Glücksburg

Schloß Glücksburg…

 …ist das natürlich nicht, sondern die Stadtbibliothek, untergebracht im alten Bahnhof. DAS ist das Schloß:

Ich gehe mal stark davon aus, daß ich nicht viel Widerspruch ernte, wenn ich schreibe, daß es sehr schön ist.

Es war die Residenz wechselnder Herrscher, sowohl der holsteinischen Herzöge wie auch der dänischen Könige. Errichten ließ es Johann II. von Schleswig-Holstein-Sonderburg in den Jahren 1582 bis 1587.

Gut bewacht wird’s auch. Wenigstens für einen Moment.

Das Renaissanceschloß liegt in einem großen, zur Bauzeit des Schlosses aufgestauten Teich, den man in ca. 25 Minuten umrunden kann und dabei immer wieder schöne Ausblicke genießt.

Im Mittelalter stand genau an dieser Stelle das Rudekloster, ein 1210 gegründetes Männerkloster der Zisterzienser. Davon hat sich aber nichts erhalten, weil Herzog Johann für den Bau des Schlosses die Gebäude des in der Reformation aufgehobenen Klosters niedereißen ließ. Der Klosterfriedhof liegt heute unter dem Wasser des Schloßteiches, wie ein Gedekstein verrät.

Und auf dem Schloßteich gibt’s ganz viele häßliche Entlein.

Ohnehin leben hier eine Menge Wasservögel; neben diversen Enten kann man z.B. auch dem Haubentaucher beim Haubentauchen zuschauen. Ich bemühe nochmal das Kamera-Display.

Und dann ist hier in Glücksburg auch noch das Glück in Sicht. Was will man mehr.

Ob Herr Rossi das denn gefunden hat, so weit hier oben im Norden? ?

Munkbrarup

Munkbrarup, der Name deutet es an, wurde im Mittelalter von Mönchen betreut (Munk = Mönch). Diese kamen aus dem nahegelegenen Zisterzienserkloster Rude.

Die Laurentiuskirche des Ortes ist eine typische jütische Dorfkirche, mit wuchtigem Turm aus Granitquadern. Sie stammt aus der Zeit um 1180. Die Klosterkirche ist es aber nicht; die Zisterzienserkirchen sehen ja ganz anders aus, wie wir alle inzwischen wissen.

Das Innere ist schlicht; man kann verstehen, daß jemand. der hier aufgewachsen ist, mit den Barockkirchen des Alpenraums nicht so zurechtkommt… Das große Kreuz im Altarraum stammt übrigens aus dem Rudekloster.

(Da ich kein Bild mit dem Smartphone gemacht habe und ich zu faul bin, das Laptop anzuwerfen, muß wieder mal das abphotographierte Display der Kamera herhalten.)

Sehr schön ist der alte Taufstein mit einer Löwenkampf-Szene.

Um die Kirche liegt der Friedhof, und hier kann man auf den Grabsteinen ablesen, daß man sich im hohen Norden befindet: Sörensen, Jörgensen, Petersen, Paulsen, Iwersen, Carstensen, Matthiesen, Knudsen, Hansen, Björnsen, Andresen (nicht: Andrööösen) (kennt das jemand?).

Es finden sich aber auch Namen wie Pikschus oder Motikat, die auf Ostpreußen hindeuten; speziell nach Schleswig-Holstein kamen ja nach dem Krieg sehr viele Heimatvertriebene aus den Ostgebieten.

Kiel

Ich halte mich ja durchaus für geübt darin, selbst als weniger schön geltende Städte mindestens hübsch zu finden (Lüttich!). Daß ich ein gewisses Faible für gute 50er-Jahre-Architektur habe, ist dabei in vielen Fällen sicher hilfreich. 

In Kiel aber schaffe ich es nicht, die Stadt hübsch zu finden. Es tut mir ja auch leid, aber es hilft nix: Die Stadt ist einfach nicht schön. 

Vermutlich bräuchte ich einen pfiffigen Einheimischen, der die geheimen schönen Ecken der Stadt kennt und sie mir zeigt. Was ich gesehen habe, war eher so.

Ok, Bild 2 zeigt eine Baustelle, und die sind selten schön. Aber “Die Kieler Innenstadt wird schöner”? Da hat man sich viel vorgenommen.

Architektonisch auffallend ist immerhin die Universitätskirche von 1965, die ich gerne von innen gesehen hätte, um die Lichtwirkung der dreieckigen Glasfenster zu sehen. War aber leider geschlossen.

Zusammen mit dem zeitgleich erbauten Auditorium Maximum ergibt sich hier dann doch ein interessantes Ensemble. Ebenfalls zeitgleich entstand auch das Uni-Hochhaus. 

Interessant ist natürlich das Hafengebiet, vor allem für einen Landhasen wie mich. Am Ostseekai und am Schwedenkai fahren die Fährlinien und Kreuzfahrtschiffe ab.

Und im Hafen gibt’s natürlich immer viel zu sehen.

Dieses Denkmal erinnert, man erkennt es auf den ersten Blick, an eines der wichtigsten Ereignisse in Kiel: Den Matrosenaufstand 1918. ?

Hierzu gibt es, zum 100. Jahrestag, auch eine Ausstellung im Schiffahrtsmuseum, einem hübschen Gebäude mit Kielbogendach.

Im Stadtzentrum befindet sich auch eine große Grünfläche: Der Schrevenpark mit dem Schreventeich (der Name ist aus dem Plattdeutschen entstanden; es hieß ursprünglich “des Grafen Teich” (s greven diek)). Na also, hab ich doch noch eine nettes Eckchen gefunden.

Im Park stehen auch Portrait-Büsten aller sechs Nobelpreisträger der Stadt. Darunter sind auch der Physiker Max Planck und der Historiker Theodor Mommsen (Literatur-Nobelpreis 1902 für ein Sachbuch, die “Römische Geschichte”).

Und noch einen Sohn der Stadt muß ich erwähnen, auch wenn er keinen Nobelpreis erhalten hat (wenngleich natürlich verdient hätte): Wolfgang Buresch, der Puppenspieler, Autor und “Vater” des Hasen Cäsar! ?

Der Reisehase rätselt derweil noch ein wenig, was er nun von der Stadt halten soll.

KSV Holstein

Besuch bei einem ehemaligen Deutschen Meister: 1910 konnte die Kieler Sportvereinigung Holstein die “Viktoria” für die Fußball-Meisterschaft an die Förde holen. Das wird auf absehbare Zeit mit der Meisterschale nicht passieren, aber immerhin sind die “Störche” letztes Jahr nach 26 Jahren wieder in die 2. Liga aufgestiegen und wären beinahe sogar in die Bundesliga durchmarschiert.

Störche nennt man das Team übrigens, weil die Kieler traditionell in den schleswig-holsteinischen Landesfarben blau-weiß-rot auflaufen, dazu eben rote Stutzen gehören und die Beinchen daher Erinnerungen an Störche wecken.

9.040 Zuschauer wollen das Spiel gegen den 1. FC Heidenheim sehen (Endstand 1:1); viel mehr passen auch derzeit nicht ins alte Holstein-Stadion, nachdem die Osttribüne vor kurzem abgerissen wurde.

Ich finde es übrigens zunehmend seltsam, daß sämtliche Ultras sämtlicher Vereine in denselben Liedern mit weitgehend denselben Texten besingen, warum ihr Verein einzigartig ist. Das ist natürlich nicht auf Holstein Kiel beschränkt; bei Arminia ist das leider nicht anders. Mir fiel’s hier nur mal wieder auf.

An der Kieler Förde

Am Südufer der Kieler Förde liegen mehrere Badeorte wie Stein, Möltenort oder Laboe.

Laboe (gesprochen mit ö) ist vor allem bekannt für das Marine-Ehrenmal. Es wurde 1927-36 errichtet, ursprünglich für die gefallenen Seeleute der Marine im ersten Weltkrieg. Architekt des expressionistischen Backsteingebäudes mit dem markant geschwungenen, 72m hohen Turm war Gustav August Munzer.

Direkt daneben ist mit dem 1943 in Dienst gestellten U-995 eines der wenigen U-Boote ausgestellt, die den Zweiten Weltkrieg weitgehend unversehrt überstanden haben; die Überlebenschance der U-Boot-Besatzungen war ja im allgemeinen sehr gering.

Auf dem Meer ist trotz des bedeckten Himmels einiges los. Es steht aber auch genügend Wind zur Verfügung.

Ein Teil des Strandes von Laboe ist sogar kostenlos; einen größeren Bezahlstrand leistet sich der Ort aber leider auch. Bis hierher und nicht weiter…

Etwas weiter in Richtung Kiel wurde in Heikendorf ein Ehrenmal für die Opfer des U-Boot-Krieges errichtet. Die Reihe der Namenstafeln scheint endlos; es sind 115 Bronzetafeln mit etwa 35.000 Namen…

Am Selenter See

Der Selenter See ist der zweitgrößte See in Schleswig-Holstein (nach dem Großen Plöner See).

An dessen Ufer findet man auch den kleinen Ort Giekau, mit Johanniskirche aus der Zeit um 1300. 

Nur der Turm ist jünger; wer genau hinsieht, findet die Jahreszahl 1811. Wer auf einem der Bilder aus Mölln in einem Fenster den Hasen entdeckt hat, findet die auch. ?

Der Name Giekau fiel bereits, nämlich als Lokalrivale des großen SC Kaköhl.  Der SV Knudde 88, benannt (kein Witz!) nach einer im Fußballmilieu angesiedelten niederländischen Comic-Reihe namens “F.C. Knudde”, hat sein Sportgelände fast unmittelbar am Seeufer. 

Nicht weit von Giekau liegt die Kleinstadt Lütjenburg: Auch hier herrscht wieder rotbrauner Backstein vor.

Und jetzt geht’s weiter in Richtung Kieler Bucht.

Kaköhl

Und jetzt heißt es: Allez les Bleus! Nur der SCK!

Beim Lesen des Matchkalenders bin ich irgendwann mal über das Kreisliga-Plön-Derby zwischen dem SC Kaköhl und Knudde Giekau gestolpert, was vor allem in der Kombination aus Orts- und Vereinsnamen von beeindruckender Schönheit war. Der SC Kaköhl blieb danach im Blickfeld, und als Running Gag unter Kollegen betonte ich immer mal wieder, daß ich dieses Spiel jederzeit einem Hoffenheim-Spiel vorziehen würde. Wobei das kein Gag ist; das würde ich wirklich. Jedenfalls stand der SC Kaköhl seitdem recht hoch auf meiner Wunschliste, und heute schließe ich diese Lücke. 

Eigentlich mache ich diese ganze Tour nach Schleswig-Holstein ja ohnehin nur, um mir ein Spiel in Kaköhl anzuschauen. (Stimmt zwar nicht, aber ich fürchte, man glaubt mir das trotzdem).

SC Kaköhl also gegen TSV Lensahn (leider nicht gegen Knudde Giekau, denn die sind zwischenzeitlich in die Kreisklasse abgestiegen). Kreisliga Plön. Gespielt wird auf dem Sportplatz auf dem Radeberg.

Und vorher mache ich natürlich noch ein Rundgang durch Kaköhl, das zur Gemeinde Blekendorf gehört. Da die gesamte, aus acht Dörfern bestehende Gemeinde gerade mal 1.400 Einwohner hat, ist Kaköhl (300 Seelen) natürlich von sehr überschaubarer Größe. Die Ortsrunde ist daher auch keine beeindruckende sportliche Leistung.

Auch die Sehenswürdigkeiten sind schnell aufgezählt; es gibt nicht mal eine Kirche (die steht im Gemeindezentrum Blekendorf). Am Ortsrand gibt es immerhin die Megalithanlage Buschkate, drei Großsteingräber, die zeigen, daß diese Region schon zur Zeit um 2800 v. Chr. besiedelt war.

Wo der Name Kaköhl etymologisch herkommt, konnte ich nicht herausfinden. Da will ich nochmal genauer recherchieren. Immerhin weiß ich jetzt, wie man den Namen betont (wie von mir vermutet auf dem ö).

Der SCK verliert übrigens mit 1:3. ☹

Fehmarnsund

Hinter Heiligenhafen läuft die Halbinsel Wagrien spitz zu. Auf der anderen Seite des Fehmarnsundes liegt die Insel Fehmarn, mit 185 qkm die drittgrößte deutsche Insel (Umrechnungsfaktor im etwa: 1 Saarland = 13 Fehmarns).

Die Insel war lange Zeit dänisch, wurde erst 1864 von preußischen Truppen erobert und kam dann 1871 zum Deutschen Reich. Heute stellt die Insel – dank des Fährhafens Puttgarden – eine Verbindung nach Dänemark dar. Über den 18km breiten Fehmarnbelt erreicht man dann per Fähre das dänische Rødbyhavn auf Lolland. Ab 2020 soll hier ein Tunnel gebaut werden.

An der Küste Fehmarns:

Die deutlich schmalere Meerenge zwischen der holsteinischen Küste und Fehmarn überspannt die äußerst elegante Fehmarnsundbrücke. Sie wurde 1960-63 errichtet und dient neben dem Autoverkehr auch der Eisenbahnverbindung nach Puttgarden, der sogenannten Vogelfluglinie.

Bei Großenbrode verkehrte bis zum Bau der Brücke eine Fähre. Die Hafenanlage besteht noch und dient heute als Freizeithafen.

Auch hier kommt man unbehelligt an den Ostseestrand. Der Hase genießt das und hat auch noch den ganzen Strand weitgehend für sich (was aber auch dem wechselhaften Wetter und vor allem dem starken Wind zuzuschreiben ist). 

Heiligenhafen

Heiligenhafen liegt an der Nordküste Wagriens und ist noch heute ein lebhafter Fischereihafen.

Ein Teil des Hafengeländes ist als Museumshafen eingerichtet.

Auch einen großen Freizeit- und Yachthafen bietet die Stadt.

Außerdem kommt man hier unbehelligt ans Meer. Es geht also doch! Hier darf er also ein Ostseehase sein:

Der Blick in den Himmel deutet allerdings an, daß das Wetter heute nicht so richtig stabil ist. Und prompt kommt auch ein richtiger Regenschauer. Den überbrücke ich mit einem leckeren Fischbrötchen (Matjes, Zwiebel).

Ganz ohne Backsteingotik geht es auch hier nicht: Auch Heiligenhafen besitzt eine fast 800 Jahre alte Kirche.

Oldenburg in Holstein

Im 7. Jahrhundert errichteten slawische Stämme (genauer: die Obodriten. Jahaa, ich kenne Wörter…) auf der Halbinsel Wagrien eine Burganlage, die sie Starigrad nannten: Alte Burg. Aus dieser Bezeichnung ist der heutige Name Oldenburg entstanden.

Die slawische Burg wurde später zerstört; noch heute ist aber der beachtlich große und hohe Burgwall zu sehen, der eine ebene Fläche umschließt.

Zur Bekehrung der Slawen zum Christentum ließ Kaiser Otto I. im 10. Jahrhundert hier ein Bistum errichten; der bereits erwähnte Missionar Vicelin war hier – einige Slawenaufstände später – für fünf Jahre Bischof. Die heute evangelische Johanneskirche steht direkt an der slawischen Wallanlage und ist baulich dem Braunschweiger Dom nachempfunden; Heinrich der Löwe hatte hier in der Gegend auch seine Finger (bzw. Pranken) im Spiel.

Der sehr hübsche Innenraum hat eine schöne barocke Kanzel, einen Taufengel, der allerdings mangels Taufbecken etwas im Leeren herumschwebt…

…und eine Fürstenloge der hier in der Gegend beheimateten Familie von Reventlow.

Das kleine Städtchen hat außerdem ein nettes Zentrum mit viel Backstein; das ist mit Blick auf die Beiträge der letzten Tage nicht mehr die große Neuigkeit, aber ich kann mich daran nicht sattsehen. 

Und wenn am Haus gegenüber eine HSV-Fahne weht, muß man dem als aufrechter Schalker natürlich etwas entgegensetzen und stellt einen Hausaltar ins Fenster.