Le Quesnoy

Im Bereich zwischen den Festungen von Valenciennes und Maubeuge sicherte die Festungsstadt Le Quesnoy die französische Nordgrenze.

Im Gegensatz zu Rocroi, das ja etwa 100 Jahre älter ist, stammt sie komplett von Festungsbaumeister Vauban, und zum Teil führen die Festungsgräben um die Bastionen, Contregarden, Démi-Lunes und was sich Vauban sonst noch einfallen ließ, auch noch Wasser.

Allerdings sind die Bastionen in Le Quesnoy teilweise zugewachsen, die Stadt ist auch deutlich größer und lebhafter als Rocroi, und es gibt nicht den gewohnten zentralen Platz in der Stadtmitte. Daher zeigt Le Quesnoy im Zentrum nicht unbedingt Den Charakter einer Festungsstadt, anders als z. B. das beschaulichere Rocroi oder Montmédy.

Die Kirche ist eine typische Kirche aus der Zeit Ludwigs XIV., aber das im Mittelschiff gespannte Netz sorgt nicht gerade für Vertrauen in den baulichen Zustand…

Maroilles, Jenlain etc.

Jetzt wird es aber höchste Zeit, die kulinarischen Spezialitäten der Region zu würdigen. Nicht nur, daß ich im Hotel in Le Nouvion-en-Thiérache jeden Abend ein hervorragendes Menü serviert bekam…

…es gibt natürlich auch hier regionale Spezialitäten. Ich habe noch keine französische Region gefunden, die diesbezüglich nichts bietet. Und ich war inzwischen überall. 

Die Trappistenbiere hatte ich ja schon erwähnt. Es gibt aber noch mehr. In Maroilles wird ein bekannter Käse produziert, der zwischenzeitlich auch mal als “Fromage des Ch’tis” beworben wurde. Biloute, hein!?

Die Form des Maroilles ist traditonell ein Viereck, und so ist die Form des Carrée des Sauveurs in Maroilles nur konsequent.

Ein paar Kilometer weiter nördlich produziert die Brasserie Duyck das bekannte und recht verbreitete Bier Jenlain.

Cambrai (das gleich noch einen eigenen Beitrag erhält) ist bekannt für die Bêtises, Karamellbonbons mit Minze, die in dieser Form schon seit etwa 1850 produziert werden.

Ein Abendessen hatte ich eigentlich hier geplant: Im Répos du Lièvre in Maubert-Fontaine. Aber der ruhende Hase macht noch bis nächste Woche Ferien. Schade.

Dafür gibt es noch eine Begegnung mit einem Lapin. In Form einer Terrine aux Noix… Ja, ich schäme mich über alle Maßen. Es ging mir aber wie damals Maria Theresia bei der ersten polnischen Teilung: Ich weinte, aber ich nahm.

Bogny-sur-Meuse

Bogny besteht aus drei ursprünglich selbständigen Gemeinden (Château-Regnault, Levrézy und Braux) und zieht sich daher über fast zehn Kilometer durchs Maastal (mit Schleifen natürlich).

In Château-Regnault steht auf hohem Felsen über dem Maastal das Denkmal für die “4 Fils Aymon”. 

Die Legende der Haimonskinder ist ein uraltes Heldenepos, das im 8. Jahrhundert spielt und sich zu wesentlichen Teilen hier an der Maas verorten läßt. In Grundzügen geht es um vier Brüder, die sich mit Karl dem Großen anlegen und von einem Pferd namens Bayard mit überirdischen Kräften unterstützt werden. Einen der Haimonssöhne, die Hauptfigur Renaud (Reinold) verschlug es später ins Rheinland und weiter nach Dortmund, wo er bis heute Stadtpatron ist (Dortmunds Hauptkirche ist die Reinoldikirche).

Vom Denkmal blickt man hinunter auf den ebenfalls nach Reinold benannten Ort Château-Regnault. 

Château-Regnault war Standort einer Herrschaft und einer Burg, die Ludwig XIV. zerstören ließ.

In Levrézy steht das Musée de la Métallurgie Ardennaise (MMA), das zeigt, daß auch dieser Teil des Maastals bedeutende Eisenindustrie besaß.

Der Ortsteil Braux wiederum bezeugt  mit der Kollegiatskirche, die in den Fundamenten bis ins 9. Jahrhundert, also fast in die Zeit der Haimonskinder, zurückreicht, daß die Gegend schon im frühen Mittelalter besiedelt war.

An der Maas

Zwischen Charleville-Mézières und der belgischen Grenze hat sich die Maas tief in die Ardennen hineingegraben und verläuft hier in vielen Flußschleifen durch ein weitgehend bewaldetes Gebiet. 

Die wenigen Orte am Fluß sind industriell geprägt; Wald und Wasser waren wichtige Rohstoffe für die Eisenverarbeitung, außerdem wurde und wird Schiefer abgebaut und verarbeitet, zum Beispiel in Fumay. Der Ort liegt in einer Flußschleife der Maas.

Revin liegt gleich in zwei Flußschleifen.

Monthermé liegt zur Abwechslung dann auch in einer Flußschleife. Es gibt da echt einige. 

Die von Monthermé erinnert vom Aussichtspunkt an der Longue Roche aus übrigens sehr an die Saarschleife; allerdings bin ich dieses Mal nicht dort hoch (2006 schon). Aber es wäre eine längere Wanderung, und heute fehlte die Zeit. Also nur ein Blick von unten, weshalb man die Schleife nur erahnen kann.

Mit der Abteikirche von Lavaldieu am Stadtrand von Monthermé zeigen dann übrigens die Prämonstratenser, daß auch andere Orden schöne Klöster haben.

Rocroi

Die vielleicht schönste Festungsstadt des französischen Nordens ist Rocroi. Es ist ursprünglich – ausnahmsweise mal – keine von Vauban geplante Festung, sondern etwa 100 Jahre älter und entstand um 1550 im Auftrag König Henri II. zum Schutz der Grenze gegenüber dem Heiligen Römischen Reich. Vauban hat die Festung später aber noch perfektioniert.

Die sternförmigen Bastionen haben sich vollständig erhalten; auf Luftbildern sieht das phantastisch aus. In der flachen Landschaft, in die Rocroi eingebettet ist, gibt es aber keinen ausreichend hohen Aussichtspunkt. Was bei der Anlage der Festung übrigens durchaus zur Strategie gehörte.

Einen Eindruck erhält man aber zumindest von der etwas erhöhten Bastion de Montmorency.

Das Stadtzentrum bildet die Place d’Armes, von der die neun Hauptstraßen der Festung strahlenförmig ausgehen. Hier am zentralen Platz stehen dann auch Rathaus und Kirche, Brasserien und Restaurants.

Gefällt es hier: Lapin Fortifié.

Chimay

Die Trappisten sind ja ein Reformorden der Zisterzienser), und so sind die Zisterzienser letztlich auch für den Ruf Belgiens als Bierbrauernation verantwortlich. Die sechs Trappistenbrauereien des Landes, darunter Westmalle, Orval und Chimay, sind weltbekannt. Leffe ist zwar auch eine bekannte Marke allerdings kein Trappistenbier (Leffe ist ein Prämonstratenserkloster). Kleiner Blick auf die Beute des Reisehasen:

Chimay ist eine Kleinstadt an der französisch-belgischen Grenze mit Schloß und historischer Altstadt.

Etwa zehn Kilometer entfernt, aber noch zur Gemeinde Chimay gehörend, liegt die Abtei Scourmont, in der das Chimay-Bier gebraut wird. Außerdem stellen die Mönche noch einen ebenfalls bekannten Käse dieses Namens her.

Das aktive Zisterzienserkloster besitzt eine Kirche, die aus dem 19. Jahrhundert stammt, aber die Bauvorschriften des Ordens aus dem 12. Jahrhundert einhält (kein Schmuck, keine Ausmalung usw.).

Macquenoise

Der Grenzort Macquenoise heißt inzwischen auch Courquain Das liegt an dem Film “Rien à declarer” (Nichts zu verzollen), mit Dany Boon als Regisseur und in der Hauptrolle (kennt man in Deutschland hauptsächlich von “Willkommen bei den Sch’tis”). “Rien à declarer” ist auch eine Komödie und behandelt den alltäglichen Kampf zwischen Schmugglern und Zöllnern im kleinen Ort Courquain an der französisch-belgischen Grenze.

Gedreht wurde im echten Grenzort Macquenoise, und an den hauptsächlichen Drehorten sind Infotafeln mit Erläuterungen zum Film aufgestellt.

Warum der Film im Gegensatz zu den Sch’tis in Deutschland fast unbekannt geblieben ist… keine Ahnung.

Riqueval, Le Grand Souterrain

Unter Napoleon wurde er innerhalb weniger Jahre durch den Berg gegraben: Der Kanaltunnel von Riqueval.

Mit dem Canal de Saint-Quentin verband man die Flußsysteme von Seine und Schelde; das Ganze hatte neben der wirtschaftlichen natürlich auch eine militärische Dimension. Wie auch anderswo (Canal de Bourgogne) wird die Scheitelhöhe per Tunnel überbrückt.

Die Besonderheit dieses Tunnels erzählt das Musée du Touage am südlichen Tunnelausgang in Riqueval: Die Schiffe dürfen nämlich nicht selbständig durch den Tunnel fahren; dieser ist mit seinen 5,6 km dafür einfach zu lang. Stattdessen werden sie von Schiffen gezogen, die in einer am Kanalboden liegenden, fast acht Kilometer langen Kette eingehakt sind und durch den Tunnel fahren, indem sie sich an der Kette entlangziehen. Riqueval ist einer der ganz wenigen Orte weltweit, an denen diese Technik der Kettenschiffahrt noch aktiv im Einsatz ist.

Bei einer Geschwindigkeit von laut Infotafel 2,5 km/h, die die Kettenschiffe erreichen, dauert die Tunnel-Durchfahrt also gute zwei Stunden. Eine Mutprobe.

Das nördlichen Tunnelende bei Macquincourt muß man suchen; kein Schild und keine Infotafel weisen darauf hin. Da helfen nur Michelinkarte und ein feines Näschen.

Beides hat der Reisehase natürlich, und er hat Glück (ja, ich könnte es auch als Erfolg minutiöser Reiseplanung verkaufen… war es aber in diesem Fall nicht): Es wird nämlich gerade ein Schiff, die Florence IV, durch den Tunnel gezogen.

Le Cateau-Cambrésis

Die Kleinstadt Le Cateau wäre vermutlich nicht weiter erwähnenswert, wäre nicht hier 1869 Henri Matisse geboren worden.

Das Wohnhaus der Eltern, in dem Henri aufwuchs, steht allerdings etwa 20 Kilometer südlich in Bohain-en-Vermandois.

Hier steht auch ein großes Hôtel de Ville, das schon deutlich an die nordfranzösischen Rathäuser erinnert. Die Malereien im Foyer stammen nicht von Matisse, sind aber dennoch sehenswert.

In Le Cateau seinerseits gibt es das Musée Matisse, das im Palais Fénelon untergebracht ist. 

Im Garten des Museums findet man u.a. dieses Relief, das der Künstler speziell für das Museum in seiner Geburtsstadt angefertigt hat.

Der Rest der Innenstadt ist Baustelle.

Vaucelles

In Vaucelles steht eine ehemalige Zisterzienserabei, und natürlich war ich schon einmal hier. Damals, anno 2006, jedoch aufgrund eines Planungsfehlers (!) an einem Montag. Die Innenaufnahmen standen also bis jetzt noch aus, und das hole ich nun nach.

In der Französischen Revolution wurde das Kloster aufgelöst, und die Gebäude dienten als Steinbruch. So ist zum Beispiel die fast 130 Meter lange Klosterkirche (sie war größer als Notre-Dame-de-Paris) vollständig verschwunden. Säulenreihen im Garten deuten den Standort an.

Erhalten haben sich ein Flügel der Klostergebäude und das aus dem 18. Jh. stammende Logis Abbatial.

Im Kloster kann man den Saal der Mönche und den Kapitelsaal besichtigen; beide sind so großartig, wie ich es von allen großen Abteien des Ordens gewohnt bin.

Der einzige Störfaktor ist ein olfaktorischer: In der Nähe unterhält der Konzern Mars eine Fabrik für Tierfutter, und so hängt leider stets ein unpassender Geruch von Frolic in der Luft… 

Comme souvent, un Lapin Cistercien.