Felbertal

Am Tag nach einer langen Wandertour ist was wohl der erste Punkt auf dem Tagesprogramm? Genau: Eine Wanderung.

Allerdings deutlich moderater als gestern: 9,63km in 1:56,38h. 248 Höhenmeter.

Es geht zunächst durch die Schößwendklamm und dann am alten (um 1200 von den Salzburger Fürstbischöfen erbauten) Tauernhaus Spital vorbei zum Hintersee.

Dieser liegt am Ende des Felbertals, das den Felber Tauern ihren Namen gegeben hat. Der Hintersee entstand 1495 durch einen gewaltigen Felssturz. Er liegt in einem Talkessel und ist umgeben von den Gipfeln der Hohen Tauern, die heute aber nur zwischendurch mal aus den Wolken herausschauen. Bei klarem Himmel würde man z.B. den Tauernkogel sehen können, einen 2988m hohen Gipfel der Venedigergruppe. Hier links oben nicht im Bild:

Der Wanderweg durch das Tal ist teotz der Wolken sehr schön. Er führt am Felber Bach entlang durch Wiesen und über Bäche, was hin und wieder gar nicht so einfach ist, weil die Bäche aktuell sehr viel Wasser führen. Da ist Hüpfen angesagt.

Im unteren Teil des Tals bildet der Felber Bach die Schößwendklamm.

Weitere Eindrücke aus dem Felbertal:

Von Piesendorf zur Schmittenhöhe

Tag 15: Wandertag.

Die Statistik: 21,81km in 4:25h (6:25h incl. Pausen). 1182 Höhenmeter.

Die Wanderung beginnt in Piesendorf (785m) und geht von dort aus stetig und auch recht steil nach oben bis zur Pinzgauer Hütte auf 1705m. Wenn man dort angekommen ist, kann man definitiv eine Pause vertragen (Gehzeit: 1:41h).

Die Ausblicke während des Aufstiegs lohnen die Anstrengung aber. Man blickt über Piesendorf, das Tal der Salzach und die Hohen Tauern und könnte (ohne Wolken) auch den Großglockner sehen.

Es geht aber nicht nur über spitze Kiesel (cailloux pointus), über die sich Milou auch hier ärgern könnte, sondern auch vorbei an kleinen Wasserfällen…

…und später an Resten des vergangenen Winters.

Von der Pinzgauer Hütte führt der Weg dann hinüber zur 1965m hohen Schmittenhöhe. 

Der Berg war schon früh ein Ziel für Ausflügler; hier gab es z.B. die erste Seilbahn im Land Salzburg (1927). Heute führen mehrere Seilbahnen und Sessellifte auf den Gipfel, der außerdem mit Bars und Almen auf Après-Ski-Aktivitäten ausgerichtet ist. Die Skisaison ist natürlich jetzt vorbei, aber da die Seilbahn von Zell am See in Betrieb ist, ist hier oben trotzdem viel los.

Der Aufstieg hat sich aber gelohnt: Der Blick geht einmal rund, auch hinunter nach Zell am See.

Blickrichtung Saalfelden am Steinernen Meer:

Blickrichtung Hohe Tauern:

Zurück geht’s zunächst auf einem Fahrweg und dann auf schmalen und steilen, aber schönen Pfaden durch die Wälder, die so unterschiedlich wirken können.

Beim Abstieg liegt dann wieder das Salzach-Tal im Blick, mit Bruck (am nördlichen Ende der Großglockner-Straße) (im Bild hinten links) sowie in der Bildmitte Kaprun. Der Name ist bekannt, wenn auch leider aus traurigem Anlaß: 2000 kamen im Tunnel der Gletscherbahn zum Kitzsteinhorn bei einem Brand 155 Menschen ums Leben…

Blick in die andere Richtung (nach Westen) ins Tal der Salzach.

Zwischendurch ist dann aber doch mal eine Rast nötig. Und wenn es schon so einladend wirkt…

Über Wengerberg führt der Weg dann zurück nach Piesendorf. 20 Minuten nach der Ankunft im Gasthof kommt der große Regen; die Wolken waren gegen Ende schon bedrohlich geworden. Alles richtig gemacht also. ?

Kufstein

Und jetzt alle: “Kennst Du die Perle / die Perle Tirols / das Städtchen Kufstein…”

Das Kufsteinlied gehört wohl zu den bekanntesten Volksliedern und ist so etwas wie eine heimliche Hymne Tirols geworden. 1947 von Karl Ganzer (aus Brixlegg im Inntal) komponiert, war es 1968 in einer Aufnahme von Franzl Lang (einem Münchener) ein Riesenerfolg und verkaufte sich (in zahlreichen Aufnahmen unterschiedlicher Interpreten) mehr als hundert Millionen mal. Hui. 

Hollädiri diri diri…

Ok, das ist natürlich keine Musik, die man in unserer Generation hört, aber es ist zumindest noch ein echtes Volkslied und aus einer Zeit, bevor das Volkslied mit dem Schlager zwangsfusioniert wurde und von Rex Gildo, Tony Marschall, Hansi Hinterseer sowie diversen Dirndl-Mutanten in den Abgrund der Unerträglichkeit gerissen wurde.

Äh, wo war ich? Ach ja, Kufstein. 

Die Stadt, deutlich kleiner als ich es erwartet hätte, liegt am Inn unterhalb der Festung. Mit seiner Grenzlage zwischen Bayern und dem seit 1363 habsburgischen Tirol war Kufstein stets ein Zankapfel zwischen beiden Nachbarn und häufig heftig umkämpft. Die Bayern bauten im 15. Jh. die Festung aus, aber 1506 verloren die Bayern Kufstein nach einer Belagerung endgültig an Tirol; Burgkommandant Hans von Pienzenau, der den Habsburger Maximilian durch sein Überlaufen zu den Bayern verärgert hatte, verlor seinen Kopf (ebenfalls endgültig).

Ob Kufstein nun wirklich die Perle Tirols ist? Das würde ich eher bezweifeln; es gab deutlich schönere Städte (Hall, Rattenberg). Aber die Lage im Inntal ist schön, und die Altstadt hat ein paar hübsche Ecken. Zentraler Ort ist der langgestreckte Stadtplatz mit dem Rathaus und dem Marienbrunnen. 

Direkt unterhalb erinnert die kleine Gasse Auracher Löchl mit ihren Weinhäusern etwas fatal an Rüdesheims Drosselgasse im Rheingau.

Kaisergebirge

Das Kaisergebirge ist ein ziemlich einzeln stehender Gebirgsstock nordwestlich von Kitzbühel. Es gliedert sich in den etwas bekannteren Wilden Kaiser und den, na klar, Zahmen Kaiser, dessen Gipfel nicht ganz so hoch sind.

Ich lasse das Kaisergebirge mal von Matthias Burgklehners beschreiben, wie er in der Wikipedia zitiert wird: „Es ist in der Herrschaft Khueffstein der Kayser, ein sehr hoches Gepürg, so einer kaiserlichen Cron gleich ist, seiner vilfeltigen Zinggen halber, dann auch, dass er in der Heche vil Meils Wegs weit, als ob er rund und gekrönt ware, gesehen wird.“ (1611)

Hach, die deutsche Sprache kann so schön sein.

In Going (ja, das heißt wirklich so) habe ich dann gemerkt, daß ich mich schlecht auf diese Etappe vorbereitet habe. Hier wird nämlich, wie ich erfahren habe, die Fernsehserie “Der Bergdoktor” gedreht, die mir bis heute nicht bekannt war. Anderen aber wohl schon; zumindest lockt die Serie Besucher nach Going, die sich dann begeistert zeigen, daß es hier “wirklich so aussieht”.

Es gibt sogar einen Info-Pavillon mit einem Aufsteller von jemand, die offenbar Teil der Serie, aber ebenso offenbar nicht der Bergdoktor selbst ist.

Unabhängig davon liegt Going sehr schön im Tiroler Unterland am Fuß des Wilden Kaisers und bietet ein tolles Panorama des Gebirgszuges.

Kitzbühel

Da hatte ich mir auf dem Weg nach Kitzbühel schon einen schönen Läster-Artikel vorformuliert, über Protz, Pomp und Pseudo-Glamour, und dann entpuppt sich die Altstadt des Städtchens mit den farbenfrohen Fassaden als ausgesprochen hübsch und überraschend ruhig und dezent.

Natürlich ist die Dichte an Porsches und absurd überdimensionierten Mercedes- und Audi-SUVs hier noch deutlich höher als im firmenwagen-verwöhnten Walldorf. Und an der einen oder anderen Stelle versucht der Ort auch explizit, sehr mondän zu sein. Aber vermutlich zeigt sich die ganze Bussi-Bussi-Gesellschaft wirklich nur im Januar zum Hahnenkamm-Skirennen, und anschließend zieht die Bagage dann weiter, nach St. Moritz oder so.

Man vergißt bei dem Terz um “Kitz” nämlich auch gerne, daß es sich um eine alte Stadt handelt, die schon 1271 das Stadtrecht erhielt, später ein wichtiger Marktort war und auch Silbererze abbaute, wie der Eingang zum Johann-Anton-Stollen beweist.

Außerdem finden sich hier auch Bauten der klassischen Moderne, unter anderem von Architekten wie Clemens Holzmeister. Neben diesen sowie den hübschen bunten Häusern in der Hauptstraße ist auch die Stadtpfarrkirche sehenswert, die auf einem Felsen über den Häusern thront. 

Auf dem sie umgebenden Friedhof ist Ski-Legende Toni Sailer (1935-2009) begraben, der das Hahnenkamm-Rennen zweimal gewinnen konnte und überdies noch dreifacher Olympiasieger und siebenfacher Weltmeister war.

Das Rennen, traditionell im Januar, gilt als einer der Höhepunkte der Skisaison, und die “Streif”, wie die Piste auch genannt wird, ist eine der schwierigsten und gefährlichsten, aber auch spektakulärsten Strecken im alpinen Skisport, mit Gefälle von bis zu 85% und Sprüngen um die 80 Meter.

An der Talstation der Hahnenkammbahn steht ein Denkmal für dieses Skirennen.

Mittersill

Die gut 5.000 Einwohner zählende Stadt liegt an einem zentralen Verkehrsknotenpunkt: Mitten im ost-westlich verlaufenden Tal der Salzach gelegen, führen von hier der Paß Thurn nach Norden (Richtung Kitzbühel) und die Felbertauernstraße nach Süden (Richtung Osttirol).

Das Stadtzentrum gruppiert sich um die Pfarrkirche:

Schön gelegen ist das Hohe-Tauern-Stadion mit seiner hübschen Holztribüne.

Aus dem Felbertal kommt der Felber Bach, der in Mittersill in die Salzach mündet. Und über den Hohen Tauern braut sich etwas zusammen.

Am Ortsrand hat man ein modernes Nationalpark-Zentrum gebaut, mit Ausstellungen und Informationen: Mittersill liegt am Nordrand des Nationalparks Hohe Tauern.

Direkt daneben ist der kleine Dorfteich.

Krimmler Wasserfälle

An der Gerlosstraße liegen die Krimmler Wasserfälle, die mit einer Höhe von 385 Metern (in allerdings mehreren Kaskaden) zu den höchsten Wasserfällen Mitteleuropas zählen.

Den Stuibenfall drüben in Tirol fand ich allerdings etwas beeindruckender, was aber auch damit zusammenhängen kann, daß hier bei Krimml ganz schöner Trubel herrscht. Ein paar Andenkenbuden weniger würden dem Gesamteindruck sicher nicht schaden. Und man kassiert hier gut ab (erst fürs Parken, dann für den Zugang zum Wasserfall; angerechnet würde das Parken nur auf eine Ausstellung, die dann aber auch wieder extra kosten würde).

Nach Pasdieren der Kassa kommt man zunächst an den Unteren Fall und wird dabei hübsch naß. 

Der Hauptweg, der in Serpentinen am Berghang neben den Wasserfällen hinaufführt, ist breit, gut ausgebaut und stark frequentiert. Da er aber auch stellenweise ziemlich steil ist, nimmt der Trubel analog zur Kondition der Besucher von Kurve zu Kurve ab.

Und es gibt durchaus einige sehr schöne Aussichtspunkte. 

Im Bereich des Mittleren Falles:

Die Krimmler Ache oberhalb des Mittleren Falles:

Weiter oberhalb und etwas zurückgesetzt folgt noch der dritte Wasserfall, korrekterweise als “Oberer Fall” bezeichnet. 

Reisehase, rebellisch.

Für den Rückweg wähle ich einen Weg auf der anderen Seite der Fälle, der anfangs nur unscheinbar ausgeschildert ist und deshalb von kaum jemand begangen wird. Der Alte Tauernweg ist aber ein schon von Kelten und Römern genutzter Alpenübergang. Und es ist ein wunderschöner Saumpfad, der am Rand der Wasserfälle durch die Wälder hinab führt.

Statistik: 7,21km in 1:34h. Ca. 290 Höhenmeter. 9€ (+9,50€ Maut bei Anfahrt aus dem Zillertal).

Gerlospaß

Heute steht eine Überführungsetappe auf dem Plan: Von Schwaz geht die Fahrt zunächst durch das Inntal und das Zillertal und dann in Richtung Osten über den Gerlospaß in den Pinzgau.

Der Gerlospaß beginnt in Zell am Ziller und führt bis hinauf in eine Höhe von 1531m. Kurz vor der Paßhöhe (die man mehr oder weniger passiert, ohne es zu merken – die Franzosen stellen da wenigstens ein gut sichtbares Schild hin) liegt der Speichersee Durlaßboden.

Er dient, wie der Name schon sagt, als Wasserspeicher für die tiefer im Tal gelegenen Wasserkraftwerke. Der Wasserstand ist aktuell, wie man sehen kann, sehr niedrig.

Auch der kleineren Gmünder Stausee ist ein Speicher für ein Wasserkraftwerk.

Der Ort Gerlos, der dem Paß seinen Namen gab, besteht hauptsächlich aus Hotels und Gaststätten, ist aber wohl doch schon älter. Darauf deutet jedenfalls die hübsche barocke Dorfkirche hin.

Nach der Paßhöhe, die auch die Grenze zwischen den Bundesländern Tirol und Salzburg bildet, beginnt die mautpflichtige (9,50€) Gerlosstraße. 

Auf der Pinzgauer Seite sind die Berge, die das Tal begrenzen, weitaus weniger hoch und meist bis zum Gipfelkamm noch grün. Die höheren Berge der Kitzbüheler Alpen (im Norden) und des Großvenediger-Massivs (im Süden) stehen erst in der zweiten Reihe. 

Das Tal der Salzach ist hier im Oberpinzgau ein Trogtal: Recht breit und sowohl im Talgrund mit seinen fruchtbaren Böden als auch auf den Höhen sehr grün. 

Die kleineren Orte im Tal sind weniger touristisch als z.B. die im Zillertal, aber trotzdem – oder wohl eher deshalb – nicht weniger hübsch, im Gegenteil.

Neukirchen trägt den Namenszusatz “am Großvenediger”, aber der 3657m hohe Berg ist dann doch noch ein gutes Stück im Hintergrund.

Hübsch ist auch der Nachbarort Bramberg am Wildkogel:

Durch dessen Ortsteil Mühlbach im Pinzgau fährt die Pinzgaubahn, eine einspurige Bahn mit schmaler Spurweite (760mm). Sie hält aber an dem niedlichen Bahnhof nur, wenn man das vorher durch Drücken einer Taste am Bahnsteig angefordert hat. 

(hier sollte jetzt noch ein Photo vom Bahnhof hin. Das hab ich aber wohl nur mit der Spiegelreflex gemacht… den Text lasse ich trotzdem mal stehen).

Schwazer Bergbau

Aujourd’hui c’est le Lapin Argentin. Et il a beaucoup à raconter sur les mines d’argent à Schwaz.

Es gibt viel zu erzählen über den Schwazer Silberbergbau. Und das mache ich jetzt auch.

Für einen stolzen Preis (17€) kann man in den Berg einfahren, im Rahmen einer etwa 90-minütigen faszinierenden Führung durch die “Mutter aller Bergwerke”.

Man übertreibt nicht, wenn man dem Schwazer Bergbau welthistorische Bedeutung beimißt. Seit dem 15. Jh. waren die Silbervorkommen bekannt. Angeblich hat ein Stier die erste Silberader freigekratzt; daher das Denkmal am Stolleneingang.

Bald schon wurde der Bergbau ausgebaut; es wurden zahllose hunderte Meter lange Stollen waagerecht in den Berg getrieben; das Silbererz wurde dann in einer Art Lore nach draußen geschoben, auf Kähnen den Inn hinauf nach Hall gezogen und dort zu Münzen verarbeitet.

Der Silberberg zog viele Menschen an. In der Zeit um 1520 war Schwaz mit etwa 30.000 Einwohnern der zweitgrößte Ort Österreichs, hatte etwa doppelt so viele Einwohner wie heute und förderte 85% des Silbers weltweit. Damit gewährleistete der Ort nicht nur den Reichtum der Habsburger, die 1363 Tirol und damit auch Schwaz erhalten hatten, sondern sicherte auch Macht und Einfluß der Landesherren. Bald kamen die Bergwerke in den Besitz der Augsburger Bankiersfamilie Fugger, die in Schwaz ein Handelskontor errichtete. Unter anderem mit den Einkünften aus dem Silber aus Schwaz verhalfen sie Karl V. auf den Kaiserthron: Karl Vorgänger, Kaiser Maximilian I. aus dem Haus Habsburg, war Landesherr Tirols und hatte in Hall Bianca Sforza geheiratet.

Auch technisch war Schwaz bedeutend: Das 1536 erschienene Schwazer Bergbuch bildete für Jahrhunderte das Grundlagenwerk des modernen Bergbaus.

Unter Tage schufteten die Hauer an den Erzadern, die Silber und Kupfer führten.

Die Knappen bildeten ihre eigene, häufig nur schwer zu zähmende Schicht. Sie wußten sich ihre Privilegien wie eigene Gerichtsbarkeit und Steuerfreiheit zu sichern und nutzten ihre Macht, den Bergbau per Streik öahmzulegen. Schlechter dran waren die Wasserschöpfer, die in Vier-Stunden-Schichten unaufhörlich das Sickerwasser in Lederbeuteln aus den Schächten hieven mußten. Auch sie streikten häufig, und ohne ihre Arbeit liefen die Schächte schnell voller Wasser und wurden unbenutzbar. Hunderte alter Stollen stehen noch heute unter Wasser.

Die Bergknappen erhielten gute Löhne und konnten durchaus gut leben, aber meist nicht lange: Durchschnittlich 35 Jahre betrug die Lebenserwartung. Zu hart die Arbeit, zu schlecht die Bedingungen, zu gefährlich auch das Hantieren mit dem Schwarzpulver, als dieses im 16. Jh. verstärkt zum Einsatz kam. Ohne dieses Hilfsmittel, mit reiner Handarbeit, kam ein Hauer nur einige Millimeter pro Tag durch den harten Dolomit des Berges voran.

Außerdem begann man das Arbeitsleben oft bereits mit 10, 11 Jahren: Als Focherbub, den großen  Blasebalg betätigend, der Luft in die Schächte und Stollen pusten sollte.

Die Wasserschöpfer wurden Mitte des 16. Jahrhunderts abgelöst durch die Schwazer Wasserkunst: Ein ausgeklügeltes System aus Wasserrädern und Schöpfvorrichtungen, die das manuelle Schöpfen überflüssig machten. Die Konstruktion galt damals als Wunderwerk.

All das erfährt man beim Bergwerksbesuch, bei dem man einen Kilometer tief waagerecht in den Berg hineinfährt, auf einer Grubenbahn durch den engen Sigmund-Erbstollen, der schon 1491 in den Berg getrieben wurde und nach dem Erzherzog Sigismund, genannt der Münzreiche, benannt ist (der die Münze nach Hall holte). Knapp sieben Minuten dauert die Fahrt mit der Bahn:

Man sieht auch die Gänge und Gerätschaften aus späteren Zeiten; der ganze Berg ist von zahlreichen Stollen durchlöchert.

Mit der Entdeckung der Silbervorkommen in der Neuen Welt begann der Niedergang in Schwaz. Viele knappen suchten andere Arbeit und zogen weg. Bis 1957 wurde in Schwaz weiter Silber abgebaut und die Förderung dann eingestellt. Die Bergwerksgesellschaft existiert aber noch und läßt die Konzession auch nur ruhen, könnte den Abbau also jederzeit wieder aufnehmen.

Man sieht: Ich bin sehr begeistert. Und könnte noch kilometerlang weiterschreiben… ?

Schwaz

Schwaz, wo ich für fünf Tage hier residiere…:

…ist eine alte Bergbaustadt mit heute 13.000 Einwohnern (im Mittelalter waren es zeitweise doppelt so viele). 

Im Zentrum steht die gotische Pfarrkirche…

mit dem seltenen Grundriß zweier Hauptschiffe: Eines war für die Bürger des Ortes, eines für die Bergarbeiter, die Knappen. Diese bildeten ihre eigene Gesellschaft, streng abgeschieden von der restlichen Bevölkerung, die sich von den Knappen in der Kirche mittels eines drei Meter hohen Holzzaunes abgrenzte (oder auch schützte).

Zum Kirchenensemble gehört auch der Friedhofsturm.

Im 16. Jh. zog der Ort (der erst 1899 Stadtrechte erhielt, also 21 Jahre, bevor in Hoffenheim erstmals ein Fußballverein entstand) auch Prominente an: Hans Sachs gründete hier 1530 eine Meistersingerschule, und der Gelehrte und Mediziner Paracelsus forschte und studierte hier.

Was die Menschen in der Zeit um 1500 hierher ins Inntal lockte, war das Silber. Und dazu gibt’s gleich einen eigenen Beitrag.