Auf dem Weg vom badischen Exil in die saarländische Heimat fährt der Reisehase regelmäßig durch die Pfalz. An einem so schönen Herbsttag lohnt es sich, ausnahmsweise mal nicht die A6 zu fahren, sondern parallel zur Autobahn durchs Nordpfälzer Bergland: Kleine Tagestour also von Kirchheimbolanden nach Meisenheim am Glan.

Die Aussicht aus dem Startbild ist vom Königsstuhl, dem höchsten Punkt des Donnersbergs. Das ist mit 686 Metern Höhe der höchste Berg der Pfalz (nicht von Rheinland-Pfalz, das ist der Erbeskopf, aber der liegt im Hunsrück). Der Königsstuhl ist diese Felsformation:

Das Startbild ist absichtlich ohne Himmel aufgenommen, denn wenn man den Winkel etwas erweitert, kommt nicht nur der Horizont ins Bild, sondern auch die zahllosen Windräder, die hier, wie im benachbarten Hunsrück und in Rheinhessen, das Landschaftsbild verschandeln. Für die diversen Buchprojekte werde ich also wieder lange beschäftigt sein, mit Photoshop den ganzen Mist wegzustempeln.

Auf dem Weg über den weiten Donnersberg-Gipfel verdeckt gnädigerweise der Wald die Aussicht aufs zerstörte Landschaftsbild. Insgesamt kann man von West (Königsstuhl) nach Ost (Adlerbogen, wo es einen weiteren Aussichtspunkt in Richtung Osten gibt) etwa zweieinhalb Kilometer über das Plateau gehen. Man kommt dann an der Sendeanlage und dem Ludwigsturm von 1865 vorbei, einem (aktuell aber geschlossenen) Aussichtsturm. Außerdem lag hier oben ein keltisches Oppidum. Daran erinnert diese – natürlich neuzeitliche – Skulptur, die eine keltische Göttin darstellen soll.

Östlich des Donnersbergs liegt Kirchheimbolanden, kurz Kibo, ein Residenzstädtchen mit knapp 8.000 Einwohnern. Es bietet kostenfreie Parkplätze (Pluspunkt!), eine daher lebendige Innenstadt und einen erhaltenen Teil der mittelalterlichen Stadtmauer, auf den man hinaufsteigen und dann vom Wehrgang auf die Dächer der Altstadt schauen kann (noch ein Pluspunkt!).

An der Stadtmauer kann man auch diesem Freischärler begegnen, der an ein Gefecht im Jahr 1849 erinnert und schon ziemlich echt wirkt.

Kibo war Residenz der Grafen von Nassau-Weilburg, die eigentlich im Hessischen zuhause waren, aber rund um den Donnersberg auch größere Territorien besaßen (naja, größer ist relativ; der Flickenteppich der Landesherrschaften war im 18. Jahrhundert schon ziemlich kleinteilig). An die Zeiten als Residenz erinnern noch das Schloß, diverse barocke Bauten zum Beispiel entlang der Amtsstraße und die Orangerie:

Westlich des Donnersbergs liegt eine andere Kleinstadt: Rockenhausen.

Auch hier gibt’s ein Schloß, dieses Mal von den Kurpfälzern, und einige sehenswerte Gebäude, teils mit Fachwerk wie dieses hier, in dem ein Turmuhrenmuseum untergebracht ist.

Auf dem Marktplatz vor der Kirche ist eine Skulptur aufgestellt, mit zwei kopflosen Figuren und weiteren Details. Und wer ganz genau hinschaut, findet…

…Hasen!

Genau hinschauen muß man, je nach Sonnenstand, auch am Rathaus von Alsenz, ein paar Kilometer weiter nördlich.

Das ist ein sehr hübscher Fachwerkbau von 1578.
