Al ristorante

Die aufkommende Erkältung hält mich natürlich nicht davon ab, noch einmal das fast volle Programm eines italienischen Menüs zu genießen (vom Stadionbesuch habe ich mich ja auch nicht abhalten lassen). Nur die Antipasti habe ich weggelassen.

Penne all’Arrabiata

Straccetti con rucola 

Mascarpone

Kurz zusammengefaßt: ???

Bologna – Stadio Renato dall’Ara

Et voilà, du foot encore. Mais c’est si beau, il faut montrer. Et je vais écrire directement qc sur la pasta…

Das muß jetzt einfach sein: Ich muß mal wieder ins Schwärmen geraten. So schön kann Fußballatmosphäre sein. ?

Ein Traum. Das müssen doch auch die Fußball-Hasser zugeben, oder?

Heute Abend spielt Bologna FC 1909 gegen den FC Crotone aus Kalabrien. Serie A, also erste Liga. 

Das Spiel ist längst nicht ausverkauft, aber die Stimmung ist trotzdem großartig, auch weil sich eine ganze Menge Anhänger auf den weiten Weg von Crotone hierher gemacht hat.

Ich bin ja was Stadien angeht, schon ein alter Hase und habe so einiges gesehen. Das hier jedoch ist ein echtes Erlebnis –  allein schon die monumentale Hauptfassade ist den Stadionbesuch wert.

Da können die Rhein-Neckar-Arena und der ganze andere austauschbare Rest mit seiner langweiligen Baumarktarchitektur überhaupt nicht mithalten.

Erbaut wurde dieses Juwel 1925-27 für ursprünglich 60.000 Zuschauer. 1934 und 1990 fanden hier WM-Spiele statt. Und der FC Bologna feierte hier seine sieben italienischen Meistertitel (einen Großteil davon allerdings schon vor dem Krieg).

Und innen? Jo, paßt. So muß das sein.

Und weil’s so schön ist, hier noch ein paar Details.

Bologna

Jetzt wir es aber auch langsam mal Zeit für einen Stadtrundgang durch Bologna. Leider ist es heute etwas neblig. Da kommen die Farben der Arkadengänge und der Häuser der Altstadt nicht so prächtig zur Geltung.

Wahrzeichen der Stadt sind die Torre Pendienti, zwei unterschiedlich hohe und unterschiedlich stark geneigte Türme. Es sind mittelalterliche Adelstürme, wie sie z.B. auch in San Gimigniano stehen.

Vor allem die Torre Garisenda ist furchteinflößend schief, aber angeblich seit langem stabil. Auf Bildern kommt das ja immer schwer rüber; hier ein Bild des Turmfußes mit waagerechter unterer Bildkante: das sollte einen ungefähren Eindruck vermitteln.

Also, egal wie lange das Ding schon steht – den Aufenthalt unterhalb würde ich vermeiden.

An der Piazza Maggiore steht der Dom St. Petronio mit seiner unvollendeten Fassade. 

Auch der Bau selbst ist nicht fertiggestellt, sollte noch viel größer werden und ist dennoch die fünftgrößte Kirche der Erde. Karl V. wurde hier 1530 zum Kaiser gekrönt. Fürs Innere braucht man eine kostenpflichtige Photoerlaubnis. 

Eigentlich. ?

Etwas südlich steht an der Piazza San Stefano ein Benediktinerkloster, bestehend aus mehreren Kirchen und Kapellen, die zu einem verschachtelten Baukomplex namens „Sette Chiese“ (sieben Kirchen) zusammengewachsen sind. 

Die Piazza selbst mit ihren Arkadengängen ist aber auch sehenswert.

Und nachher geht’s weiter mit Teil 2. Jetzt gehe ich aber erstmal eine schöne Trattoria suchen. ??

Reggio Emilia

Vom hypermodernen Fernbahnhof mal abgesehen ist Reggio eine typisch norditalienische Stadt, zwischen Parma und Bologna gelegen, mit hübschen Plätzen, arkadengesäumten Straßen und zahlreichen Baudenkmälern.

Im Rathaus wird die allererste italienische Fahne aufbewahrt; die grün-weiß-rote Trikolore tauchte 1797 erstmals auf, und zwar als Flagge der Cisalpinischen Republik, die von einem gewissen Napoleon Bonaparte ins Leben gerufen worden war. Reggio bezeichnet sich daher auch als „città del tricolore“.

Das alte, innenstadtnahe Stadio Mirabello von AC Reggiana wurde 1910 errichtet und wird heute für Rugby und Frauenfußball genutzt, während AC Reggiana ins neue Stadio Giglio am nördlichen Stadtrand gezogen ist. Unter der Haupttribüne verläuft die Straße.

Stadtrundgang am frühen Abend:

Reggio Emilia AV Mediopadana

Dann will ich mal das Durchschnittsalter der gezeigten Sehenswürdigkeiten ein wenig senken.

Es ist nämlich seit der Renaissance durchaus noch etwas passiert hier in der Emilia Romagna. In Reggio Emilia (es gibt auch noch ein Reggio in Kalabrien) wurde vor vier Jahren ein neuer Bahnhof an der Hochgeschwindigkeits-Trasse eröffnet.

Der Entwurf für das etwa 4km nördlich von Reggio gelegene Gebäude stammt von Santiago Calatrava, dem der aufmerksame Leser dieses Hasenblogs schon in Lüttich begegnet ist.

Parma

Die Gourmets können streiten, ob nun der Parmaschinken oder der Käse (in D als Parmesan bekannt, auch wenn da vieles, was als solcher verkauft wird, eher Sägespäne sind) das kulinarische Aushängeschild der Stadt ist. Gleich zwei solcher Spezialitäten kann jedenfalls auch nicht jede Stadt aufweisen. 

Ansonsten ist das Stadtbild ganz nett, kommt aber von der Atmosphäre her – meinem unmaßgeblichen Eindruck zufolge – nicht an z.B. Ravenna oder Ferrara ran. Was jetzt aber nicht heißen soll, Parma sei unansehnlich.

Eine Stadt der Künste und der Künstler ist Parma auch. Am Parco Ducale steht z.B. das Geburtshaus von Arturo Toscanini. 

Ebenfalls hier geboren sind Giuseppe Verdi und der Renaissancemaler Antonio da Correggio, der die Vierungskuppel des (auch sonst üppig ausgestatteten) Doms mit Fresken ausgemalt hat. 

Neben dem Dom steht das Baptisterium mit Fassade aus rosa Marmor, das als bedeutendstes romanisches Baudenkmal Italiens gilt.

In direkter Nachbarschaft steht San Giovanni Evangelista, ebenfalls mit Correggio-Fresken, sowie die daran angebaute historische Apotheke.

Hier fließt eigentlich die Parma, ein Nebenfluß des Po. Die ist aber wohl noch im Sommerurlaub. 

Eine Kartause gab es in Parma übrigens nie; das titelgebende Kloster in Stendhals Roman war San Martino di Bocci, ein… Zisterzienserkloster (allerdings weit außerhalb der Stadt gelegen – da bin ich leider nicht hingekommen). Beim nächsten Mal dann. ?

Byzantinisches Ravenna

Fünf der Hauptsehenswürdigkeiten Ravennas lassen sich per Kombiticket besichtigen. Alle stammen aus der Zeit Theoderichs des Großen, also aus dem 5. Jahrhundert.

Wie man in der Spalte rechts sieht, war ich fleißig. 

Da ist zunächst die Basilika San Vitale, ein 520-545 errichteter Zentralbau mit riesiger Kuppel. Die Mosaiken im Inneren zeigen unter anderem Kaiser Justinian mit Gattin Theodora und Christus mit der Weltkugel.

Auf dem Fußboden lassen sich übrigens ganz bequem Vögel photographieren, z.B. die Ostgotische Mosaikente.

Direkt neben San Vitale steht dieser unscheinbare Backsteinbau. 

Es ist das Grabmal der Galla Placidia aus der Zeit um 420, mit den ältesten erhaltenen Mosaiken Ravennas. 

Man muß sich immer mal wieder vor Augen halten, daß diese Mosaiken jetzt fast 1.500 Jahre alt sind.

Sant‘ Apollinare Nuovo, die Palastkirche Theoderichs, ist ein basilika-artiger Bau. 

Entlang der Seitenwände des Langhauses verlaufen zwei Mosaiken, eines mit einem Zug von Märtyrern vom Palast Theoderichs zu Jesus, und eines mit einem Zug weiß- und goldgewandeter heiliger Frauen vom Hafen Classe bei Ravenna zur Gottesmutter Maria.

Außerdem gibt es noch das Baptisterium der Arianer. Diese waren eine christliche Glaubensrichtung (Theoderich selbst war Arianer) mit zur reinen Lehre, wie wir sie heute kennen, teilweise abweichenden Vorstellungen. Grundfrage war, ob Christus mit Gott wesensgleich (Trinitätslehre) oder wesensähnlich (Arianer) sei. Also die Frage, ob es einen einzigen Gott gibt, nämlich Gott, oder einen dreifaltigen Gott (mit Jesus und Brian… äh… dem Heiligen Geist). Für Außenstehende oder Nichttheologen ist das womöglich nur schwer nachvollziehbar. Es ist aber aus theologischer Sicht ein Riesenunterschied. So wie fußballhistorisch der zwischen Rot-Weiss Essen und Schwarz-Weiß Essen zum Beispiel.

Und weil es ein Baptisterium ist, findet man im Inneren als Deckenmosaik natürlich die Taufe Jesu.

Und bei all den Mosaiken… Da muß doch… Da können doch nicht nur so doofe Vögel sein. Und tatsächlich: Ich bin dann im Baptisterio Neoniano fündig geworden.

Tutto bene, Ravenna. Mille grazie.

Ravenna: Theoderich der Große

Aujourd’hui c’est le lapin byzantin.

Theoderich der Große, König der Ostgoten und Statthalter der oströmischen Kaiser in Italien, eroberte Ravenna – mit etwas unlauteren Mitteln – im Kampf gegen den weströmischen König Odoaker (493), den er eigenhändig getötet haben soll. Die Völkerwanderungszeit war halt kein Ponyhof… 

Theoderich, der als „Dietrich von Bern“ auch im Nibelungenlied auftaucht (Bern = Verona), machte die Stadt anschließend zur Hauptstadt seines weströmischen bzw. ostgotischen Reiches.

Nach der Eroberung Italiens und der Tötung Odoakers samt Familie und Gefolgschaft bei einem Festmahl sorgte er jedenfalls für eine verhältnismäßig lange Friedensperiode in seinem Reich. 526 starb er.

Am Stadtrand steht sein ab 520 errichtetes Mausoleum, ein auf zehneckigem Grundriß errichteter zweigeschossiger Bau.

Die 11m Durchmesser zählende Deckplatte ist aus einem einzigen Steinblock gefertigt!

Ravenna

Tja, da weiß ich nun gar nicht so genau, wo ich anfangen soll… mit einem Posting werde ich hier nicht auskommen.

Noch nicht genug von Geschichte und Kultur? Trotz Florenz, Ferrara, Mantua etc.? Sehr gut. Das war nämlich noch nicht alles; da geht noch viel mehr.

In Poitiers steht mit dem Baptisterium noch ein Bau aus frühchristlicher Zeit (6. Jh.), der zu den ältesten christlichen Bauten Frankreichs zählt. Die ältesten nachrömischen Bauten in Deutschland, die Torhalle in Lorsch und die Aachener Pfalzkapelle zum Beispiel, sind noch deutlich jünger (um 780 bis 800). Und hier in Ravenna steht die ganze Stadt voller Baudenkmäler aus dem 5. und 6. Jahrhundert.

Im Detail dazu später mehr. Hier erstmal ein paar Eindrücke. Ravenna hat nämlich eine sehr hübsche Altstadt mit einigen schönen Plätzen wie die Piazza del Popolo…

…und Straßen wie die Via Cavour und die Via San Vitale.

Die Basilika San Francesco stammt aus der Zeit um 1000 und ist somit für Ravenna noch recht jung.

Die (wiederum deutlich ältere) Krypta mit der Grabstätte des Heiligen Neon, Bischof von Ravenna im 5. Jh., hat sich in ein Wasserbassin verwandelt, in dem das Grundwasser über dem Mosaikfußboden steht; durch den sumpfigen Untergrund sind viele der alten Bauten um mehr als drei Meter abgesunken. 

Nachdem Dante aus Florenz verbannt worden war, fand er in Ravenna Zuflucht. Nach seinem Tod 1327 wurde er hier bestattet.

Man trifft ihn dann überall in der Stadt an, auch an Baustellenwänden:

Wo er sich übrigens in bester Gesellschaft befindet:

Es gibt sowieso auch viel moderne Kunst in der Stadt, die natürlich nicht im 5. Jh. steckengeblieben ist. Wenngleich mir das Bild rätselhaft bleibt – es gefällt mir.

Und das hier ist wohl die italienische Version des Bordeaux’schen „Parisien rentre chez toi“, gesehen am Stadio Comunale Bruno Benelli. Ospiti sind die Gäste, vaffanculo übersetze ich nicht. Es gehört aber zum Grundwortschatz.

Bologna notturna

Bevor ich mich gleich ausführlich dem Ziel der heutigen Tagesetappe widme, hier noch eine kleine Fingerübung. Ein Nocturne sozusagen.

Obwohl ich ja die ganze Zeit in Bologna stationiert bin, kam die Stadt bisher hier im Blog noch etwas zu kurz. Nach dem Abendessen habe ich heute noch eine Runde gedreht und mit der Handykamera ein bißchen geknipst.