Schlackenwerth (Ostrov)

Ostrov ist eine Stadt von etwa 16.500 Einwohnern, die aus zwei sehr unterschiedlichen Teilen besteht, die zwar sehr dicht beieinanderliegen, aber nur wenig gemeinsam haben. Zum einen ist da der alte Ortskern von Schlackenwerth. Der besteht im wesentlichen aus einer Hauptstraße mit Kirche, Mariensäule und durchgehender Bebauung.

Am südlichen Ende steht das Schloß mit großem Park, der ehemalige Sitz der Grafen Schlick, die mit dem Silberbergbau im Erzgebirge zu Reichtum gekommen waren.

Am Portal, durch das man in den Schloßpark kommt, ist ein Wappen angebracht, das durchaus monumental ist. Eine Hälfte geviertelt, eine Hälfte mit neun Teilen, und viel Helmzier rundherum: Da waren aber einige Vorfahren unterzubringen.

Der historische Ortskern ist aber nur der kleinere Teil der Stadt; auf allzu viele Einwohner käme das Städtchen damit nicht. Da ist aber noch die Neustadt, eine sozialistische Planstadt aus den frühen 50er Jahren, mit geraden Straßen und vielen Wohnblöcken.

Diese Neustadt erinnert mich an das fast zeitgleich entstandene und stilistisch eng verwandte Eisenhüttenstadt. Gedacht war die Ostrover Neustadt aber nicht für Hüttenarbeiter, sondern für die Bergleute, die in den Urangruben von Jachymóv schuften mußten; ein Job, der ziemlich sicher genauso fies war wie es sich anhört. Der Bergbau wurde aber schon 1958 eingestellt, und Ostrov erhielt als Ausgleich ein Škoda-Werk, in dem Busse gebaut wurden. Inzwischen ist auch dieses Werk geschlossen.

Der Baustil wird immer als “Zuckerbäckerstil” beschrieben, und ich glaube, ich habe bei Eisenhüttenstadt schon geschrieben, daß ich das nicht korrekt finde, weil es unnötig abwertend klingt. Die Gebäude wirken dank der Fassadengestaltung abwechslungsreich und lange nicht so öde wie die typischen Plattenbausiedlungen späterer Jahre.

Am großen, fast quadratischen Hauptplatz steht das Kulturhaus, das eine komplette Seite des Platzes einnimmt.

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