Emden

Der große Max Goldt nannte eines seiner Bücher “Quitten für die Menschen zwischen Emden und Zittau”. Daß der Reisehase nun kurz nacheinander zuerst Zittau (im Mai auf der Tour durch die Sudeten), dann Emden besucht, ist allerdings purer Zufall.

In Emden kann man stets etwas Besonderes entdecken, egal in welche Himmelsrichtung man geht.

Am Bahnhof steht zum Beispiel diese Denkmallok, die 43 903-4 der DR-Baureihe 44:

Hier kann der Reisehase auch mal den Lokomotivführer geben.

Emden ist mit knapp 50.000 Einwohnern die größte Stadt Ostfrieslands. Das Zentrum der (übrigens im Zweiten Weltkrieg ziemlich stark zerstörten) Stadt bildet der Ratsdelft, ein Teil des Emder Hafens, der durch die Vertiefung und Verbreiterung des Flüßchens Ehe entstand. Das Wort “delft” kommt vom Verb “delven” = graben. Hier am Ratsdelft mit der Delfttreppe vor dem Rahaus war früher das geschäftige Zentrum der Handels- und Fischereistadt Emden. Heute dient der Ratsdelft vor allem als Museumshafen, zum Beispiel für das Feuerschiff Amrumbank, 1914/15 auf der Meyerwerft in Papenburg gebaut.

Aber auch andere alte Schiffe sind hier zu sehen.

Das Rathaus wirkt durchaus prächtig, war aber bis zu seiner vollständigen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg noch viel prächtiger. Erst 1962 war das wiedererrichtete Gebäude fertiggestellt, nun in deutlich vereinfachten Formen, aber mit Anklängen an den Vorgängerbau. Am Rathaus lungern außerdem diese drei Gestalten herum. Sie heißen Delftspucker, und den Namen sollte man durchaus wörtlich nehmen und nicht unbedingt genau im Bereich vor ihnen herumstehen. Sonst könnte man naß werden.

Die Flagge, die im Bild zu sehen ist, ist die Emder Stadtflagge: Gelb-Rot-Blau, mit dem Stadtwappen, das unter anderem den goldenen Engel der Cirksena-Familie zeigt, den Herrschern über die Stadt in der frühen Neuzeit – bis 1595. Dann nahmen die Emder Bürger das Heft selbst in die Hand, vertrieben die Grafen, gründeten eine Stadtrepublik und waren fortan so selbstbewußt, daß sie Urkunden sogar mit der Abkürzung S.P.Q.E. versahen wie einst die Römer, nur mit E für Emden statt R für Romanus… Romani? Ach, egal. Romani eunt domus.

Am Hafen steht noch eine weitere Skulptur: Das Fischmädchen Jantje Vis, das hier etwas arg ernst guckt. Aber vom Fischverkauf leben zu müssen war ja auch kein wirkliches Vergnügen.

Ein berühmter Sohn der Stadt ist Henri Nannen, Gründer und langjähriger Chefredakteut des “Stern”. Seine Kunstsammlung schenkte er seiner Geburtsstadt und ließ die Kunsthalle errichten, die 1986 eröffnet wurde. Sie zeigt Nannens Sammlung mit Werken vor allem der klassischen Moderne von unter anderem Emil Nolde, Franz Marc und Ernst Ludwig Kirchner.

Und dieses Ampelmännchen gibt einen Hinweis darauf, daß Emden noch einen anderen berühmten Sohn hat.

Nicht erkannt? Jetzt aber:

Otto Waalkes gehört zweifellos zu den großen deutschen Komikern und hat als Zeichner, Musiker und Schauspieler riesigen Erfolg. Auch wenn er, wie ich finde, leider seit ca. Mitte der 80er nur noch seine bekannten Gags variiert hat. Viel Neues kam nach “Otto der Film” ja irgendwie nicht mehr. Aber davor hat er einiges veröffentlicht, was bis heute bekannt und beliebt ist, immer wieder gerne zitiert wird und auch beim hundertelften Hören noch witzig ist. Dank Otto wissen wir: Der Friese trinkt wenig, aber dafür oft und dann viel. Nebenbei machte er der Nation in den 70ern klar, daß die gerade durch die Witzewelle gebeutelten und als tumbe Bauerntrottel abgestempelten Ostfriesen alles andere als doof sind. Seit 1987 ist ein Gebäude am Ratsdelft nicht mehr bloß ein Gebäude, sondern Dat Otto Huus, mit Museum und Fanartikel-Shop.

Eines seiner Markenzeichen sind die Ottifanten. Aber es gibt auch Ottihasen (Bildmitte links, im Flugzeug). Das war mir dann doch neu.

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