Offiziell sind die traditionellen irischen Grafschaften in Nordirland abgeschafft und durch andere Verwaltungseinheiten ersetzt, zum Beispiel solche mit sperrigen Namen wie “Newry, Mourne and Down District Council”. Die sechs nordirischen Grafschaften gelten daher für irische Republikaner auch als “six lost counties”. Aber eigentlich sind sie gar nicht so richtig verschwunden. Weil sie zum Beispiel immer noch mit eigenen Teams an der irischen Meisterschaft in den Gälischen Sportarten teilnehmen (da spielt dann zum Beispiel Down gegen Louth). Und in Downpatrick gibt es wie selbstverständlich das Down County Museum. Das hat sich der Reisehase mal angeschaut.

Von außen wirkt der Bau sehr abweisend. Die hohe Mauer erinnert an eine Gefängnismauer.

Was einfach daran liegt, daß das wirklich mal ein Gefängnis war. Die hohe Mauer umschließt einen großen Innenhof mit zwei Gebäudetrakten.

Im mittleren Trakt kann man die Zellen besichtigen. Es sind winzig kleine Räume mit winzig kleinen Fenstern; in manchen Räumen kann ich mit ausgestreckten Armen beide Seitenwände gleichzeitig berühren. Darin eventuell über Jahre eingesperrt zu sein, ist irgendwie schwer vorstellbar. Aber vermutlich war das alles noch schlimmer, weil das ganz bestimmt keine Einzelzellen waren.


Zu sehen ist außerdem eine umfangreiche Ausstellung zur Geschichte von Down. Mit wirklich vielen und interessanten Objekten aus 9000 Jahren Geschichte.

Man sieht Monster-Demonstrationen, die den irisch-republikanischen Betrachter erfreuen,…

…hübsche Frauen…

…und Frauen, die weniger hübsche Dinge tun und rücksichtslos ihren Willen durchsetzen. Geld regiert nun mal die Welt, und wenn sich die Lady von so einem blöden Dorf gestört fühlt, dann weg damit. Die Bewohner hat man immerhin nur nach Amerika abgeschoben und nicht umgebracht. Das war vermutlich 1850 auch für die englische Oberschicht nicht mehr so einfach. Obwohl, eigentlich schon, denn im Rest der Insel tobte zu der Zeit noch die Große Hungersnot. Da waren die Bewohner von Audleystown eventuell sogar froh, daß sie in Amerika die Chance hatten, zu überleben. Die Dame im Bild oben ist übrigens nicht Lady Bangor.

Das Prunkstück der Ausstellung ist ein Hochkreuz aus der Zeit um 900, das bis vor etwa zehn Jahren noch im Freien stand, neben der Kathedrale. Man hat dort nun eine exakte Kopie aufgestellt und das unschätzbar wertvolle Original ins Museums gebracht, um es vor der Witterung zu schützen. Dort kommt das majestätische, über drei Meter hohe Kreuz sehr gut zur Geltung.
