Von Rottweil geht’s ostwärts und damit nach dem Reise-Auftakt im Neckartal nun wirklich auf die Alb. Oberhalb von Spaichingen liegt der fast 1000 Meter hohe Dreifaltigkeitsberg.

985 Meter sind es offiziell. Der Berg gehört zum Albtrauf, also zur steilen Kante, die die Albhochfläche in Richtung Nordwesten bildet. Auf dem Gipfelplateau, das nur von Norden her (einfach) zugänglich ist, steht eine Wallfahrtskirche, und es ist auch ein Skulpturenpfad angelegt. Das Werk links im Startbild heißt “Ohne Titel”. Ich finde, es sieht ein bißchen aus wie das, was beim Bleigießen an Silvester rauskommt und wo einem dann auch keine sinnvolle Bezeichnung einfällt.
Der Reisehase nimmt an einem anderen Kunstwerk Platz. Das Bild ist nicht schief; der Typ steht so auf der Erdkugel.

Schön ist die weite Aussicht vom Gipfel des Dreifaltigkeitsberges. In Richtung Westen sieht man im Vordergrund Spaichingen, rechts Aldingen und im Hintergrund links Trossingen. Dahinter liegen die Höhen des Schwarzwaldes.

Man kann auch bis Rottweil sehen. Die Stadt liegt zwar in einer Senke hinter einem bewaldeten Bergrücken, läßt sich aber dank des Elevator-Testturms sehr gut ausfindig machen. Die zahllosen Windräder im Hintergrund muß ich dann im Nachgang mit Photoshop wegstempeln, falls ich das Bild ins Reisehasen-Album aufnehme.

In Richtung Süden/Südwesten sieht man die Baar-Hochfläche und den Hegau, und weiter nach Südosten auch die Alpen (aber nicht mehr hier im Bild). Dafür kann man am Horizont noch den Feldberg sehen, auf dem noch Schnee liegt:

Das oben schon erwähnte Trossingen ist noch einen genaueren Blick wert. Längere Zeit nur ein kleineres Dorf, kam der Aufschwung im 19. Jahrhundert mit der Herstellung von Musikinstrumenten. Die Stadtrechte gab es 1927, das Rathaus ein paar Jahre früher (1904), als die Trossinger Bürgerschaft schon das entsprechende Selbstbewußtsein (und das nötige Geld) für einen repräsentativen Bau im Stil der Zeit hatte.

Das Trossinger Musikinstrument war die Mundharmonika. Bekannt war vor allem ein Unternehmen, dessen Geschichte 1857 begann, als ein gewisser Matthias Hohner sein erstes Instrument baute. Die Hohner AG war Weltmarktführer, produzierte neben Mundharmonikas auch Akkordeons und erfand 1957 die Melodica, die ich als Kind auch hatte und die leicht zu spielen war, aber einen nicht ganz so schönen Klang hatte. Mit Klarinetten oder Oboen konnte die Melodica dann doch nicht mithalten. Aber sie taucht überraschend häufig in der Pop/Rock-Musik auf. Beispiele: Supertramp (It’s raining again), Oasis (Champagne Supernova) oder Depeche Mode (Everything Counts). Hohner als Unternehmen existiert noch, beschäftigt aber im Vergleich zu den Glanzzeiten des Instrumentenbaus nur noch einen Bruchteil der Mitarbeiter. Das große Hohner-Areal nahe dem Stadtzentrum wird heute anderweitig genutzt und bietet Wohnungen und Büroflächen sowie das etwas versteckt in einem Innenhof gelegene Harmonika-Museum.
