Lublinitz und Umgebung

Nun sagt der Reisehase: Guttentag!

So heißt nämlich der nächste Halt auf der heutigen Etappe, ein kleineres Städtchen irgendwo auf dem Land zwischen Oppeln und Tschenstochau. Der Ort hieß ganz früher mal Dobrosin, was ungefähr “guter Boden” bedeutet. Daraus wurde später Dobrodzien, und das heißt ungefähr “guten Tag”. Und genau so hat man im 17. Jahrhundert den Ortsnamen eingedeutscht. Seit 2009 heißt Dobrodzień sogar wieder ganz offiziell Guttentag, denn es ist eine der zweisprachigen Gemeinden in Schlesien: Polnisch und Deutsch sind offizielle Amtssprachen. Etwa ein Viertel der Einwohner von Guttentag hat Deutsch als Muttersprache. Guttentag ist ein kleineres Städtchen mit großem Hauptplatz, das vor dem Krieg eine zeitlang Kreisstadt war. Heute herrscht hier die gemütliche Ruhe eines Städtchens auf dem Land, und ich glaube nicht, daß das nur am Samstagnachmittag liegt.

Etwas größer und lebhafter ist Lublinitz (Lubliniec), das schon nach dem Ersten Weltkrieg zu Polen kam, mit Teilen Oberschlesiens, nach einer Volksabstimmung und zwei Jahren Bürgerkrieg. In der Stadt wohnte die Familie von Edith Stein, der von den Nazis ermordeten und 1998 heiliggesprochenen Ordensfrau. In Lublinitz gibt es zu ihren Ehren ein kleines Museum.

In der Nähe steht inmitten der weitläufigen Waldgebiete südlich von Lublinitz das große Schloß Brynnek. Hier residierte Hugo Graf Henckel von Donnersmarck, dem die Laurahütte bei Beuthen, das erste Walzstahlwerk in Deutschland, das seinen Besitzer zu einem der reichsten Männer seiner Zeit (um 1850) machte. Das mußte man dem Wohnsitz natürlich ansehen. Das ohnehin schon ansehnliche Schloß von 1828 wurde also 1872 nochmal ausgebaut.

Das Schloß hat den Krieg überstanden; in Schlesien eher die Ausnahme als die Regel. Hier ist heute ein Technikum mit Internat.

Von Bryneck südwärts nähern wir uns langsam dem Industrierevier, das ja wie gerade gesehen auch bis hierher ausstrahlt. Schon an seinem Rand, in der offenen Ebene nördlich von Gleiwitz, liegt Peiskretscham.

Der Orts hat sich durch den polnischen Namen klanglich verbessert, weil Pyskowice irgendwie eleganter klingt als Peiskretscham. Kretscham nannte man hier in der Gegend die Gasthöfe, und so einer war wohl Keimzelle des Ortes. Dessen Mittelpunkt ist der Ring mit dem Rathaus und der Mariensäule, ein schön gepflegter Platz mit restaurierten Häusern rundherum. Für die übrigen teils noch kopfsteingepflasterten Altstadtgassen, die kreisförmig um den Ring verlaufen, gilt das Adjektiv “restauriert” allerdings überwiegend noch nicht; da ist noch viel zu tun.

Heute hat die Stadt etwa 17.000 Einwohner. Die sind aber wohl alle woanders, wohnen vielleicht in den Wohngebieten außerhalb (südlich liegt die Bahnhofsvorstadt) oder sind zumindest nicht im alten Ortskern unterwegs, denn hier herrscht wie in Guttentag die Stille eines Wochenend-Nachmittags.

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