Südwestlich von Ostrau liegt, schon recht tief in Mähren und ziemlich weit weg von Schlesien, das Kuhländchen. Das klingt nach Abgeschiedenheit und Idyll, mehr noch als das Hultschiner Ländchen, wo wir letztens ja waren. Hier führte aber auch schon im Mittelalter eine wichtige Handelsstraße hindurch, und Nový Jičín (Neutitschein), mit 23.000 Einwohnern die größte Stadt im Kuhländchen, war schon im frühen 19. Jahrhundert ein wichtiger Standort der Textilindustrie.

Auch Nesselsdorf (Kopřivnice), wo ab 1850 zunächst Kutschen und später Automobile gebaut wurden (siehe nachfolgenden Beitrag), ist nicht weit weg. Trotzdem ist das Kuhländchen insgesamt als hügelige Gegend mit vielen Wiesen und Feldern und ohne größere Städte durchaus ländlich geblieben. Das sieht man zum Beispiel, wenn man sich Nový Jičín per Landstraße nähert:

Die Gegend gehört zu Mähren, war aber früher eine deutsche Sprachinsel innerhalb einer Region, in der mehrheitlich mährisch gesprochen wurde. Von hier stammten unter anderem Johann Gregor Mendel und Siegmund Freud. An die Traditionen der Region erinnert der Brunnen auf dem zentralen Masaryk-Platz in Nový Jičín: Die Brunnenskulptur mit den beiden tanzenden Kuhländlern wurde 1929 eingeweiht.

Da hier ja auch Ludwigsburger mitlesen: Auf der Bärenwiese in Ludwigsburg, direkt gegenüber vom Barockschloß, steht eine Kopie dieses Kuhländler Bauernbrunnens. Ludwigsburg hatte nach dem Zweiten Weltkrieg die Patenschaft für die vertriebenen Deutschen aus dem Kuhländchen übernommen. Heute sind Ludwigsburg und Nový Jičín Partnerstädte.
In den breiten Straßen, die auf die Stadtmitte zulaufen, sieht man heute noch, daß die Stadt schon zu Zeiten der Habsburger durchaus wohlhabend war:


Das Zentrum bildet der große Marktplatz mit Bürgerhäusern und Arkadengängen außen herum und dem Marktbrunnen und der Mariensäule in der Platzmitte.

