Der Stiefel

Ich glaube, so ziemlich jedes saarländische Schulkind ist mindestens einmal hierher geschleppt worden: Zum Stiefel, einer markanten Sandsteinformation auf einem Bergrücken im Wald bei Sengscheid, einem Stadtteil von St. Ingbert. Neben der Saarschleife dürfte der Stiefel wohl das bekannteste Naturdenkmal des Landes sein.

Ziemlich sicher war dieser markante Felsen schon in der Steinzeit eine Kultstätte.

Für den Größeneindruck: Der untere Teil hat einen Umfang von etwa 5 bis 6 Metern.

Ein weiterer Stein, der (allerdings von Menschenhand geformte) sog. Teufelstisch, steht nur ein paar Meter entfernt. 

Perfekt getarnt, da farblich sehr passend zum Rotbraun des Sandsteins: Lapin de grès.

Spellenstein

Jetzt wird’s steinig.

Das Saarland hat nämlich – selbstverständlich – nicht nur Industriekultur zu bieten. Etwa 3.800 Jahre alt ist der Spellenstein, ein mehr als 5m hoher Menhir aus der Jungsteinzeit. 

Er wurde um 1800 v. Chr. errichtet und steht heute im St. Ingberter Stadtteil Rentrisch – in einem Vorgarten.

Sankt Ingbert

Neben der Eisenindustrie, dem Bergbau (mit dem Rischbachstollen gibt es auch ein Besucherbergwerk) und der Glasindustrie (die Vopelius’sche Glashütte wurde leider vor einigen Jahren abgerissen) prägte noch eine andere Branche die Stadt.

Dieses Symbol kennt man als Saarländer: Es stand für die Brauerei Becker, eine von gleich mehreren Brauereien dee Stadt.

1877 gegründet, zählte Becker zu den größten Brauereien der Region und exportierte weltweit. 1989 wurde die Firma dann von Karlsberg übernommen; Becker’s Pils zwar wird weiterhin produziert, aber nicht mehr in St. Ingbert.

Der auf dem Logo abgebildete Beckerturm ist heute das Wahrzeichen der Stadt. Der 41m hohe Sudhausturm ist ein Entwurf des Stuttgarter Architekten Hans Herkommer; er wurde 1925-28 errichtet, folgt unübersehbar den ästhetischen Prinzipien des Bauhauses und zählt zu den wichtigsten Denkmälern der Industriearchitektur im Saarland.

Fast zeitgleich entstand die Kirche St. Hildegard, die ebenfalls Anleihen an die Industriearchitektur nimmt.

Weniger hübsch allerdings (finde ich jedenfalls): Das Rathaus der Stadt.

Immerhin steht davor diese hübsche Skulptur.

Was bietet die Stadt noch? Das Geburtshaus des expressionistischen Künstlers Albert Weisgerber:

Und manches bleibt rätselhaft. ?

Sankt Ingbert: Alte Schmelz

Östlich von Saarbrücken liegt die 36.000-Einwohner-Stadt St. Ingbert. Der Ort ist nach einem etwas mysteriösen Einsiedler namens Ingobertus benannt, von dem nicht nachweisbar ist, ob es ihn überhaupt gegeben hat. Als man die Pfarrkirche errichtete, sollte sie eigentlich wie der Ort den Namen des Einsiedlers tragen, aber das ging nicht, weil Ingobertus nicht im Heiligenverzeichnis steht. Man fand dann einen Heiligen, der zwar nicht das Geringste mit der Stadt zu tun hat, aber zumindest klanglich passend war: So steht nun die hübsche barocke Kirche St. Engelbert im Stadtzentrum.

St. Ingbert zählt zu den frühen Industriestandorten im Saarrevier. Zeugnis hierfür ist die Alte Schmelz, ein 1733 gegründetes Hammerwerk. Mit der Möllerhalle von 1750, die ein wenig an eine Kapelle erinnert, steht hier das älteste Industriegebäude im Saarland.

Zum Werksgelände gehören auch eine Arbeitersiedlung, mehrere Meisterhäuser, Direktorenvillen, ein Hospital, ein großes Schlafhaus und das Herrenhaus der Besitzer des Eisenwerks, der Familie Krämer.

An der alten Schmelz kann man also auch heute noch sehr deutlich ablesen, wie eng Leben und Arbeiten im 19. Jh. miteinander verzahnt waren. Vom Herrenhaus hatten die Besitzer des Eisenwerks den Überblick über das Gelände (auch über die Arbeitersiedlung), und der um 1800 auf die Möllerhalle gesetzte Uhrturm gab den Takt des Arbeitslebens vor.

Zum Ensemble gehören noch weitere Gebäude wie die als Veranstaltungshalle genutzt ehemalige mechanische Werkstatt…

…und das Gebäude der Verbrauchergenossenschaft, ein Kaufladen für Einkäufe des täglichen Bedarfs.

HADIR steht übrigens, natürlich, für „Société des Hauts Fournaux et Acièries de Differdange – St. Ingbert – Rumelange“. Klar, oder?

Schwarzenbergturm

Und noch ein Beitrag aus dem schönen Saarland. Ich eröffne nämlich hier die Wandersaison 2018, und zwar mit einem Heimspiel. Erstes Wanderziel: Der Schwarzenbergturm im Waldgebiet zwischen Saarbrücken und St. Ingbert.

Der 1930-31 errichtete Aussichtsturm war zwischenzeitlich mal gesperrt, wurde dann restauriert und ist jetzt wieder geöffnet. Nach 242 Stufen hat man einen schönen Rundblick. Nach Osten lassen die Wälder gar nicht erahnen, daß man sich hier mitten in einer von Industrie feprägten Region befindet.

Mitten im Wald liegt auch die Universität des Saarlandes:

Das Carrée vorne links ist der BWL-Bau mit dem Audimax; der weiße Turm links ist die Unibibliothek. In beiden Gebäuden habe ich ne Menge Zeit verbracht…

Nach Westen zu blickt man über das dichtbesiedelte Saartal. Vorne der Rodenhof mit der hübschen Albertkirche, dahinter der Ludwigspark und Burbach, im Hintergrund das Kraftwerk Fenne und Völklingen.

Saarlouis

Weihnachten bedeutet auch für Reisehasen: Heimatbesuch!

Bei ziemlich miesem Wetter gehe ich mal als Tourist durch die Stadt. Gegründet 1680 als Grenzfestung des französischen Königreichs im kurz zuvor an Frankreich gefallenen Lothringen, reiht sich Saarlouis in die von Baumeister Sébastien de Vauban geplanten Städte ein. Am Grundriß der Stadt ist das noch heute abzulesen, auch wenn die eigentlichen, sternförmig angelegten Befestigungen im späten 19. Jh. geschleift wurden. Am Stadtmuseum kann man noch sehen, wie die Stadt einmal aussah:

Es war eine typische von Vauban geplante Festung: Ein sechseckiger Grundriß, Straßen im Schachbrettmuster, um die zahlreiche Bastionen, Kasematten und Verteidigungswerke angelegt wurden, von hohen Wällen und Wassergräben geschützt.

Auf dem Gelände der Befestigungen steht übrigens auch das Gymnasium am Stadtgarten, das als Institution fast so alt wie die Stadt ist und, als ich 1991 hier Abitur machte, sein 300-jähriges Bestehen feierte.

Saarlouis wurde in den sumpfigen Niederungen einer Schleife der Saar angelegt. Über Schleusen und Dämme konnte das flache Umland durch Aufstauen der Saar geflutet werden, was eine Belagerung erschweren sollte. Es entstanden auch diverse Vororte für Handwerker und Bauern; auch hier ist noch heute der französische Ursprung am Namen ablesbar: Picard, Beaumarais, Bourg-Dauphin (das heutige Neuforweiler). Die Einwohner der Innenstadt wurden aus dem benachbarten Wallerfangen umgesiedelt; der Ort wurde, um der Maßnahme Nachdruck zu verleihen, niedergebrannt. 

Aber auch die französischen Bauten in Saarlouis stehen nur noch teilweise, woran sowohl die Preußen als auch der 2. Weltkrieg schuld sind. Vor allem am heutigen Saar-Altarm erhält man noch einen Eindruck der Festungsanlagen. Hier kann man zum Beispiel die Bastion VI und das kürzlich freigelegte Ravelin V besichtigen.

Auf einer künstlichen Insel befindet sich die Contregarde Vauban, eine Anlage zum Schutz der Festungsbrücke am heutigen Deutschen Tor.

Auf der Vaubaninsel steht das Denkmal für den berühmten Sohn der Stadt: Michel Ney, 1769 geborener französischer Marschall und General unter Napoleon, einer der bedeutendsten Feldherren in zahllosen Schlachten der Napoleonischen Kriege. Auch er war Schüler am Augustinerkolleg (dem heutigen Gymnasium am Stadtgarten). 1815 wurde er nach der Schlacht von Waterloo verhaftet, in Paris wegen Hochverrats angeklagt und hingerichtet.

In der Altstadt steht in der Bierstraße sein Geburtshaus.

In der Saarlouiser Altstadt mit ihren zahlreichen Kneipen und Restaurants, sieht man an den (teilweise auf eigenwilligem Grundriß entstandenen) Häusern und Straßen noch die planmäßige Stadtanlage.

Zentrum der Stadt ist der etwa 100x100m messende Große Markt, der zentrale Paradeplatz der Festung, heute mit Rathaus der 50er Jahre, Kirche St. Ludwig (neogot. Turm, Kirchenschiff Sichtbeton) und der links im Bild zu sehenden heutigen Hauptpost, dem ehemaligen Sitz des Stadtkommandanten. Das Barockgebäude stammt von 1680-83.

Zum Markt führen die schachbrettartig angelegten Straßen, vor allem die Hauptstraßen, die Deutsche Straße und die Französische Straße.

Die Moderne hat auch Einzug gehalten: Das Theater am Ring wurde vor kurzem umgebaut und zeigt sich nun in extravaganter Architektur.

Und noch ein Saarlouiser Kulturgut gibt es: Im Schaufenster bei Schuster Münzmay in der Silberherzstraße hüpft seit 1971 dieses kleine orangefarbene Männchen an einer Feder auf und ab. Das fand ich als Kind faszinierend, und bis heute schaue ich jedes Mal, wenn ich in der Stadt bin, dort vorbei.

Ist nur etwas schwierig zu photographieren. Es hüpft halt, auch am Feiertag.

Und noch ein Denkmal: In den Wallanlagen steht der Soldat Lacroix, der 1815, als Saarlouis an Preußen fiel, den Abmarsch der französischen Truppen verschlief und von den Preußen aufgegriffen wurde… die ihn dann seinen Leuten hinterherschickten.

Bologna von oben

Die Torri Pendenti, also die beiden schiefen Türme in der Innenstadt Bolognas, habe ich ja schon erwähnt. Zum Abschluß der Tour geht es auf den höheren der beiden, die 97m hohe Torre degli Asinelli, hinauf. Und das macht der Reisehase natürlich gern – vor allem, weil oben eine perfekt passende Nische zur Verfügung steht.

Der Turm ist der weniger stark geneigte von beiden; der andere ist mit 4% sogar stärker geneigt als der Schiefe Turm von Pisa. Dort darf man nicht hinauf; bei der Neigung hätte ich von einer Besteigung wohl aber sonst auch abgesehen. 

Die 97 Meter der Torre degli Asinelli entsprechen übrigens umgerechnet genau 12.270 Tagliatelle (gekocht), wie das der Besuchsprospekt sehr landestypisch vermerkt.

Über 498 Stufen geht es auf durchaus luftigen Holztreppen nach oben, 

…von wo man dann – surprise, surprise – eine weite Aussicht über Bologna hat.

Verona: Casa di Giulietta

Der Reisehase kann auch mal gehässig sein. Wenn’s erforderlich ist. Und jetzt ist es mal soweit.

Mindestens genausoviel Aufmerksamkeit bei den Verona-Touristen wie die Arena erfährt auch das Haus der Julia. Für Verona ist es natürlich ein Glücksfall, daß Shakespeare die Handlung seiner Geschichte von Romeo und Julia in die Stadt verlegt hat. So kann sie stolz das Haus (und an anderer Stelle das Grab) der Julia präsentieren.

Es ist ein altes Stadtpalais mitten in der Altstadt, der früher der Familie dal Capello gehörte (was mit Capulet zumindest eine gewisse lautliche Ähnlichkeit aufweist); durch eine Toreinfahrt kommt man in einen kleinen Innenhof. Hier steht eine hübsche Bronzefigur der Julia.

Historisch betrachtet steht das mit dem Haus natürlich auf sehr schwachen Beinen, was nicht zuletzt daran liegt, daß Romeo und Julia nun mal literarische Figuren sind, deren historischer Hintergrund eher dünn ist (und auch Shakespeare sich älterer Quellen und verwandter Stoffe bediente). Aber das ist letztlich auch gar nicht so wichtig; eine Geschichte von Weltrang verdient auch einen festen Ort.

Den Trash-Touristen aber stört das ohnehin nicht; er sucht den Event und hat offenbar seine festgelegte Choreographie: In den Innenhof gehen, dort ein Selfie machen, wie man der Julia-Statue die Hand auf die Brust legt, ein Pflaster mit dem eigenen Namen (und dem des Partners, falls vorhanden, evtl. auch des Wunschpartners) in den Tordurchgang bappen, fertig. Zurück zum Shopping.

So sieht es die Fremdenverkehrswerbung (Photo eines Werbeplakates):

Und so sieht das dann in der Realität aus:

Appelle an die Vernunft der Besucher verhallen weitgehend ungehört.

Dem Balkon im Innenhof, für die (Rezeptions-)Geschichte des Stoffes nicht ganz unwichtig, würdigen nur die wenigsten eines Blickes. Vermutlich nur die 5%, die Romeo und Julia gelesen oder im Theater gesehen haben…

Hab ja geschrieben, ich müßte mal gehässig sein. 

Der Balkon ist übrigens sowieso nicht original und wurde erst im 20. Jh. angebaut. Darauf kommt’s dann aber auch nicht mehr an.

Genau wie die kleine Meerjungfrau in Kopenhagen, die ich gern ein paar Meter weiter ins Meer hinaus verlegt sehen würde, um ihr etwas mehr Ruhe zu verschaffen, muß die Julia-Statue einiges ertragen. Da hier kein Meer in der Nähe ist, bräuchte es einen Zaun oder sowas.

Ich verstehe nicht so ganz, wieso an bestimmten Orten so ein Massenauflauf zustandekommt, an dem alle wie die Lemminge einem festen Ablauf folgen. Haben die alle rein zufällig ein Heftpflaster dabei? Kaum. Ich vermute eher, daß Bento oder ein anderes intelligenzfreies Medium mal einen Artikel veröffentlicht hat: „10 Statuen in Europa, mit denen Du ein Selfie gemacht haben mußt“.

Arme Julia.

Verona

Mit dem privaten Hochgeschwindigkeitszug Italo geht’s heute nach Verona.

Und das Symboltier von Italo gefällt mir auch ganz ausgezeichnet.

Graue Wolken heute in Verona: Später kommt auch der große Regen. Wie gut, daß ich den Schirm in Bologna gelassen habe; da wird wenigstens der nicht naß. ?

Hauptsehenswürdigkeit der Stadt an der Etsch ist die römische Arena, das Amphitheater (um 30 n. Chr.). Es faßt heute noch immer 22.000 Zuschauer und ist im Sommer Schauplatz der bekannten Opernfestspiele.

Ebenfalls römisch ist die Ponte Piedra von etwa 100 n. Chr.

Da auch am Sonntag dieGeschäfte geöffnet sind, ist in der Altstadt entsprechend viel los:

Im Zentrum der Altstadt liegt die Piazza delle Erbe:

Und auch Verona hat seine Herrscherfamilie: Die Scaliger (della Scala) regierten die Stadt ab 1260 und errichteten ein wehrhaftes Schloß direkt am Flußufer:

Aus der Burg heraus führt die Ponte Scaligero (1356) über die Etsch.

Die mit zahlreichen Zinnen ausgestattete Brücke ist nicht nur sehr wehrhaft, sondern bietet auch dem Reisehasen eine sehr gute Tarnung.

Bologna (2)

Die Stadt ist an diesem Samstagmittag durchaus belebt. Es gibt abet auch vel zu sehen, nicht nur an den Marktständen in den engen Altstadtgassen.

Auch auf der Piazza Maggiore ist einiges los.

An der Südseite des Doms gibt es in etwa 50m Höhe eine Aussichtsplattform. Momentan wird hier restauriert und die Fassade ist eingerüstet, aber man wird mit einem Baustellenaufzug nach oben gefahren. Von hier blickt man aufs Stadtzentrum:

Wie gesagt: Es ist heute neblig. Man sieht aber trotzdem, daß Bologna am Rand der Ebene und am Fuß der Berge des Appenin liegt.

Zwischendurch darf man sich dann auch mal im Café belohnen. Die Qualität des Capuccino werde ich nächste Woche wieder schmerzlich vermissen.

Und immer wieder Arkadengänge.

Auch die Innenhöfe mancher Stadtpaläste sind fast wie Kreuzgänge gestaltet, hier z.B. der des Archiginnasio, des ehemaligen Sitzes der Universität.