Frankfurt (3)

Trotz Römerberg, Hauptwache und Paulskirche: Um moderne Architektur kommt man in Frankfurt nicht herum. Sie ist ja auch nicht zu übersehen.

Der Eurotower zum Beispiel, 148 Meter hoch, war bis 2014 der Sitz der Europäischen Zentralbank, die dann in den noch höheren und noch teureren Neubau im Frankfurter Osten umzog. Die markante und bekannte Euro-Skulptur blieb aber hier am Eurotower. Sie stammt von Ottmar Hörl, dem Künstler, der die uneingeschränkte Sympathie des Reisehasen hat, weil er 2003 nicht weniger als 7.000 grün bemalte Hasen in Nürnberg aufstellte (“das große Hasenstück”).

Weitere Skulpturen stehen im Umfeld, zum Beispiel der “Olymp von Weimar” von Andreu Alfaro in der Gallusanlage, einem Teil der Frankfurter Wallanlagen.

Zwischen Eurotower und Hauptbahnhof verläuft die Kaiserstraße, eine der bekanntesten Straßen der Stadt. “Frankfurt Kaiserstraße” hieß ein Kinofilm aus den frühen 80ern über das Frankfurter Bahnhofsviertel – eine Art Frankfurter Antwort auf die “Kinder vom Bahnhof Zoo”. Die Kaiserstraße war damals Rotlichtviertel und ziemlich verrufen. Heute ist das “Milieu” etwas nordwärts gewandert, zum Beispiel in die parallel verlaufende und sich tatsächlich selbst am Sonntagmorgen etwas dubios anfühlende Taunusstraße (Photos verkneife ich mir – schön ist das jedenfalls nicht). Die Kaiserstraße allerdings ist zahmer geworden und besitzt heute vor allem internationale Gastronomie und die üblichen Läden.

Wo sich die Kaiserstraße zum Kaiserplatz ausweitet, steht ein Hochhausbau der klassischen Moderne, der heute von anderen Hochhäusern (hier: vom Eurotower) fast erdrückt wird und daher nicht so auffällt: Das Junior-Haus am Kaiserplatz von 1951 ist aber ein architektonisch markanter Bau der frühen Nachkriegszeit, heute denkmalgeschützt und – wieder mal – ein schönes Beispiel für gelungene 50er-Jahre-Architektur.

Die zeitgenössische Architektur trifft bei mir nicht immer den Nerv. Hier geht es einigermaßen: Noch fast brandneu, von 2016, ist ein Gebäudekomplex namens “Die Welle” mit einer öffentlich zugänglichen Promenade.

In der Stadt steht jedoch auch vieles Belangloses. Wobei hier auch die doofen E-Roller stören, die aber ohnehin überall in der Stadt von den Honks, die mit ihnen herumeiern (gerne zu zweit oder dritt auf einem), nach der Nutzung einfach in die Gegend geworfen werden.

Hier am Roßmarkt, umgeben von weiteren achtlos weggeworfenen E-Rollern, steht das Gutenberg-Denkmal und erinnert daran, daß Gutenberg einige Jahre in Frankfurt lebte und mit hiesigen Druckern und Verlegern zusammenarbeitete. Frankfurt ist ja dank Goethe, Buchmesse, Nationalbibliothek, Verlagen, Frankfurter Schule und Neuer Frankfurter Schule auch ein intellektueller Schwerpunkt. Muß man sich angesichts der E-Roller ja immer mal ins Gedächtnis rufen.

Und natürlich ist Frankfurt der wichtigste Finanzplatz, nicht nur wegen der EZB. Vor der Frankfurter Börse findet man die drei berühmten Tiere: Bulle, Bär – und Hase! 🙂

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