Estuaire de la Seudre

Auch die Seudre, ein kleinerer Fluß in der Saintonge, bildet einen breiten Mündungstrichter. Rechts und links davon gibt es Feuchtwiesen, Sümpfe, Dämme, Wasserläufe, Kanäle, Teiche… die ganze Gegend ist weder richtig Land noch richtig Wasser, sondern irgendwie beides gleichzeitig.

Vom Viaduc de la Seudre, der Straßenbrücke zwischen La Tremblade und Marennes…

…überblickt man den gesamten Mündungsbereich der Seudre.

Am Nordufer liegt Marennes; es ist berühmt für seine Austernzucht, die hier traditionell in flachen Wasserbecken vollzogen wird. Durch die Gezeiten werden diese immer mit frischem Meerwasser versorgt. 

Und wer sich immer schon Gedanken gemacht hat, wo der (Wieder-)Entdecker des Kautschuk getauft wurde: In der Kirche von Marennes! (Falls mal jemand fragt).

Südlich von Marennes ist mitten in den Feuchtwiesen und Wasserbecken die Cité de l’Huître eingerichtet, so etwas wie ein Freilichtmuseum zum Thema Austern. Neben einer Ausstellung über Technik, Biologie und Geschichte gibt es auch Vorführungen: Man lernt, eine Auster korrekt zu öffnen und darf diese dann auch gleich essen. Außerdem gibt es Schau-Kochen mit Degustation.

C’est le lapin ostréiculteur alors.

Der Lapin Pêcheur hatte nämlich leider noch geschlossen.

Es sieht zwar nicht nach Sternerestaurant aus (und im Freundeskreis herrschte auch Skepsis ob des Bildes und der Kombination Pêcheur/Pizzeria), aber ein Hase ist natürlich allemal mehr wert als zwei Sterne. ?

Côte de Beauté

…so nennt sich der Küstenabschnitt westlich von Royan, bis zur Landspitze Pointe de la Coubre. Und das durchaus mit gewisser Berechtigung.

Die Küste ist hier, insbesondere im „La Grande Côte“ genannten Abschnitt, sehr felsig, aber Badestrände gibt’s zwischendurch auch. Und an einigen Stellen stehen auch wieder die typischen Fischerhütten mit ihren versenkbaren Netzen.

Beaulon, Schloß und Park

Etwas abseits der Hauptstraßen liegt im Hinterland der Gironde der kleine Ort Saint-Dizant-du-Gua. Hier steht das Château Beaulon mit großem Park.

Das Schloß selbst ist ein vergleichsweise schlichter Bau (also, für die Kategorie „Schloß“ jedenfalls; im Französischen firmiert der Renaissancebau auch unter der Rubrik „manoir“); mehr Beachtung verdient der schön angelegte und gepflegte Park. 


Hier befindet sich auch die Attraktion des Ensembles: Les Fontaines Bleues, die blauen Quellen. Es handelt sich dabei um Karstquellen, genau wie z.B. der (deutlich größere) Blautopf auf der Schwäbischen Alb. Die blaue Farbe entsteht dabei durch Brechung des Lichts an Kalkpartikeln im Wasser.

Alternativ: Es sind die Tränen einer traurigen Fee, wie eine lokale Sage erzählt. Da kann sich jetzt jeder für eine Theorie entscheiden. Oder man läßt einfach die Fee kalkhaltige Tränen weinen, dann sind Physik und Romantik vereint. ?

Haute-Saintonge

…heißt das Hinterland nördlich der Gironde. Es ist ein recht flaches Hochplateau, von dem ich, wie ich gerade feststelle, nur dieses eine (nicht gerade spektakuläre) Bild gemacht habe (per Handy jedenfalls). Aber immerhin mit Sonnenblumen.

Charakteristisch sind in dieser Gegend die romanisch-gotischen Dorfkirchen, die sich vielerorts erhalten haben (allerdings manchmal in nicht allzu gutem Zustand). Der Baustil ist typisch für die Saintonge und ganz anders als weiter südlich in Aquitanien. Meist sind es einschiffige Kirchen mit massivem vier- oder achteckigem Turm, errichtet aus dem hellen Kalkstein der Region.

Von oben nach unten: Jonzac (St-Gervais-St-Protais), Marignac, Échebrune, Biron.

Große Entfernungen muß man da nicht zurücklegen; man kann einfach von Ort zu Ort hüpfen. Die Kirchen sind innen meistens sehr schlicht, haben aber besonders schön gestaltete Westportale, mit Figuren- und Pflanzenschmuck an Kapitellen und Archivolten, wie hier am Portal von St-Pierre in Échebrune.

Zentrum der Gegend ist ie Kleinstadt Pons, mit großer Burganlage mit mächtigem Donjon.

Talmont-sur-Gironde

Der kleine Ort Talmont gehört der Vereinigung der „plus beaux villages de France“ an, und das ganz zurecht. Wobei der Ort selbst sehr überschaubar ist und eigentlich nur aus viereinhalb schmalen Gassen besteht, die von kleinen, weiß getünchten Fischerhäusern gesäumt sind. 

Absolut sehenswert ist aber die Église Sainte-Radegonde, die auf einer Klippe hart an der Abbruchkante zur Gironde steht – und das hoffentlich noch lange, obwohl die Wellen ständig am nicht allzu harten Gestein nagen. Daher ist die Kirche heute auch nur noch ein Fragment: Ein großer Teil des Hauptschiffes wurde bei einem Abbruch der Klippen zerstört. Dennoch blieb Talmont seit dem Mittelalter ein wichtiger Haltepunkt auf dem Jakobsweg.

Attention, risque de chute: Le lapin voyageur garde bien la distance aux falaises, mais ne veut quand même pas laisser passer l’occasion de présenter l’un des plus beaux lieus de la France (selon ma propre liste où Talmont est classé depuis 2004 ?).

Die Gironde

Daß die Gironde der Mündungstrichter von Garonne und Dordogne ist, haben wir ja gestern schon gelernt. ? Heute führt die Etappe am nördlichen Ufer entlang. Während das Südufer ziemlich flach ist, so wie hier am Fort Médoc…

…gibt es hier auf der Nordseite auch felsigere Abschnitte und Klippen.

Dazwischen finden sich aber auch immer Buchten mit Sandstränden, wie hier in St-Georges-de-Didonne, wo wohl gerade ein großes Volleyball-Turnier ausgetragen wird.

Von Royan aus gesehen gironde-aufwärts liegen keine größeren Städte, aber ein paar nette Badeorte wie Mortagne-sur-Gironde mit einem kleinen Fischerhafen.

Typisch für die Region sind die auf Holzpfählen im Wasser stehenden Fischerhäuschen mit den außen angebrachten Senknetzen.

Pointe de Grave

Die Gironde ist ja bekanntlich (? ?) ein Ästuar. Der Mündungstrichter von Garonne und Dordogne ist der größte in Europa, noch vor der ähnlich breiten, aber kürzeren Elbmündung. Das offene Meer beginnt an der Pointe de Grave, der Nordspitze der südlich der Gironde gelegenen Landseite. 

Die Pointe de Grave selbst hat außer der schönen Sicht aufs Meer und das gegenüberliegende Gironde-Ufer nicht sonderlich viel zu bieten: Einen Leuchtturm, ein paar Leuchtfeuer, breite Sandstrände und eine alte, in die Dünen gegrabene Bunkeranlage.

Gironde, Pointe de Grave, Atlantik (v.l.n.r.). 

Die bis etwa 15 Kilometer breite Gironde wird durch die Pointe de Grave deutlich verengt. Eine Brücke gibt es trotzdem nicht. Stattdessen stellt eine Fähre, die tagsüber etwa im 90-Minuten-Takt verkehrt, die Verbindung zwischen Le Verdon und Royan her. Die Überfahrt dauert etwa 30 Minuten.

Damit geht es also nun über die Gironde und somit von Aquitanien hinüber in die Region Poitou-Charentes (was seit der komischen Reform vor ein paar Jahren nun eine gemeinsame Großregion ist). 

Während man selbst aufs Oberdeck geht, bleiben die Autos im Rumpf der Fähre, und obwohl das Meer ganz ruhig ist, denkt man hin und wieder mal darüber nach, ob alle vor dem Aussteigen auch wirklich die Handbremse angezogen haben. Und ja, das haben alle.

Ach, und obwohl ich mich nicht gerne über Übersetzungen lustig mache: Das hier ist trotz des ernstzunehmenden und wichtigen Themas Plastikmüll in den Ozeanen einfach nur niedlich. Bliebe nur noch zu klären, wieviel Müll so ein Ozean ist, wenn er nicht ein Müll ist. Zwei Müll?

Zum Abschluß des Tages: Abendessen in Royan, an der Hafenpromenade und im Freien. Es ist, wie die Partei DIE PARTEI, sehr gut.

Soulac-sur-Mer

Soulac liegt an der Westküste des Médoc, also schon am offenen Meer. Hier steht die alte Kirche Notre-Dame-de-la-Fin-des-Terres. Sie ist – als Teil der französischen Jakobswege – seit 1998 UNESCO-Weltkulturerbe.

Der Ort ist ansonsten eher jüngeren Datums, ein typisches Seebad mit hübscher Strandpromenade.

Da der Küstenabschnitt hier sehr flach ist, muß man bei Ebbe das Meer erst einmal suchen gehen, findet es dann aber am erwarteten Platz.

Médoc (2)

Neben dem Wein bleibt vor allem um Margaux und Pauillac wenig Raum für andere Dinge. Aber ein paar Eindrücke jenseits der Önologie habe ich doch gesammelt.

Wegen der strategischen Bedeutung der Gironde und speziell zur Absicherung von Bordeaux entstanden unter Ludwig XIV. mehrere Festungen. Gegenüber des am Nordufer gelegenen Blaye errichtete man das Fort Médoc. Baumeister war wie üblich Sébastien de Vauban, was mir als Saarlouiser natürlich immer besonders gut gefällt.

Le Lapin Ingénieur veut implanter un fort.

In Vensac, einem Dorf mit niedlich gestaltetem Ortskern, steht noch eine alte Windmühle.

Die bunten Glasfenster der Kirche in Saint-Vivien-de-Médoc tauchen den Innenraum in ein ganz seltsames Licht.

Damit bin ich dann auch schon ganz im Norden des Médoc angekommen.

Médoc (1)

Nordwestlich von Bordeaux, am südlichen Ufer der Gironde, liegt das Médoc. In erster Linie bekannt ist es als Weinanbaugebiet. 

Obwohl Fontane wohl nie hier war: Das ist ein weites Feld.

Über eine Strecke von gut 50 Kilometern entlang der D2 reiht sich Weingut an Weingut, Château an Château, und die Weinfelder reichen bis zum Horizont. Auch das Navi zeigt nur noch Weingüter:

Und die sehen nicht selten so aus wie z.B. Château Pichon Baron in Saint-Lambert:

Weit im Süden liegt Margaux, das sich ganz bescheiden „berühmteste Weinlage der Welt“ nennt. Das ist hier schon alles sehr mondän; man präsentiert sich gediegen. Und das Preisniveau hält da mühelos mit.

Rund um Margaux: Wein, soweit das Auge reicht.

Boah, ist das ein weites Feld.

Überall ist jetzt auch die Weinlese in vollem Gange. Ich unterhalte mich kurz mit einem Erntehelfer, der aus Italien hierhergekommen ist (auf Spanisch – funktioniert erstaunlich gut).

Zentrum des Médoc, zumindest was den Wein betrifft, ist Pauillac. Der Ort selbst ist ein überschaubares kleines Städtchen mit kleinem Bootshafen. 

Hier sind die ganz großen Namen des Médoc auf engstem Raum versammelt: Château Mouton-Rothschild, Château Lafite-Rothschild und Cos d’Estournel. Während die Rothschild-Weingüter architektonisch eher Zurückhaltung üben, zeigt sich Cos d’Estournel extravagant.

Nördlich folgt mit Saint-Estèphe ein weiteres großes Anbaugebiet. Man kann hier 59 Châteaux durchprobieren, wenn man möchte. 

Das ist aber auch echt ein weites Feld.

Weil ich aber nachher noch mit dem Auto auf die Fähre nach Royan finden muß, halte ich mich etwas zurück.
Hinter Saint-Estèphe gibt es dann erstmals auch Obstbaumwiesen und Maisfelder zwischen all dem Wein, und fährt man weiter nach Norden, hört der Weinbau irgendwann ganz auf.

Fun Fact: Zum Abendessen trinke ich einen Weißwein, der so gut ist, daß ich das Weingut wohl auf die Fahrtstrecke aufnehmen werde. Es ist ein Sauvignon – aus dem Haut-Poitou…