Die Stilfser-Joch-Straße endet in Prad, und damit ist man schon mitten im Vinschgau angekommen, dem westlichen Teil Südtirols. Der italienische Name ist Val Venosta. Aus der strengen Hochgebirgsregion am Stilfser Joch kommt man in die fruchtbare und warme Ebene des oberen Etsch-Tales.
2757 Meter über dem Meer – so hoch kommt man mit dem Auto in den Alpen nur an wenigen Stellen, jedenfalls auf asphaltierten Straßen. Noch höher hinauf geht’s nur am Col de l’Iséran, der mit 2770m knapp die Nase vorn hat. Die Cime de la Bonette (2802m), die ich auch schon gefahren bin, ist zwar nochmals höher, aber gemogelt, weil es eine Ringstraße ist, die von der eigentlichen Paßhöhe (2715m) abzweigt, aber für die Überquerung des Passes unnötig ist. Alles andere in diesen Höhen sind irgendwelche Schotterpisten, die ich meiner Octavia nicht zumuten würde.
Bormio ist zwar eine Sportstadt, aber keine echte Wanderregion. Es gibt ein paar Wanderwege, aber mit Markierungen und Wegweisern ist man hier sehr sparsam. Bormio spezialisiert sich offenkundig eher auf Wintersport und im Sommer aufs Radfahren und Mountainbiking.
Bormio liegt im nördlichen Veltlin und ist heute insbesondere als Wintersport-Ort bekannt; hier fanden bereits zweimal die Alpinen Ski-Weltmeisterschaften statt (1985 und 2005); die Abfahrtsläufe der Männer auf der Pista Stelvio zählen zum festen Kalender im Ski-Weltcup, und demnächst sollen hier auch Wettbewerbe der Olympischen Winterspiele 2026 stattfinden, für die ja Mailand den Zuschlag erhalten hat.
Wem Tirano noch nicht italienisch genug ist, der fahre nach Sondrio, der 21.000 Einwohner starken Provinzhauptstadt am Zusammenfluß von Adda und Mallero. Hier gibt’s Straßencafés, eine große Piazza und was man sich sonst noch unter italienischem Flair vorstellen mag. Wozu vielleicht auch eine recht hohe Zahl an nervigen Mopedfahrern zählt.
Tirano: Nicht zu verwechseln mit Tirana! Das liegt etwas weiter südlich und wäre für eine Tagesetappe mit Startort Maloja doch etwas weit. Tirano liegt im Veltlin an der Stelle, an der das Puschlav vom Tal der Adda abzweigt, und ist somit der südliche Endpunkt des Berninapasses. Kommt man aus dem Puschlav, trifft man kurz nach dem Ortseingangsschild auf die große Wallfahrtskirche Madonna di Tirano, die errichtet wurde, nachdem ein Feigenpflücker im Jahr 1504 eine Marienerscheinung hatte.
Das Puschlav, oder Valposchiavo, ist ein etwa 25km langes Gebirgstal im südlichen Graubünden, in dem man schon italienisch spricht. Es verläuft vom Berninapaß südwärts bis nach Tirano kurz hinter der italienischen Grenze und besteht aus nur zwei Gemeinden: Poschiavo und Brusio.
Und noch ein wichtiger Alpenpaß: Der Berninapaß verbindet Samedan im Engadin mit Poschiavo im Puschlav und Tirano im Veltlin. Die Paßhöhe (der Straße) liegt auf 2330 Meter.
In Sils im Domleschg war ich ja erst vor wenigen Tagen, nun folgt der Namensvetter aus dem Engadin. Sils liegt am östlichen Ende des Silsersees, dem ersten der drei Engadiner Seen (die beiden anderen sind der Silvaplanersee und der St.-Moritzersee).