier durch die Reichestraße fliegt, verweist auf die sorbische Kultur: Es ist ein Zmij, ein Hausdrachen, der jedes Jahr wächst, weil weitere Stoffstücke drangenäht werden. Am Namen Zmij sieht man die Verwandtschaft des Sorbischen mit anderen slawischen Sprachen: Żmigród zum Beispiel ist der polnische Name von Trachenberg in Mittelschlesien, wo man am Drachen auch nicht vorbeikommt.
Bautzen hat mehr als tausend Jahre Geschichte vorzuweisen, die viele Spuren hinterlassen haben. Dazu zählen, als ungewolltes Erbe aus DDR-Zeiten, auch die Strafanstalten Bautzen I und II, in denen zahlreiche politische Gefangene einsaßen, auch Schriftsteller wie Walter Kempowski. Bautzen II, das dem Ministerium für Staatssicherheit unterstand, ist heute Gedenkstätte. Der Name Bautzen ist daher nicht ganz unbelastet, aber heute bietet Bautzen vor allem eine großartig schöne Altstadt auf einem Bergrücken über der noch jungen Spree, die unbedingt sehenswert ist.

Der Fluß diente früher als Lieferant für Trinkwasser. Dafür hat man die Wasserkunst gebaut (1558), einen fast 50 Meter hohen Rundturm, der ein Schöpfwerk besaß, mit dem das Spreewasser in die Altstadt geschöpft wurde. Außerdem war der Turm Teil der Stadtbefestigung. Heute ist die Alte Wasserkunst (es gibt auch eine Neue) eines der Wahrzeichen der Stadt.

Bautzen ist ohnehin eine Stadt der Türme. Hier die des Rathauses am Hauptmarkt und dahinter des Doms St. Petri.

Eine berühmte lokale Spezialität gibt’s auch, und die bringt man hier gleich eimerweise an die Kunden.

Ansonsten gibt es einige schöne Altstadtgassen mit Läden, Cafés und Restaurants, zum Beispiel den Karasek, der nicht nach dem Literaturkritiker (bekannt aus dem Spiegel und dem Literarischen Quartett) benannt ist, sondern nach einem Räuberhauptmann, der nach seiner Ergreifung drei Jahre in einem Verlies in der Bautzener Burg einsaß.

Den Reisehasen zieht es aber nicht zum Karasek, sondern ins Wjelbik. In diesem sorbischen Restaurant war ich vor ein paar Jahren schon, und jetzt wollte ich unbedingt wieder dorthin.


Es gibt sorbische Spezialitäten, und man kann in einem schönen historischen Kellergewölbe sitzen, je nach Platz sogar mit Blick auf das große, fast vier Meter breite Sagenfenster, ein Buntglasfenster mit bekannten sorbischen Sagenmotiven: Wassermann, Schlangenkönig, Mittagsfrau.

Zu diesem Fenster liegen ausführliche Erläuterungen aus, und ich könnte mir das stundenlang anschauen. Aber wir sind ja zum Abendessen hier, und das ist wie in meiner Erinnerung vom letzten Besuch: Hervorragend! (Forelle, Safransauce, Graupenrisotto).

Der Reisehase könnte daher das Wjelbik empfehlen, aber eine bloße Empfehlung reicht eigentlich nicht. Daher erteilt er stattdessen einen Besuchsbefehl. Fahrt hierher und genießt!

Lieblingsplatz! 🥰