AC Mantua

Und nach den Pasta-Fans sollen nun auch die Fußball-Fans bedient werden (et oui, ils existent !! ? ).

AC Mantua gegen Union Arzignano Chiampo. Das ist Serie D und somit vierte Liga (die in neun regionalen Staffeln ausgetragen wird). Keine Hochglanz-Show mit doofem Videobeweis also, sondern echter Fußball. Es kommen aber trotzdem an die 1.000 Zuschauer, die auch mächtig Stimmung machen.

Das – wirklich schöne – Stadio Comunale Danilo Martelli hatte ursprünglich eine Radrennbahn, die aber nur noch teilweise existiert und nicht mehr nutzbar ist (Vergleichsobjekte in Deutschland: Wuppertal (Stadion am Zoo) und Düren (Jugendstadion)). 

In die Westkurve hat man auf die Reste der Bahn eine Stahlrohrtribüne gestellt, die so luftig und offen ist, daß ich erstmals beim Fußball an Höhenangst leide. Obwohl die Sicht von ganz oben durchaus prächtig ist, verziehe ich mich, nachdem die Photos im Kasten sind, lieber auf eine der niedrigeren Sitzreihen.

Für die mitlesenden Statistiker: Endstand 1:1.

Cena a Modena

Service spécial pour les adeptes de la pasta. ? 

Auf dem Rückweg von Mantua nach Bologna muß ich in Modena umsteigen, nutze die Gelegenheit für einen erneuten Stadtrundgang und ein Abendessen. Modena ist auch des nachts äußerst sehenswert.

Im gut gefüllten Ristorante da Danilo erwische ich noch einen Tisch. Das alteingesessene Restaurant (seit 1934) liegt mitten in der Altstadt. Daß auf der Speisekarte auch „Coniglio“ auftauchte, habe ich mal ignoriert… Stattdessen:

Primo piatto: Tortelloni mit Spinat-Ricotta-Füllung.

Secondo Piatto: Capretto al forno. Ziegenkitzbraten.

Dolce della Casa: Bavarese al nocino. Mascarpone-Bavarois mit Walnußlikör.

Und zwar mit richtig viel Walnußlikör. Es war danach nicht mehr ganz selbstverständlich, daß ich den Weg zum Bahnhof noch gefunden habe.

Das war mal ein richtig gutes Essen in sehr schöner Atmosphäre. Nicht daß ich mich hier als Restaurantkritiker aufspielen möchte, aber mir hat’s da sehr gut gefallen, auch wenn der Reisehase und ich ihnen das „coniglio“ auf der Karte übelnehmen. ?

Et…? Convaincue maintenant qu’il faut rechercher un vol à BLQ ?? ?

Mantua

Auf den Nebenstrecken ist das Zugmaterial doch noch deutlich anders. Aber auch dieser Regionalzug bringt mich pünktlich von Modena nach Mantua.

Das Herzogtum Mantua war über Jahrhunderte in Händen der einflußreichen Adelsfamilie Gonzaga, die die Stadt zu einem der mächtigsten  Stadtstaaten machten, aber auch die Künste förderten.

Die Stadt ist von Wasser umgeben; auf drei Seiten um die Altstadt liegen vier (zur Verteidigung der Stadt im Mittelalter künstlich angelegte) Seen.

Im Zentrum steht die riesige Residenz der Herzöge, eine aus zahlreichen Trakten unterschiedlicher Epochen bestehende Schloßanlage, angeblich das größte Bauwerk seiner Art in Italien. Zum Baukomplex gehört auch das mittelalterliche Castello di San Giorgio. 500 Räume hat der Palazzo Ducale angeblich (ich hab nicht gezählt), einer davon ist die „Camera degli Sposi“ mit Fresken von Andrea Mantegna.

Zur Stadtmitte hin grenzt der Palast an die Piazza Sordello mit Dom, bischöflichem Palais und weiteren Stadtpalästen.

Modena

Nachdem die Herzöge d’Este wegen Auseinandersetzungen mit dem Kirchenstaat Ferrara verlassen mußten, machten sie Modena, das schon seit 1452 Herzogtum war, zur neuen Residenz. Hier errichteten sie einen neuen Palazzo Ducale.

Dieser steht am Rand der hübschen Altstadt mit ihren Arkadengängen…

…und fast ausschließlich in Rot- und Ockertönen gestrichenen Häusern.

Mitten durch das Zentrum verläuft die Via Emilia, an der auch der Dom San Geminiano mit dem freistehenden (und schiefen) Campanile steht.

In Modena geboren ist Luchiano Pavarotti, und auch beim zweiten berühmten Sohn der Stadt geht es um Töne (und die Fans werden sagen: um Musik): 1898 kam hier Enzo Ferrari zur Welt; ein modernes (und – der Marke angemessen – nicht gerade preiswertes) Museum ist vor ein paar Jahren eröffnet worden.

Neben Ferrari, dessen Hauptsitz in Maranello nur ein paar Kilometer entfernt ist, produzieren übrigens noch weitere Sport- und Rennwagenhersteller in der Umgebung: Lamborghini in Sant’Agata Bolognese und Maserati hier in Modena.

Florenz

Im Sommer 1992 war ich in der Toscana. Dieser Urlaub war schön, unvergeßlich und prägend; auch an Florenz kann ich mich daher noch gut erinnern. Umso erstaunlicher eigentlich, daß „Florenz 2 – die Rückkehr“ nun erst 25 Jahre später kommt.

25 Jahre also. Siena, Florenz und San Gimignano. Unser Landhaus in Buonconvento. Und Camilla, das Mistvieh. Das bestimmt nicht mehr lebt; Katzen werden keine 25 Jahre alt. 25 Jahre. Meine Fresse.

Damals sind wir mit dem Citroën BX gefahren, heute nehme ich den Hochgeschwindigkeitszug. Mit 300 km/h brettert der Frecciarossa (müßte „roter Pfeil“ heißen, wenn meine Spanischkenntnisse und mein Sprachgefühl mich nicht täuschen) gen Süden durch die nördliche Toscana. Von der Landschaft sieht man dabei allerdings nicht viel; die Strecke verläuft größtenteils im Tunnel. Dafür dauert die etwa 100km lange Fahrt von Bologna nur 35 Minuten.

Die Hauptstadt der Toscana ist geschichtsträchtige Metropole, Renaissancezentrum, Residenz der Medici – und heute ein so beliebtes Reiseziel, daß es Venedig Konkurrenz macht. Zumindest was die Besuchermassen angeht, ist Florenz nämlich auf Augenhöhe. Das Gedränge am Dom ist ähnlich wie am Markusplatz. Und das an einem Dienstag Ende Oktober. Wie das im Sommer aussieht, will man gar nicht wissen.

Eine herausragende Schönheit ist Florenz natürlich trotzdem. Hauptstadt einer landschaftlich einmaligen Region, eine Lilie im Stadtwappen, und die Fiorentina, der Fußballverein, mit Lila als Vereinsfarbe: Da stimmt einfach alles. ?

Im strengen Palazzo Pitti residierten die Medici, die als Tuchhändler zu Reichtum und Einfluß kamen, das neuzeitliche Finanzwesen erfanden und zu einer der mächtigsten Dynastien Europas aufstiegen. Giovanni de Medici wurde 1513 zum Papst Leo X. gewählt. Katharina de Medici war französische Königin (und war 1572 für die Bartholomäusnacht verantwortlich).

Florenz war unter den Medici aber nicht nur politisch führend, sondern auch kulturell enorm einflußreich: Von hier ging die Renaissance aus. Die Bildhauer Brunelleschi und Donatello waren Florentiner, Dante und Sandro Botticelli ebenfalls, Leonardo da Vinci und Michelangelo lebten hier, Niccolò Machiavelli schrieb hier „Il principe“ und die „Discorsi“, Amerigo Vespucci wurde hier geboren, und später lebte und forschte auch Galilei in der Stadt als Hofmathematiker; sein Haus (im Bild links) steht noch.

Natürlich ist die Liste der Sehenswürdigkeiten der Stadt sehr lang. Die Ponte Vecchio von 1345 über den Arno gehört zu den ältesten Steinbogenbrücken überhaupt und hat noch ihre Brückenhäuser behalten.

Die Uffizien, ursprünglich ein Verwaltungsgebäude der Medici, gehören zu den weltweit bedeutedsten Kunstsammlungen.

Auf der Piazza della Signora wurde 1497 Savonarola verbrannt (und Dante verbannt – ein r mehr oder weniger kann den Unterschied ausmachen).
Hier stand am Palazzo Vecchio früher Michelangelos „David“; heute ist es eine Kopie.

Von der Aussichtsterrasse an der Piazza Michelangelo hat man einen schönen Blick über die Stadt und den Dom, der wie ein Schiff im Häusermeer liegt.

Erinnerungen kommen auch an Lucy Honeychurch, die hier ihr Zimmer mit Aussicht hatte und George Emerson kennenlernte, und an Eleanor Lavish, die hier ihren Kitschroman „Unter einer Loggia“ schrieb. Toller Film! Und ja, in Helena Bonham Carter war ich mindestens ein bißchen verliebt.

Hier noch ein paar Impressionen aus einer wunderbaren Stadt.

San Marino

Ein weiterer Länderpunkt für den Reisehasen: Die Republik San Marino.

Von Rimini aus kommt man per Bus in etwa 50 Minuten und für 5 Euro auf den Monte Titano. Hier liegt, auf 600m Höhe über der Adria, die Hauptstadt der ältesten Republik der Erde: Der Legende zufolge wurde San Marino bereits im Jahr 301 gegründet; als Republik besteht der Staat seit dem 13. Jh.

Das kleine Land ist gerade mal 61 qkm groß. Zum Vergleich: Das Saarland ist 40 mal größer – Eisberge der Größe San Marinos finden daher in der Presse nur selten Beachtung. Die 33.000 Einwohner leben im Hauptort und  acht Dörfern in der Ebene unterhalb des Berges. Wie es die kleine Republik geschafft hat, ihre Unabhängigkeit zu wahren, ist mir nicht klar. Vielleicht war sie schlicht zu klein, zu abgelegen, zu unbedeutend. Oder die Einwohner waren zu geschickt. Bei der Bildung des italienischen Königreiches im Jahr 1861 jedenfalls entzogen sie sich und blieben selbständig.

Stadt und Staat sind unbestreitbar sehr, sehr sehenswert, mit den Befestigungsanlagen auf dem Berggipfel, 

dem Blick über die Küstenebene bis zur Adria,

der Piazza della Libertà,

und dem Dom Basilica del Santo.

Besonders beeindruckend sind die drei Festungen, die hart an den Rand des nach Osten fast senkrecht abfallenden Felsens gebaut sind.

Den Schönheitswettbewerb mit anderen Zwergstaat-Hauptstädten wie Vaduz oder Andorra la Vella jedenfalls muß San Marino nicht fürchten, im Gegenteil: Den gewinnt das Städtchen um Längen.

Fußball gäbe es hier auch, sogar in einer eigenen nationalen Liga mit 15 Vereinen und dem charmanten Namen „Campionato Dilettanti“. Gespielt wird aber nur am Wochenende, und so muß ich irgendwann mal wiederkommen, um die SP La Fiorita Montegiardino zu besuchen.

Fühlt sich hier wohl: Der Reisehase.

Rimini

Die Stadt an der Adria mit ihrem endlos langen Sandstrand war in der Wirtschaftswunderzeit das Urlaubsziel Nummer Eins der Deutschen. Man sprach Deutsch am „Teutonengrill“. Auch heute reiht sich hier noch Hotel an Hotel und Schnellimbiß an Schnellimbiß. Jetzt ist die Saison aber zu Ende, und die Strandbuden sind geschlossen.

An Baden ist heute auch nicht zu denken. Zu viel Wind, zu viele Wellen. Der Strand und das Meer haben aber natürlich trotzdem ihren Reiz.

Rimini selbst gab es aber schon lange vor der deutschen Invasion; die Stadt hat römische Wurzeln. Daran erinnern die Reste des Amphitheaters:

Und der 27 v. Chr. errichtete Arco d’Augusto ist der älteste erhaltene römische Triumphbogen überhaupt.

Auch das Zentrum ist sehenswert, vor allem um die Piazza Tre Martiri…

…und die Piazza Cavour mit ihren Palazzi.

Über den berühmtesten Sohn der Stadt berichte ich gleich ausführlich in einem eigenen Beitrag.

Alla bolognese

Mir wurde heute gesagt, ich solle mich weniger um Fußball und mehr um Pasta kümmern. Heute ist Montag, und es findet ohnehin kein relevantes Spiel statt; da fällt es überhaupt nicht schwer, der Anregung Folge zu leisten.

Also ab in die Trattoria. „Alla bolognese“ findet man in Bologna auf den Speisekarten als „al ragù“. Zur Hackfleischsauce gibt es hier traditionell Tagliatelle (Spaghetti kommen eher aus Neapel).

Dazu als Wein ein Sangiovese hier aus der Emilia Romagna. Vorher noch eine Crema al Parmigiano.

Der Nachtisch dürfte bei den Schokoladen-Fans auf Begeisterung treffen: Tenerina al cioccolato.

Bologna

Erste Eindrücke. Ich bin ja zehn Tage hier im Hotel, aber tagsüber meistens unterwegs, um einige der Städte der Umgebung zu besuchen. In Bologna hat es daher bisher erst zu einem kurzen Rundgang gereicht.

Es ist hier aktuell auch Fiera del Libro. Als ich in Sevilla war und damals dort auch eine Büchermesse stattfand, hatte ich auf dem Rückflug 24kg mehr im Koffer (und im eigens für den Transport gekauften Rucksack) als beim Hinflug. Zum Glück kann ich kaum Italienisch, so daß der Kaufanreiz geringer ist und ich nicht testen muß, ob die Lufthansa, was Übergepäck angeht, genauso großzügig wäre wie Iberia damals…

Kulinarisch ist Bologna nicht nur die Heimat des ragù bolognese, also der Hackfleischsauce, sondern unter anderem auch der Tortellini. Und die werden dann auch gleich mal bestellt.