Eberswalde

Eberswalde war schon mal größer: Zur Wendezeit hatte die Stadt, die damals noch Eberswalde-Finow hieß, mehr als 55.000 Einwohner. Heute sind es noch etwa 40.000. Und wie in einigen anderen Städten im Osten, Lauchhammer oder Dessau oder auch (im demnächst auf dem Reiseprogramm stehenden) Schwedt/Oder zum Beispiel, ist vieles auf deutlich höhere Einwohnerzahlen ausgerichtet und daher merklich überdimensioniert, wie die Zufahrtsstraßen. Was die Stadt groß gemacht hat, kann man schon von weitem sehen.

Es gibt auch einen kleinen alten Stadtkern. Der Marktplatz hat aber nur noch einige wenige historische Gebäude, während der größte Teil im Krieg zerstört wurde.

Das älteste Gebäude ist die 1623 errichtete ehemalige Adler-Apotheke, heute das Stadtmuseum. Hier ist auch der Eberswalder Goldschatz ausgestellt, der größte bronzezeitliche Fund in Mitteleuropa. Allerdings kann man heute nur noch Nachbildungen sehen: Der 1913 gefundene Originalschatz (aus 73 Goldgegenständen) galt ab 1945 als verschwunden und tauchte erst 1994 wieder auf: In Moskau. Dort liegt er noch heute, weil es die Russen mit der Rückgabe sogenannter Beutekunst offenbar nicht so haben wie die Deutschen, die ja gerade erst die Benin-Bronzen nach Nigeria schickten, wo sie auf Nimmerwiedersehen in privaten Gemächern lokaler Herrscher verschwunden sind. Aktuell dürfte es aber wenig erfolgversprechend sein, bei Putin wegen einer Rückgabe anzufragen.

Eberswalde liegt am Finowkanal, um den sich schon im 18. Jahrhundert Industriebetriebe ansiedelten und das Gebiet zu einem Zentrum der Schwerindustrie machten, mit zahlreichen Fabriken der Metallverarbeitung. Größere Teile davon wurden nach der Wende abgewickelt, aber längst nicht alles: Der Kranbau zum Beispiel existiert noch. Als Symbol des Werkes steht noch der große Montageeber aus dem Einstiegsbild. Er diente zur Montage der Kranelemente.

Auch das Messingwerk Finow gehörte zu den Industrieanlagen am Finowkanal. Es bestand von 1698 bis 1945, wurde dann durch das in der Nähe errichtete und erst 2012 stillgelegte Walzwerk Finow abgelöst. Von den Anlagen des Messingwerks haben sich noch einige Gebäude erhalten, zum Beispiel der Wasserturm von 1917/18, der heute als Aussichtsturm und Ausstellungsraum dient.

Drumherum liegt eine Werkssiedlung mit einigen sehenswerten Gebäuden, unter anderem den Kupferhäusern von 1931 (kupferverkleidete Wohnhäuser, an deren Entwurf auch Walter Gropius beteiligt war), und mehreren Fachwerkgebäuden.

Die Teufelsbrücke über den Finowkanal wurde aus Berlin hierher versetzt und steht nun etwas sinnlos in der Gegend herum, denn benutzen kann man sie heute nicht mehr: Der Bodenbelag fehlt.

Der Finowkanal wurde schon im frühen 17. Jahrhundert angelegt und unter Friedrich dem Großen um etwa 1750 ausgebaut. Er verbindet in etwa die Havel mit der Oder bzw. verläuft parallel zum Havel-Oder-Kanal (das Kanalnetz in der Gegend ist etwas komplizierter aufgebaut) und ist heute der älteste noch benutzte Kanal Deutschlands. Bild 1 bei Finow, Bild 2 in Eberswalde-Zentrum.

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