Castres und Mazamet

Am nördlichen Fuß der Montagne Noire liegen mit Castres und Mazamet zwei größere Städte, die sich im Stadtbild deutlich unterscheiden. Castres, am Agout gelegen, ist deutlich größer als Mazamet, ist als ehemaliger Bischofssitz und Unterpräfektur des Départements Tarn auch viel bedeutender und bietet außerdem einige Sehenswürdigkeiten mehr.

Zum Beispiel die Häuserzeile am Ufer des Agout.

Und das Musée Goya, das im ehemaligen Bischofspalast untergebracht ist, ein Bau übrigens von Jules Hardouin-Mansart, der unter anderem den Invalidendom in Paris und Teile der Schloßanlage von Versailles entworfen hatte und nach dem das Mansarddach benannt ist. Goya selbst hatte mit Castres eigentlich nichts zu tun, aber die Sammlung des Museums wurde um drei Bilder des Künstlers herum aufgebaut. Wer mehr über das Museum wissen will: Der Artikel in der französischen Wikipedia ist mehrere Kilometer lang und läßt vermutlich keine Fragen offen, die ihr euch sowieso nie gestellt habt.

Auf der Rückseite des Bischofspalastes liegt der Barockgarten, der ebenfalls von einem berühmten Barockarchitekten stammt: André Le Nôtre, der „Erfinder“ des französischen Landschaftsgartens, der unter anderem für die Gärten von Versailles verantwortlich zeichnete.

Am Rand des Gartens steht das ebenfalls sehenswerte Stadttheater.

Das eigentliche Zentrum der Stadt bildet aber die langgestreckte, rechteckige Place Jean-Jaurès…

…mit dem Denkmal des Politikers, der in Castres geboren wurde und nicht nur Politiker war, sondern auch Philosoph. Er war auch Pazifist und wurde ermordet – am 31. Juli 1914, also am Tag, bevor der Erste Weltkrieg ausbrach. Und welchem unserer aktuellen Politiker kann man den Status eines Philosophen zugestehen?

Gegen all das, was Castres bietet, kann Mazamet nicht mithalten. Die Stadt ist nur etwa ein Viertel so groß wie Castres, liegt aber immerhin etwas schöner direkt am Fuß der Montagne Noire.

Mazamet hat weniger Geschichte zu bieten und war vor allem industriell geprägt, insbesondere von der Leder- und Textilindustrie. Daher ist das Stadtbild auch weniger herrschaftlich als in der Bischofsstadt Castres. Man sieht das schön am Rathaus hier in der Bildmitte: Streng funktional, kein Schnickschnack.

Das Banner über der Straße verweist auf ein Radsport-Event, das am Sonntag (also zum Zeitpunkt des Photos „morgen“) stattfindet und dessen Namensgeber der in der Stadt geborene Laurent Jalabert ist. „Jaja“, wie er von den Franzosen gerufen wurde, war in den 90ern einer der großen Radsport-Stars in Frankreich, gewann viele Frühjahrs-Klassiker und Eintagesrennen, war aber auch bei der Tour de France erfolgreich, als Gewinner des Grünen Trikots und des Bergtrikots. Ich hatte irgendwann die Hoffnung, er könnte endlich wieder für einen französischen Sieg sorgen, aber mehr als Platz 4 im Gesamtklassement hat er nie geschafft. Und außerdem war ich eher Fan von Richard Virenque. Auf den französischen Sieg warte ich derweil immer noch…

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