Jičín

Jičín, dessen deutscher Name Gitschin lautet, war im 17. Jahrhundert kurzzeitig Residenz eines unabhängigen Territoriums namens Herzogtum Friedland, benannt nach einer Kleinstadt zwischen Zittau und Reichenberg (Liberec), heute direkt im deutsch-tschechisch-polnischen Dreiländereck gelegen. Dazu aber in ein paar Tagen mehr. Das Herzogtum hatte hier im nördlichen Böhmen Albrecht von Waldstein, genannt Wallenstein, aus der Taufe gehoben. Es existierte aber nur einige Jahre, im wesentlichen von 1621 bis zur Ermordung Wallensteins im Jahr 1634.

In diesen Jahren arbeitete Walleinstein daran, sein Herzogtum zu einem Musterland zu machen und die Residenz Gitschin zu einer Musterstadt, die dafür planmäßig ausgebaut wurde. Wallenstein ließ gerade verlaufende Straßenzüge anlegen, überwachte den Baufortschritt akribisch und mischte sich selbst in Details wie Brandschutzbestimmungen ein. So entstand eine Planstadt des 17. Jahrhunderts, mit dem großen zentralen Platz, der heute Wallensteinplatz heißt.

Hier steht auch das Wallenstein’sche Schloß, dessen Außenbau auch auf die Zeit um 1630 zurückgeht, als der Barockstil noch in seinen Anfängen steckte, alles noch etwas schlichter war und man noch weitgehend ohne Putten und andere dickliche Engelchen auskam.

Der Turm im Hintergrund ist das Valdice-Tor, das einzig erhaltene von drei Stadttoren. Auf den Turm kann man hinaufsteigen und hat dann vermutlich einen sehr schönen Blick über die planmäßig angelegten Straßenzüge des Zentrums. Vermutlich muß ich schreiben, weil der Turm nur bis 16 Uhr geöffnet ist und ich erst kurz nach 16 Uhr dort war. Zwischen dem Turm und dem Schloß sieht man die Kirche St. Jakobus, die etwas eigentümlich aussieht: Der Turm fehlt. Der Kirchenbau wurde nach Wallensteins Tod abgebrochen, und die Kirche blieb unvollendet.

Später wuchsen angrenzend an diese Planstadt noch weitere Stadtviertel, vor allem ab dem 19. Jahrhundert. Einige Straßen dort werden noch von Drachen bewacht.

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