Wilmesau (Wilamowice)

Ich bin ja – wenn auch nicht beruflich, aber vom Studium her – auch Germanist und finde daher Wilmesau, eine Kleinstadt nördlich von Bielsko-Biala, höchst spannend. Auch weil es hier sowas gibt:

Müzeum? Kultür? Watt is datt denn? Polnisch ja nun definitiv nicht, deutsch aber auch nicht. Es ist Wilmesaurisch, tatsächlich eine eigenständige Sprache. Kaum jemand kennt sie, kaum jemand wird sie hier im südöstlichen Schlesien verorten und kaum jemand spricht sie noch (leider). Das Sprachgebiet des Wilmesaurischen, das seit 2007 eine offiziell anerkannte Sprache ist, beschränkt sich im wesentlichen auf Wilmesau und ein paar kleinere Dörfer in der Umgebung.

Wilmesaurisch hat sich aus einem schlesischen Dialekt des Deutschen entwickelt und ist eine deutsch-polnische Mischung, in der die Grammatik ans Deutsche angelehnt ist, sich aber der Wortschatz zu einem gewissen Teil aus dem Polnischen speist. Einen Eindruck liefert diese Tafel, auf der die Brunnenskulptur erklärt wird, die unten auf den Bildern zu sehen ist:

Vor dem Krieg sprach mehr oder weniger der ganze Ort so, nach dem Krieg war Wilmesaurisch erst einmal für ein paar Jahre komplett verboten, durfte dann aber wieder gesprochen werden. Heute spricht die Jugend dennoch eher polnisch als wilmesaurisch, weshalb die Sprache akut vom Aussterben bedroht ist.

Die Anzahl der möglichen Sprecher ist eben auch sehr begrenzt, weil sich Wilmesaurisch im wesentlichen auf einen Ort mit etwa 3.500 Einwohnern beschränkt. Wilmesau ist also definitiv keine Großstadt, hat aber ein sehr hübsches Ortszentrum mit einem sehr gepflegten zentralen Platz mit Grünflächen und dem im Bild oben detailreich erklärten Brunnen.

Die neugotische Pfarrkirche mit ihrem hohen Turm steht auch nicht weit weg.

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