Zerbst

Bei der Besichtigung macht das Stadtzentrum von Zerbst einen sehr eigenartigen Eindruck.

Die Stadt war eine der zahlreichen Residenzen hier im Raum Sachsen/Thüringen/Anhalt; die Erbteilungen in den Fürstenhäusern ließen die Territorien immer winziger werden. Anhalt-Zerbst gehörte dabei noch zu den größeren und bedeutenderen.

Eine Tochter des Fürstenhauses, Sophie Auguste Friederike, wurde 1743 mit 14 Jahren als Braut nach Rußland geschickt. Sie mußte den orthodoxen Glauben annehmen, sich fortan Ekaterina nennen – und war später als Zarin eine der großen Persönlichkeiten der russischen Geschichte: Katharina die Große. Im Schloßpark steht ihr Denkmal.

Zerbst war also eine hübsche mittelgroße Residenzstadt. Aber diese wurde 1945 nahezu komplett zerstört. Fast alle bedeutenden historischen Gebäude sind heute, wenn sie überhaupt noch stehen, Ruinen: Zum Beispiel das große barocke Residenzschloß, von dem heute nur noch ein Flügel existiert.

Ruine sind auch die historischen Kirchen, zum Beispiel St. Nikolai…

…und St. Bartholomä (Hofkirche).

Die Schloßfreiheit erinnert punktuell noch an vergangene Zeiten.

Aber der Rest? Die SED-Verantwortlichen hatten sichtlich kein Interesse, die Feudalzeit wiederauferstehen zu lassen. Trotz oder wegen Katharina. Die deutsch-russischen Beziehungen wurden auf anderer Ebene gepflegt.

Es gab aber offenbar gar kein Bestreben, hier ein echtes neues Stadtzentrum hinzustellen. Also besteht die Innenstadt heute aus den historischen Ruinen, mit Brachflächen dazwischen und verbunden über breite Achsen, die mit liebloser Funktional-Architektur bebaut sind.

Und außen herum ein Ring von Plattenbauten. Wie gesagt: Sehr eigenartig, auch zum Beispiel im Vorort Ankuhn, wo der “Markt” genannte Platz auch bloß eine etwas verwilderte Brache ist. Nebenan steht von einem im frühen 13. Jahrhundert gegründeten Zisterzienserkloster noch die Kirche, als Ruine. Aber bei den Klöstern bin ich das ja gewöhnt.

Noch zwei kurze Abstecher ins Umland: In Dornburg steht ein Barockschloß, das von F.J. Stengel erbaut wurde.

Stengel dürfte den Saarbrückern bekannt sein: Die barocken Bauwerke dort stammen von ihm: Schloß, Ludwigskirche, Basilika St. Johann etc. In Dornburg kann man sehen, wie das Saarbrücker Schloß aussähe, wenn man nicht in den 80ern diesen Mittelrisalit hineingebaut hätte, den ich immer noch unpassend und mißglückt finde.

Und zum Abschluß noch ein Abstecher ans Elbufer bei Pretzien.

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