Hultschiner Ländchen

Die Gegend um Hultschin, eine tschechische Kleinstadt zwischen Troppau und Ostrau, ist ein hübsches Hügelland, das von der Oppa durchflossen wird. Die Landschaft wurde vor hundert Jahren Hultschiner Ländchen genannt, was genau so idyllisch und beschaulich klingt, wie es hier damals wohl war und eigentlich heute noch mindestens stellenweise ist.

Als preußische Grenzregion zum österreichischen Schlesien war die Gegend um Hultschin lange Zeit sehr abgelegen, ein Bauernland weit weg von der „großen“ Politik. Das änderte sich mit dem Versailler Vertrag: Das Hultschiner Ländchen wurde von Preußen abgetrennt und ohne Volksabstimmung der noch jungen Tschechoslowakei zugeordnet.

Plötzlich war der abgelegene Landstrich, den vorher im fernen Berlin vermutlich kaum jemand kannte, ein Politikum. Dabei brauchte man schon Landkarten mit recht großem Maßstab, um das 283 qkm kleine Gebiet (jahaaa, das Saarland ist fast zehnmal größer!) mit seinen 38 Gemeinden und etwa 50.000 Einwohnern überhaupt zu entdecken. 1938 wurde das Hultschiner Ländchen wieder deutsch, in einer nun definitiv nicht mehr idyllischen Zeit. Einen Weltkrieg später kam das Ländchen zur Tschechoslowakei zurück, und tschechisch ist es bis heute.

Weil das dicht besiedelte Industriegebiet um Ostrau mit seinen Kohlegruben und Stahlwerken nicht weit entfernt ist, kommt Hultschin (die Stadt) heute auf immerhin 13.000 Einwohner. Das Ländchen drumherum ist trotzdem Ländchen geblieben, ein sehr hübscher Landstrich mit vielen Wiesen zu beiden Seiten der Oppa und bewaldeten Bergen als südlicher Begrenzung, die schon zum Niederen Gesenke gehören, einem Gebirge, das wir später nochmal sehen werden.

Eine der Kleinstädte der Gegend, halb so groß wie Hultschin, ist Kravaře ve Slezsku / Deutsch Krawarn, das vor kurzem seine 800-Jahr-Feier hatte. 1224 taucht der Ort erstmals in Urkunden auf. Der eigenwillig geformte Pfeil, der hier als Denkmal im Schoßpark steht, stammt aus dem Stadtwappen.

Wo es einen Schloßpark gibt, gibt es (bzw. gab es) meistens auch ein Schloß. Das in Deutsch Krawarn steht noch in voller Pracht, ein großes Barockschloß und eine der Hauptsehenswürdigkeiten der Region.

Auch die Stadt ist durchaus einen Besuch wert, zum Beispiel die Pfarrkirche.

Auf dem Friedhof um die Kirche kann man auf den Grabsteinen noch deutsche Namen lesen, Emil Hahn zum Beispiel, und Namen, bei denen es deutsch-tschechisch gemischt zugeht: „Franz Hadamczik, Mühlenbesitzer“.

Der Tschechoslowakei war nach 1920 klar, daß das Deutsche Reich den Anspruch aufs Hultschiner Ländchen nicht aufgeben würde, egal wie klein und unwichtig der Landstrich auch war. Daher wurden in den 30er Jahren, als Nazi-Deutschland immer mehr zur Bedrohung wurde, an der Grenze Bunker und Befestigungsanlagen in die Felder hineinbetoniert. Der Tschechoslowakische Wall war aber nie in der Lage, das Land vor einer deutschen Invasion zu schützen. Die noch existierenden Anlagen können heute besichtigt werden, als Freilichtmuseum in den Feldern bei Darkovičky / Klein Darkowitz ein paar Kilometer nördlich von Hultschin.

Neben Bunkern stehen noch Panzersperren.

Die Stadt Hultschin (Hlučín) liegt in den Wiesen an der Oppa und hat einen größeren, teilweise etwas kahl wirkenden, aber trotzdem ansehnlichen Hauptplatz im Zentrum, der Mírové náměstí heißt. Hier steht das Rathaus.

Ein paar Schritte weiter steht die Stadtkirche, die Johannes dem Täufer geweiht ist.

Direkt daneben: Das Renaissanceschloß Hultschin. Es stammt aus dem 16. Jahrhundert. Da war die Stadt noch nicht preußisch, sondern gehörte zu Mähren, also den Habsburgern. Heute ist hier das Museum des Hultschiner Ländchens.

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