Viaduc de Garabit

Etwas südlich von Saint-Flour fließt die Truyère durch ein recht tiefes Tal, das von einer sehr hübschen Eisenbahnbrücke gequert wird.

Das Viaduc de Garabit, 1882-84 gebaut, ist ein Werk von Gustave Eiffel, der hier zeigen konnte, was sein Eisenfachwerk leisten kann. Danach durfte er dann in Paris seinen Turm hinstellen. Das Garabit-Viadukt war damals die höchste Eisenbahnbrücke weltweit.

Was für eine Schönheit!

Ich war (natürlich) schon mal hier, mehrfach, und habe auch schon direkt am Viadukt übernachtet (im Hotel Beau Site, das direkt oberhalb liegt und sehr empfehlenswert ist, aber dieses Mal für die Folgeetappen etwas ungünstig gelegen hätte). Das Viadukt ist einer meiner Lieblingsorte, einer von vielen in Frankreich (ich hab aus der Liste auch mal einen kleinen Bildband gemacht). Wenn so ein Ort, wie heute, auch nur ansatzweise auf der Reiseroute liegt, fahre ich natürlich nicht einfach so vorbei. Auf der Gedenktafel an einem der Sockel wird nicht nur Gustave Eiffel geehrt, sondern auch Léon Boyer, der als Verantwortlicher für die Trassierung der Eisenbahnstrecke die genaue Stelle für das Viadukt vorgeschlagen hatte, und der Chefingenieur Alceste Bauby.

So wenig Wasser wie dieses Jahr hatte die Truyère noch nie, wenn ich hier war. Man sieht sogar die Reste der alten Brücke, die bei normalem Wasserstand im aufgestauten Fluß verschwunden sind. Der Sommer muß wohl, wie auch im Saarland, sehr trocken gewesen sein.

Direkt am Fluß steht das Hôtel Garabit. Da war ich zwar noch nicht, aber dafür Romy Schneider.

Sie hat hier nämlich unter der Regie von Henri-Georges Clouzot „L’enfer“ gedreht, der zu den berühmtesten Filmen gehört, die es gar nicht gibt (genau wie Fellinis „Reise des Giuseppe Mastorna“). Allerdings ging bei den Dreharbeiten so ziemlich alles schief: Der Hauptdarsteller Serge Reggiani zerstritt sich mit Clouzot, wurde krank und verschwand irgendwann vom Set. Weil wenig Zeit für die Dreharbeiten war, wollte Clouzot mit drei Teams parallel arbeiten, war damit aber komplett überlastet. Das ganze Projekt versank im Chaos, Clouzot hatte schließlich einen Herzinfarkt und mußte den ganzen Film aufgeben. Es gibt nur ein paar Probeaufnahmen (die allerdings sehr sehenswert sind) und eine ebenfalls sehenswerte Doku über dieses gescheiterte Filmprojekt, das vielleicht ein Meisterwerk und einer der bedeutendsten Filme des französischen Kinos hätte werden können. Claude Chabrol hat das Drehbuch dann etwa 25 Jahre später doch noch verfilmt; sein „L’enfer“ gilt nicht als eines seiner besten Werke, aber da Emmanuelle Béart die Hauptrolle spielt, kann man sich den Film trotzdem anschauen.

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