Wallerfangen

Das Wappen der Stadt Saarlouis zeigt unter anderem eine Sonne, die durch Wolken hindurchscheint. Symbolisiert wird damit, wie der Stadtgründer Ludwig XIV., dargestellt durch die Sonne, die Sorgen der Bürger seiner Stadt, dargestellt durch die Wolken, vertreibt. Weniger Rücksicht nahm der französische “Sonnenkönig” allerdings auf die Sorgen der Bürger der Stadt Wallerfangen. Die wurden nämlich nach der Gründung von Saarlouis in die Festungsstadt zwangsumgesiedelt…

Wallerfangen war bis zur Gründung von Saarlouis ein Handelsort mit Flußhafen an der Saar, im Herzogtum Lothringen gelegen und seit dem 14. Jahrhundert mit Stadtrechten ausgestattet. Ludwig XIV. ließ den Ort komplett zerstören und die Gebäude als Baumaterial für die neue Festung verwenden. Wallerfangen erlebte erst hundert Jahre später wieder einen gewissen Aufschwung, als hier 1791 eine Steingutfabrik eröffnet wurde. Inhaber war ein gewisser Nicolas Villeroy. Das Schloß der Familie Villeroy, die ihre Fabrik später nach Mettlach verlegte und mit der dortigen Fabrik der lothringischen Familie Boch fusionierte, steht noch am Ortsrand. Der Bau ist inzwischen aber von der Straße aus fast nicht mehr zu sehen. Hier mal ein Bild aus meinem Photo-Archiv (2002):

Die Wallerfanger Steingutfabrik existiert heute nicht mehr; sie mußte im Zuge der Weltwirtschaftskrise 1931 schließen. Die Gebäude wurden bald danach abgerissen. Am ehemaligen Standort in der Ortsmitte, heute eine nicht unbedingt spektakuläre Wiesenfläche, erinnert zumindest ein Denkmal an die Fabrik.

Ein weiteres Wallerfanger Schloß wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört: Der ehemalige Reichskanzler Franz von Papen, verheiratet mit Martha von Boch-Galhau, hatte hier das klassizistische Schloß Galhau bezogen. Heute stehen nur noch die Wirtschaftsgebäude; weil der Name von Papen aber nicht mehr so wohlgelitten ist (Franz von Papen saß in den Nürnberger Prozessen auf der Anklagebank der Hauptkriegsverbrecher), kümmert man sich nicht so richtig um die erhaltenen Gebäude des Hofgutes von Papen.

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