Limburg (Lahn)

Letzter Halt vor der Rückfahrt ist Limburg an der Lahn, mit seinem wunderbaren Dom, der auf einem Felsen über dem Lahntal steht und bei diesem Licht an einem sonnigen Februarnachmittag so herrlich leuchtet, daß man glatt vergessen könnte, daß es in Europa Krieg gibt. Stop Putin, stop war!

Dem Dom gegenüber steht die berühmt-berüchtigte Bischofsresidenz, die sich der Ex-Bischof Franz Tebartz-van Elst hierhin betonieren ließ. Ein eher grauer und sehr abweisender Bau. Aber es kommt ja auf die inneren Werte an, und so eine goldene Badewanne ist ja schließlich nicht zu verachten.

Die Kosten für den Bau, anfangs mal bei 2 Millionen Euro gedeckelt, schraubten sich während der Bauzeit in schwindelnde Höhen, bis sie irgendwann über die Marke von 30 Millionen Euro hüpften, davon alleine etwa 20 Millionen für den Neubau, inklusive einer Bischofswohnung, die auf Wunsch des Bischofs für mehrere Millionen Euro nachträglich in den Fels gefräst werden mußte. Die skandalträchtige freistehende Badewanne, die irgendwann zum Symbol dieser ganzen Maßlosigkeit wurde, fällt dabei gar nicht mehr ins Gewicht, egal, was sie nun gekostet hat. Die Preisangaben variieren hier nämlich zwischen bloß 3.800 Euro oder ebenfalls noch läppischen 15.000 Euro. Sicher ist nur: Aus Gold ist sie nicht. Angesichts der Gesamtkosten wäre es aber darauf dann auch nicht mehr angekommen.

Der Bischof wurde nach Bekanntwerden des Skandals seines Amtes enthoben und auf einer unauffälligen Stelle im Vatikan endgelagert, wo er seitdem keinen Schaden mehr angerichtet hat, jedenfalls keinen öffentlich bekannt gewordenen. Die Bischofswohnung ist nun Teil des Diözesanmuseums und kann besichtigt werden, wobei allerdings die Badewanne nicht Teil der Ausstellung ist.

Der Stadt Limburg hat der Herr Bischof mit alldem jedenfalls keinen Gefallen getan, sondern einen kräftiges Imageproblem verpaßt, denn bei Limburg denkt noch heute jeder an Prunk und Protz. Und das alles, ohne daß ein architektonisches Highlight entstanden wäre. Stattdessen steht da nun ein dunkelgrauer Betonklotz, der sich hinter hohen Mauern versteckt. Die Stadt und ihre Einwohner, die für all das ja überhaupt nichts können, finden das vermutlich eher so:

Also dreht man der Bischofsresidenz am besten den Rücken zu. Dann kann man nämlich den romanischen Dom in all seiner Pracht bewundern, der einem eigentlich als erstes einfallen sollte, wenn man den Namen Limburg hört.

Auch die Innenstadt ist sehr hübsch, jedenfalls wenn man Fachwerk mag, denn die historische Altstadt hat den Zweiten Weltkrieg und die Innenstadterneuerungen der Nachkriegsjahre nahezu unversehrt überstanden. Sie war allerdings lange Zeit ziemlich heruntergekommen, war vom Abriß bedroht, wurde dann aber ab 1972 saniert und ist heute ein echtes Schmuckstück.

Wie auch die alte Lahnbrücke, die noch aus dem 14. Jahrhundert stammt und über die damals die Via Publica (Brüssel-Prag) führte, eine der wichtigsten mitteleuropäischen Straßenverbindungen. Eine vielgenutzte Handelsroute zwischen Flandern und Böhmen, auf der sich Limburg dementsprechend zum wichtigen Haltepunkt entwickelte.

Braucht keine freistehende Badewanne zum Glücklichsein: Reisehase.

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